Armadillo gewinnt den Großen Preis der Semaine de la Critique

21. Mai 2010

Wie sich die Bilder doch gleichen. „Armadillo“, ist das nicht Vietnam? In dem Dokumentarfilm begleitet Janus Metz zwei junge dänische Soldaten bei ihrem Einsatz in der umkämpften Provinz Helmand in Afghanistan.  Solche Filme reißen den Schleier weg, der vor solche Kriege gezogen wird: immer dieselbe Verrohung, immer dieselben Lügen über die tatsächlichen Verhältnisse. „Armadilla“ zeigt die Befindlichkeit junger Soldaten im Kampf und gewinnt dafür den Großen Preis der Semaine de la Critique in Cannes.

„Sein Dokumentarfilm „Armadillo“, benannt nach der dortigen Militärbasis, hat jetzt nach der Premiere bei den Filmefestspielen in Cannes in Dänemark starke Gefühle und Reaktionen ausgelöst: ist die Verrohung, die in dem Film zum Ausdruck kommt, eine notwendige Begleiterscheinung in einem notwendigen Krieg? Oder zerreißen die Bilder unwiderruflich das dänische Trugbild, dass man in Afghanistan sei, um den Menschen dort zu helfen?“ (Hannes Gamillscheg: „Das humanste Heer der Weltgeschichte“, Frankfurter Rundschau)

„Armadillo“ zeigt unübersehbar, dass nach dem Kampf auch die Soldaten Opfer sind.

Nachtrag vom 13.9.2010: Wie CDON.com aus Schweden meldet, wird der Film am 30.11.2010 in Dänemark auf DVD erscheinen – allerdings offenbar ohne englische Untertitel. Wenn die Release-Praxis so weitergeht, ist der Krieg in Afghanistan vorbei, bevor der Film international zugänglich ist.

Nachtrag vom 13.4.2011:  Wie Kino-Zeit berichtet, erscheint der Film in Deutschland am 10.5.2011 unter dem Titel „Camp Armadillo“ auf DVD und Blu-ray.

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San Francisco Boy + Girl: Medicine for Melancholy

10. Mai 2010

Kaum zu glauben, dass sich niemand die deutschen Kinorechte für diesen Film gesichert hat. Das wäre ein Hit in allen Programmkinos geworden. Barry Jenkins Debüt „Medicine for Melancholy“ lief lediglich im Berliner Babylon in der Reihe „Unknown Pleasures“ mit amerikanischen Independent-Filmen.

Zwei junge Afroamerikaner, gespielt von Wyatt Cenac, eigentlich ein bekannter Stand-up Comedian in den USA, und von Model und Schauspielerin Tracey Higgins, verbringen nach einer Liebesnacht den darauffolgenden Tag gemeinsam.

„Jo’s Zurückhaltung und Micahs forsche Art mögen zwar anfangs für eine kühle Stimmung sorgen, doch diese weicht einer immer größer werdenen Zuneigung. Gänzlich unterschiedlichen gehen die beiden jedoch mit den Implikationen ihrer Hautfarbe und Herkunft um.“ (Babylon)

„How do you define yourself?“ It’s not until its third act that Medicine for Melancholy’s lead male character explicitly asks the question that’s at this film’s heart. Throughout its near-90-minute running time, writer-director Barry Jenkins’s tender, smart, soulful movie gracefully places the emphasizing weight of inflection on each word in the query,then subtly shifts that weight so that the answer being sought (what black is; what black ain’t) is itself a morphing, complicated thing. That’s fitting for a film that is pointedly and poetically about race, gentrification, and the emotional temperature of the modern Afro-American—or at least one subset of that demographic. When Micah (The Daily Show’s Wyatt Cenac), said male lead, states that his definition of self is partly predicated on how the world sees and treats him, ‚Jo (Tracey Heggins), the female lead and also black, fires back an exasperated, „Who gives a shit what society thinks?“ (Ernest Hardy:  „Medicine for Melancholy Both Political and Graceful“, Village Voice)

An diesem Punk hätte das junge Publikum in Deutschland sich mit den beiden Protagisten identifizieren können.

