Filme von Marguerite Duras

30. November 2007

Immer sehr gesucht sind die Filme von Marguerite Duras. In Frankreich sind jetzt einige davon auf DVD erschienen – auf „Nathalie Grangier“ bei Blaq Out hatten wir hier schon hingeweisen. Nun beginnt auch der Vertrieb ihrer Werke, Benoît Jacob Vidéo mit der Herausgabe der bisher nur auf SECAM-Videokassette erhältlichen Filme auf DVD. Die gute Nachricht dabei: Sie haben, entgegen allgemeiner Ankündigung, offenbar englische Untertitel, so dass die Filme nun auch einem breiteren Publikum zugänglich sind (bei „India Song“ ist das sicher, bei den anderen DVDs voraussichtlich ebenso).

Erschienen sind „India Song“ (Inhalt), „Les Enfants“ (Inhalt) und eine Sammlung mit den 4 Kurzfilmen „Cesarée“, „Les Mains négatives“, „Aurélia Steiner Melbourne“ und „Aurélia Steiner Vancouver“. Die DVD „India Song“ enthält zusätzlich „La Couleur des Mots“, ein Film nach Gesprächen zwischen Marguerite Duras und dem französischen Schriftsteller und Essayisten Dominique Noguez (ebenfalls mit englischen Untertiteln). Weitere DVD-Editionen von Benoît Jacob Vidéo werden folgen.

“ Die Filme der Duras sind „un autre cinéma“. Sie reduziert und demontiert die Filmsprache auf wenige, essentielle Momente, auf die einfachsten Elemente. Ihre Filme glichen oft Meditationen oder Beschwörungen, in denen die Bilder wie aufgeladen durch die Kraft des Wortes erscheinen… Zugleich waren diese Filme aber auch radikale Herausforderungen des bestehenden Kinos mit seinem Zwang zum Geschichtenerzählen, sie waren entschiedene Gegenentwürfe von Kino – im Formalen wie im Inhaltlichen und Politischen… Duras‘ filmisches Schaffen ist als ästhetische Suche zu verstehen, die sich mit den Grenzen von Wort und Bild auseinandersetzt.“ (Werkschau Kommunales Kino Freiburg)

Über die Bildsprache von Marguerite Duras siehe NZZ.


Klassiker von Lotte Reiniger

27. November 2007

Der Willy-Haas-Preis 2007 geht an die Edition der Klassiker von Lotte Reiniger. Aus der Begründung der Jury:

“ Noch vor den berühmten Animationsfilmen der Disney-Schule begeisterte Lotte Reiniger grosse und kleine Zuschauer mit ihren Filmen in der Technik des chinesischen Scherenschnitts. 1926 realisierte sie mit DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED den ersten langen Zeichentrickfilm der Welt und arbeitete bis in die Nachkriegszeit vor allem in Deutschland und England an einem umfangreichen Oeuvre.
In dieser Edition des Deutschen Filmmuseums und des Deutschen Filminstituts – DIF sind neben den bekannten Filmen auch zahlreiche verschollen geglaubte Arbeiten zu finden, die die Vielseitigkeit der Künstlerin betonen.
Diese auf vier Teile mit sieben DVDs angelegte Edition (der letzte Teil steht noch aus, um auch neue Archivfunde einbringen zu können) überzeugt durch ihre Reichhaltigkeit und vorbildliche Dokumentierung mit Beiheften und diversen Extras. Die Filme werden in neu restaurierten Fassungen mit teilweise mehreren musikalischen Einspielungen und in deutschen und englischen Sprachversionen angeboten.
Die Edition ist ein gelungenes Zusammenspiel der verspielten und verträumten Leichtigkeit und Zauberei der Künstlerin und der Sachlichkeit filmhistorischer Arbeit.“ (Cinefest)

Die vierteilige Lotte Reiniger Edition ist bei Absolut Medien erschienen, einem der profiliertesten deutschen DVD-Label. Zur Information über die einzelnen DVDs bitte auf die Bilder klicken.


