Helma Sanders-Brahms

31. Mai 2008

Die im letzten Jahr bereits angekündigte Werkausgabe von Helma Sanders-Brahms kommt nun in den USA auf DVD heraus. Nach „Deutschland, bleiche Mutter“ (DVD: Germany, Pale Mother) im April und „L’avenir d’Emilie“ (Flügel und Fesseln) (DVD: The Future of Emily) in dieser Woche ist nun für August „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ (DVD: Under the Pavement Lies the Strand) angekündigt. Ihr erster Spielfilm, der 1974 zu einem wichtigen Dokument der deutschen Frauenbewegung wurde, erscheint gerade rechtzeitig zu den allgegenwärtigen 68er-Gedenkfeiern zum Vierzigsten:

„The first feature from German filmmaker Helma Sanders-Brahms, this potent black-and-white drama deals with the aftermath of the 1968 student rebellions in Germany as experienced by two fervent participants. Though the country experienced sweeping reforms in the years following, two radicals-turned-successful Berlin stage actors and lovers (Grischa Huber and Heinrich Giskes) are grappling with their growing insignificance and the demands of adulthood. After a night of intense debate about the past and their future, the couple begins garnering support to fight a new abortion bill. However, their rekindled zeal is soon complicated by an unexpected pregnancy. „A cult film for the feminist movement“ (The Films of Helma Sanders-Brahms). Giskes and Huber won German Film Awards for their performances. In German with optional English subtitles.“ (Facets)

Bemerkenswert, dass das Werk dieser bedeutenden deutschen Regisseurin in ihrem eigenen Land nicht auf DVD präsent ist.


Agnes Varda wird heute 80

30. Mai 2008

C Ciné Tamaris

„Ich und mein Strand“ überschreibt Johannes Bock heute einen kleinen Artikel zum 80. Geburtstag von Agnès Varda im „Tagesspiegel“, in Anspielung auf ihr neues Filmprojekt „Les Plages d’Agnès“, die Strände von Agnes (z. Zt. im Schnitt, Uraufführung Dezember 2008 ). „Die fröhliche Sammlerin“ wir er sie nennt, hat uns in ihrem Leben mit wunderbaren Filmen beschenkt, von denen man einige auf der Website ihrer Firma Ciné Tamaris in der Pariser Rue Daguerre auf DVD bestellen kann, alle mit englischen Untertiteln, drei davon sogar mit deutschen. Hoffentlich erscheinen bald auch ihre anderen Filme auf DVD. – Eine schöne Würdigung ihrer Arbeit von Gerhard Midding ist heute auch in der „Welt“ erschienen (allerdings mit einer schwachsinnigen Überschrift).

„Dank ihres Regiedebüts „La Pointe Courte“ (1954) gilt sie als Wegbereiterin der Nouvelle Vague, gehörte aber nie zum Klüngel um Godard, Rohmer und Truffaut, sondern zur Schule der rive gauche, des Zirkels von Chris Marker, Alain Resnais und ihrem Mann Jacques Demy.

Es hat eine schöne Folgerichtigkeit, dass sie gemeinsam in jene Straße in Montparnasse zogen, die nach dem Erfinder der Fotografie benannt ist: die Rue Daguerre, von der es in ihrer für das ZDF produzierten Dokumentation „Daguerrotypen“ heißt, hier rieche das Pflaster noch nach Provinz.“ (Gerhard Midding)

„Gerne betrachtet sie mit der Kamera die kleinen Leute in ihrer Umgebung und erzählt in „Daguerréotypes (1974/75) von den Bewohnern der Pariser Straße, in der sie bis heute lebt.“ (Johannes Bock)

Der Film ist auf der DVD „Cléo de cinq à sept“ enthalten.

Nachtrag vom 17.6.2008: Im neuen Film-Dienst ist ein kleiner Artikel von Wilfried Reichart über Agnès Varda erschienen, der im Web frei zugänglich ist: „Über mich selbst: die Strände der Agnès Varda“


Aus für Filmportal in2movies

29. Mai 2008

Das Filmportal in2movies wird eingestellt. „Ownload“ von Filmen, die DRM-geschützt sind und nur auf dem PC genutzt werden können, hat sich offenbar nicht bewährt:

„Die in Hamburg ansässige in2movies GmbH & Co KG bot Filme in zwei Formen an: Zum einen handelte es sich um einen sogenannten „Download to Own“-Service, vom Anbieter kurz „Ownload“ genannt. Der Nutzer kaufte dabei den Film (7 Euro bis 15 Euro) oder die Serienfolge (knapp 1 Euro) seiner Wahl und lud das DRM-geschützte Video über eine Client-Software aus der mit P2P-Technik arbeitenden Download-Plattform GNAB der Bertelsmann-Tochter Arvato herunter. Alternativ konnte man ein Video für 24 Stunden mieten, wie es bei anderen Video-on-Demand-Angeboten üblich ist… (Heise-online)

Wie Heise-online weiter berichtet, werden die Käufer der mit DRM versehenen Files das Nachsehen haben:

AreaDVD berichtet währenddessen, dass für die Kunden von in2movies die Nutzung der heruntergeladenen Filme auf ihre bisherigen PCs beschränkt bleibt, da das DRM-System auch nach der Einstellung des Dienstes weiterhin aktiv ist. Auch die Windows-Media-Filme aus dem Ownload-Angebot sind mit einem DRM-System gesichert, das das Abspielen der Filme auf maximal drei Geräte beschränkt. Lizenzrecovery und ein Nachladen der Dateien sollen ab dem 11. Juni nicht mehr möglich sein.“ (Heise-online) (weitere Infos bei Golem)

Damit ist auch eine Strategie der Content-Industrie gescheitert, etwas zu verkaufen („als Ownload kaufen und für immer behalten“), das dem Käufer dann doch nicht ganz gehört. Wer sich an der langen Leine des DRM halten läßt, wird als Käufer offensichtlich immer das Nachsehen haben.