Barry Jenkins feinfühliger, zarter Film stellt zwei Menschen in SanFrancisco so ganz anders dar, als man es vom US-Mainstream gewohnt ist:

„Part of the film’s powerful emotion, though, lies in the stretches of silence between characters, when there’s just ambient noise—the trickling of a park waterfall, the sound of traffic floating up into an open apartment window—as Laxton’s camera pulls in tight on a face or hangs tough as the couple walks down the sidewalk… (Ernest Hardy:  „Medicine for Melancholy Both Political and Graceful“, Village Voice)

Ernest Hardy weist noch auf zwei wichtige Dinge hin, den Ort und die Musik: Die Stadt San Francisco spielt mit und die Filmmusik ist kein Rap, sondern Indie Rock.  Der Trailer gibt einen guten Eindruck von diesem großartigen Film.


Metropolis bei Eureka (Masters of Cinema)

5. Mai 2010

Eureka in Großbrirannien hat  die Ausstattung der Metropolis-Edition im November 2010 vorgestellt:

  • 150-minute feature film (including 25 minutes of footage previously thought lost to the world)
  • Special-edition packaging with lavish wraparound sleeve and embossed printing
  • Pristine film transfers presented on Blu-ray (1080p) and DVD (2-disc)
  • Newly translated optional English subtitles
  • Full-length audio commentary by David Kalat and Jonathan Rosenbaum
  • Die Reise nach Metropolis (2010) documentary about the film
  • 56-page booklet featuring new essays, archival interviews, vintage production stills, and more
  • Further extras to be announced nearer the release date.

Sowohl Eureka als auch Kino in den USA haben schöne Extraseiten zu Metropolis ins Netz gestellt. Mehr zu Metropolis siehe hier.


Leans Schiwago auf Blu ray

4. Mai 2010

Heute erscheint in den USA die neu restaurierte Fassung von David Leans Doktor Schiwago, ein typisches Werk aus der Zeit der Monumentalfilme in den sechziger Jahren, noch mit langen, getragenen Einstellungen, kurz bevor sich in den Siebzigern die Fernsehästhetik mit ihren Großaufnahmen und der  Wiederentdeckung schneller Schnitte durchsetzte. Ein solcher Film ist wie geschaffen für Blu ray. Andere Home-Video-Formate konnten die Ästhetik solcher Filme nie angemessen darstellen

David Leans äußerst publikumswirksame Inszenierung schwelgt in monumentalen Stimmungsbildern und beeindruckt durch ihren langen Atem in der Abfolge lyrischer und dramatischer Momente.“Lexikon des internationalen Films

„… Was aber den Mammutfilm über all dies hinaushebt, sind die hervorragende Fotografie von F. A. Young und die Schauspielkunst einiger Darsteller.“Wolfram Tichy, Liz-Anne Bawden, et al.: rororo Filmlexikon. Band 1: Filme A – J (OT: The Oxford Companion to Film). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, ISBN 3-499-16228-8, S. 148).

Die 8K-Restaurierung bringt den Film mit einer Farbpalette heraus, wie man sie vorher nicht gesehen hat. Zum ersten Mal wurde das Master vom originalen Kameranegativ gezogen.  David Lean hatte seinen Film auf 65mm drehen wollen, doch MGM erlaubte nur ein Blow up vom 35mm-Negativ. Die Perforation war nach den vielen Kopien dann so zerstört, dass immer wieder neue Inserts eingefügt werden mussten, die den Farbausdruck des Films verfälschten:

MPI colorist Janet Wilson, who also worked on the last Zhivago DVD as well as last year’s iteration of The Wizard of Oz for Blu-ray release, says one of the biggest challenges was matching the various inserts for color and contrast and the overall look using Baselight 8 color-grading software.  „There were some big chunks late in the film where Zhivago and Lara are in the dacha in the middle of winter,“ Wilson recalls.  „I think the hardest part was the makeup of the extras in the winter and Moscow scenes––all of a sudden having people showing up with suntans!  Other than that, the most difficult aspect was just balancing the makeup of the actors.“

For color reference, they used Lean’s personal print, a dye transfer by Technicolor in the UK, which was on deposit from restoration guru Robert Harris at the Academy of Motion Picture Arts and Sciences.“

Den kompletten Bericht von Bill Desovitz “ The Bolshevik Revolution Meets the HD Revolution: ‘Doctor Zhivago’ Undergoes Full Restoration“ kann man auf der site der Motion Pictures Editors Guild nachlesen – siehe zum selben Thema auch das Interview von Glenn Kenny mit Ned Price von Warner Home Video auf  The Auteurs.

Am 21.5. erscheint die Blu ray auch in Deutschland, aber nur als Einzel-Disc. DVDuell weist daraufhin, dass die heute erscheinende US-Ausgabe mit 3 Discs auch die deutsche Tonspur enthält.