Agnès Varda: Alle Kurzfilme

24. November 2007

Cine Tamaris, die Produktionsgesellschaft von Agnès Varda und Jaques Demy, hat eine DVD mit allen ihren Kurzfilmen herausgebracht. „Varda Tous Courts“ enthält 16 Filme von 1957 bis 2004, die die ganze Vielfalt ihres cineastischen Ausdrucks zeigen (mit englischen Untertiteln, die Filme im Detail). Alain Bergala feiert Agnès Varda als große Essayistin:

„Ses films courts n’ont jamais été des « courts-métrages », au sens convenu et institué du terme, mais à chaque fois de véritables « essais » en cinéma, des prototypes où il lui faut inventer en même temps la forme, unique, et le sujet que cette forme va prendre dans ses mailles comme un poisson vivant. (…) Varda est bel et bien notre grande essayiste en cinéma. “ (Alain Bergala, Comme au Cinéma)


60 Jahre Festival von Avignon

24. November 2007

In Frankreich ist eine bedeutende Sammlung von Theaterinszenierungen auf DVD erschienen. 60 Ans Festival d’Avignon versammelt 4 markante Inszenierungen aus den Jahren 2000 bis 2004 zum Jubiläum des Festivals:

  • „Medea“ von Euripides mit Isabelle Huppert in der Regie von Jacques Lasalle. Die Filmregie hatte Don Kent (Avignon 2000, deutsche Untertitel). – Interview mit Isabelle Huppert
  • „Die Schule der Frauen“ von Molière mit Pierre Arditi und Agnès Sourdillon in der Regie von Didier Bezace, Filmregie ebenfalls von Don Kent (Avignon 2001, Théâtre de la Commune, deutsche Untertitel). – Auszug aus dem Pressedossier
  • „Trilogie der Sommerfrische“ von Carlo Goldoni in der Regie von Jean Louis Benoit, Filmregie von Pierre Cavassilas (Avignon 2002, Théâtre National de la Criée – Marseille, keine Untertitel)
  • „Woyzeck“ von Georg Büchner mit Bruno Cathomas in der Regie von Thomas Ostermeier, Filmregie von Hannes Rossacher (Avignon 2004, Schaubühne am Lehniner Platz, deutsch mit franz. Untertiteln). – Arte Programmankündigung

Enthalten in der Box ist die Dokumentation „Cour d’honneur et champs de bataille“ (Avignon – Ehrenhof und Schlachtfeld, Frankreich 2006, 75 Min., deutsche Untertitel) von Michel Viotte und Bernard Faivre D’Arcier über die Geschichte des 1947 von Jean Vilar gegründeten Festivals im alten Ehrenhof des Papstpalastes in Avignon. Zur Inszenierung der „Schule der Frauen“ gibt es außerdem eine knapp einstündige Dokumentation von Jean-Philippe Granier, der die Arbeit an dem Stück drei Monate lang mit der Kamera begleitet hat.


Aufklärungsfilme für Kinder

23. November 2007

Die Klassiker des Schriftstellers Peter Mayle zur sexuellen Aufklärung von Kindern sind vielen noch aus der Zeit der Videokassette Mitte der achtziger Jahre bekannt:

Kessel Marketing hat die Filme jetzt auf DVD herausgebracht, zu einem moderaten Preis von ca. 10.- Euro direkt bestellbar.


