„Der Prozess“ von Orson Welles gekürzt

5. April 2008

Wie DVD-Forum.at berichtet, wird „Der Prozess“ von Orson Welles in Deutschland nur in einer gekürzten Fassung auf DVD erscheinen. Obwohl die DVD von Universal noch nicht einmal angekündigt ist, kann man solche Absichten in der FSK-Datenbank für die Prüfentscheidungen recherchieren. Nach der dort angezeigten Freigabeentscheidung für „Der Prozess“ soll eine gekürzte Fassung mit 108 Minuten Laufzeit, freigegeben ab 12 Jahren, veröffentlicht werden. Die Kinofassung von 1962 hatte 118 Minuten Länge und war ab 16 Jahren freigegeben. Geht man von einer PAL-Laufzeit (25 Bilder/Sek.) von 108 Minuten aus, fehlen 5 Minuten (118 Min. bei 24 Bildern/Sek. ergeben in PAL 113 Min.).

„Die deutsche DVD-Veröffentlichung wird höchstwahrscheinlich inhaltsgleich mit der holländischen DVD werden, da auch diese von Universal veröffentlicht wurde, eine deutsche Tonspur sowie deutsche Untertitel enthält und als Laufzeit 107:45 Minuten bietet. Die Kürzungen der holländischen DVD belaufen sich unter anderem auf den Prolog sowie auf diverse Szenen, die in einem Konzentrationslager spielen.“ (DVD-Forum.at)

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Da das deutsche Publikum hier offenbar wieder einmal bevormundet wird, sollte man unter diesen Umständen die französische Ausgabe von Studio Canal vorziehen. Sie hat nicht nur die beste Bildqualität, sondern enthält auch die vollständige Fassung von 1962 (113 Min.) und die bearbeitete amerikanische Fernsehfassung von 1984 (107 Min.), sowie eine nur hier veröffentlichte Szene und eine 31minütige Dokumentation zum Film.

Ein Vergleich der verschiedenen DVD-Versionen findet sich bei DVD Beaver, eine detaillierte Besprechung der französischen Ausgabe bei DVD Classik.

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Forbidden Hollywood

22. November 2007

Bertrand Tavernier weist in seinem Blog auf eine neue Reihe von Warner und TCM mit Filmen aus der der sogenannten Precode-Ära hin, als die Selbstzensur der Filmindustrie nach dem Hays-Code noch nicht endgültig durchgesetzt war (siehe „Zensur mit Anstand?“). Die erste Ausgabe von Forbidden Hollywood enthält u.a. die unzensierte Fassung von „Baby Face“ , die von einem Archivar der Library of Congress wiederentdeckt wurde. 2004 bemerkte Michael Mashon bei einer Anfrage nach dem Film, dass die Bibliothek zwei verschiedene Negative davon besass (siehe dazu Dave Kehr, New York Times). „Baby Face“ ist in jedem Fall der emblematische Film der Precode-Ära:

If you want to turn someone onto pre-censorship movies at their most fun, sleazy and outrageous, just take them to „Baby Face,“ and from there they’ll be inspired to explore the whole era.

But last year, miraculously, „Baby Face“ got even better. An archivist at the Library of Congress discovered a print of the original version of the film, before it was trimmed and slightly re-shot to get it past the New York state censor board in 1933. Make no mistake: In its familiar incarnation, „Baby Face“ was already risque enough to qualify as one of the most notorious of pre-Code films, something that could never have been released in any form following the coming of the Production Code in 1934. But in its original version, it turns out to be even more fun and outrageous — and a deeper and more complete experience, as well.“ (Mick LaSalle, San Francisco Chronicle)

„Baby Face“ mit Barbara Stanwyck unter der Regie von Alfred E. Green (mehr Material dazu siehe TCM Archives) wurde in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen. Die DVD-Box enthält beide Versionen des Films und erlaubt so einen Vergleich der zensierten mit der unzensierten Fassung.

Einen Test des Boxsets bietet Gary Tooze auf DVD Beaver. Das zweite Boxset der Reihe erscheint im März 2008.