Ten Canoes

23. November 2007

“ Ten Canoes“ ( 10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen) von Rolf de Heer ist ein anthropologischer Spielfilm und gleichzeitig fulminates Kino:

„Während der Jagd einer Sippe australischer Ureinwohner nach Enteneiern wird offenbar, dass der Jüngste in der Gruppe die dritte Frau seines älteren Bruders begehrt. Der reagiert mit Gelassenheit und beginnt dem Jungen eine ähnlich gelagerte Geschichte aus der Vorzeit der Aborigines zu erzählen, die mit tragischen Verwechslungen, Rache und Tod endete. Ein ebenso poetisches wie bildgewaltiges Drama, das ganz aus dem Blickwinkel der australischen Ureinwohner erzählt wird, was auch die Tatsache erklärt, dass Dinge des täglichen (Über-)Lebens gleichberechtigt neben der archaischen Liebesmetapher stehen. Der zeitlose Film von der Wucht eines shakespeareschen Dramas entstand unter Mitwirkung von Aborigines und schafft es mit viel Humor, deren Denk- und Wertesystem näher zu bringen. – Sehenswert ab 14.“ (Lexikon des internationalen Films) (Kritik)

Die DVD ist in Großbritannien und den USA lieferbar. Beide Ausgaben enthalten auch die 50minütige Dokumentation “The Balanda and the Bark Canoes” über die Dreharbeiten mit den Aborigines, allerdings ist die Bildqualität der US-Disc offenbar nicht optimal. In Australien ist eine Special Edition mit 2 Discs (Reginalcode 0) ohne die genannte Dokumentation mit anderem Zusatzmaterial erschienen (Rezension).

Alle DVD-Ausgaben haben ein anderes Bildseitenverhältnis (1,78:1) als die Kinokopie (2,35:1), vermutlich also einen Open Matte-Transfer vom Super 35-Negativ (siehe unter „The DVD“ hier und unter „Video“ hier). Der Film liegt in zwei Tonfassungen vor: Die Kinoversion hat einen englischen Kommentar von David Gulpilil zum Film in Originalfassung mit englischen Untertiteln. Die DVD-Ausgaben bieten dazu noch eine authentische Fassung in der Sprache der Aborigines ohne Kommentar mit englischen Untertiteln. Nur die australische Ausgabe hat für beide Versionen einen Dolby Digital 5.1-Ton.

Nachtrag vom 28.11.2007: Paolo Cherchi Usai, der neue Leiter des National Screen and Sound Archive in Australien, hat beim Regisseur selbst nachgefragt. Hier die Antwort von Rolf de Heer aus der Liste AMIA-L, die die Gründe für die verschiedenen Formate aufklärt:

„The cinema version of ‚Ten Canoes‘ is indeed 2.35:1, but when we came to making the video masters, we had a good think and a good experiment and decided that DVD is a different medium than cinema, and therefore ought to be treated independently…we were not trying to replicate the cinema experience at home (which one can’t), so let’s work out how to give the best DVD experience, let’s deal with DVD as a delivery medium in its own right. Ultimately that meant going full frame rather than letterboxing, allowing the viewer to become more deeply connected with the image on screen.“

„We did shoot on Super-35, giving us access to more image, but it was not simply an open-matte transfer. Each shot was re-considered and individually positioned and cropped from the available increased image to give the best possible composition at the new ratio. It cost a fair bit more to do, but has its own artistic integrity as a consequence“. (Rolf de Heer, zitiert in AMIA-L)



Arnold-Hau-Filme

23. November 2007

Auf vielfachen Wunsch hier einmal hervorgehoben: Die Arnold-Hau-Filme erscheinen jetzt auf DVD! Wer weiß schon, dass die Neue Frankfurter Schule auch eine Filmproduktion hatte: „Arnold Hau: eine Gemeinschaftsproduktion der „Pardon“-Autoren F.W. Bernstein, Robert Gernhardt und F.K. Waechter, der Kernzelle der heute gefeierten „Neuen Frankfurter Schule“. Aus einer Bühnenadaption unter der Regie von Arend Agthe und Bernd Eilert entstand mit Gernhardt und Waechter die „Hau-Coop“-Filmproduktion“ (Zweitausendeins). Den Höhepunkt bildete das Casanova-Projekt, das jüngst erst anlässlich einer Ausstellung im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt wieder aufgeführt wurde.