Nachtrag vom 2.6.2008: Media-Infodienst gibt einen Überblick über Prognosen, Wünsche und Hoffnungen im Konkurrenzkampf zwischen DVD- und Online-Filmvertreibern. Fazit: Online-Filme werden nur einen kleinen Marktanteil gewinnen (siehe: „DVD-Industrie setzt auf die Sammelleidenschaft der Konsumenten“).


All you need is love

28. Mai 2008

Nein, hier ist nicht der Song der Beatles gemeint, sondern Tony Palmers 17teilige Fernsehserie „All you need is love“ zur Geschichte der Popmusik, eine Produktion für London Weekend Television von 1976 (!). Die Edition auf 5 DVDs, soeben in den USA und in Großbritannien, erschienen, ist nicht nur ein Stück Medienarchäologie, sondern erlaubt auch einen Rückblick in eine frühen Ära der Popmusik:

“ This was one of the first attempts to create a tv series on history of rock’n’roll. Since it was done in ’77, before punk, they connected the whole thing in pop context tieing it with crooners and jazz. I remember watching this show as a very young boy and it really made a mark on me, as well as the eclectic soundtrack it came with. The sountrack is what kept the memory of this show alive. (Zabic aus Baton Rouge. In: IMDb) (Rezensionen: Guardian ; EDGE)

Tony Palmer (Website) gehört zu den profiliertesten Musikdokumentaristen. Viele seiner Filme sind auf DVD erhältlich.


filmedition suhrkamp

28. Mai 2008

Absolut Medien, das deutsche Premium-DVD-Label, hat in seinem Händlerkatalog 2.2008 die schon länger erwartetete Reihe Filmedition Suhrkamp für Oktober 2008 angekündigt, also passend zur Buchmesse. Der Suhrkamp Verlag selbst schreibt in seiner Programmvorschau 2.2008:

„Spätestens im Zeitalter der digitalen Medien werden wir dem vielseitigen Schaffen unserer Autoren nicht länger gerecht, wenn wir allein auf das Medium Buch setzen. Mit der filmedition suhrkamp (fes) haben deshalb nun auch die kinematographischen Arbeiten unserer Autoren (und über unsere Autoren) einen Ort im Verlag. Die Reihe bietet Filme von, mit und über Samuel Beckett, Thomas Bernhard, Pierre Bourdieu, Thomas Brasch, Bertolt Brecht, Jacques Derrida, Marguerite Duras, Max Frisch, Peter Handke, Ödön von Horváth, Uwe Johnson, Alexander Kluge, Robert Walser, Peter Weiss und vielen anderen. Neben Verfilmungen und klassischen Inszenierungen erscheinen auch Interviews und Portraits mit Philosophen und Wissenschaftlern.
Den DVDs der filmedition suhrkamp liegen umfangreiche Booklets mit unbekannten Dokumenten und Fotos bei. Essays bieten Hintergrundinformationen zur Entstehung der Filme, führen in Leben und Werk der Autoren ein und vertiefen die Thematik. Sie können auch als eigene Bücher gelesen werden und schließen damit den Kreis zur edition suhrkamp.
Kooperationspartner der filmedition suhrkamp ist der Berliner Filmverlag absolut Medien, der mit seinen Klassikereditionen, Literaturverfilmungen und Portraits von Künstlern und Denkern neue Akzente setzt.“ (Suhrkamp Verlag)

Was dort geboten wird, hat es wirklich in sich: Den Reigen dieser Reihe eröffnet Samuel Beckett mit seinen Fernsehspielen für den Süddeutschen Rundfunk. Es folgen Alexander Kluge: Eisensteins „Kapital“ ; Thomas Bernhard/Krista Fleischmann: Interviews ; Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? (bisher nur in der Schweiz von Stella Video und vom British Film Institute als VHS-Kassette erschienen); Pierre Bourdieu: Soziologie ist ein Kampfsport ; Jugend ohne Gott (eine Horvath-Verfilmung von Michael Knof, eine der letzten DEFA-Produktionen).

Pro Halbjahr sollen vier neue DVDs erscheinen, zwei davon im April 2009 allerdings nicht ganz taufrisch: Matthias von Gunten: Max Frisch. Citoyen ; Margarethe von Trotta: Jahrestage (bereits erschienen bei Absolut Medien) ; Kirby Dick/Amy Ziering Kofmann: Derrida (bereits erschienen bei Absolut Medien) ; Vojtech Jasny: Der Kulterer (mit Helmut Qualtinger nach Thomas Bernhards „Filmgeschichte“).


Tomoyasu Murata

26. Mai 2008

Auf Midnight Eye ist letzte Woche ein kleiner Artikel über die Arbeit von Tomoyasu Murata (Vita) erschienen. Catherine Munroe Hotes hat den vielseitigen Künstler in seinem Atelier im Arakawa-Distrikt von Tokio besucht und preist besonders seine Stoptrick-Animation:

„Murata’s stop motion work, paintings and pastels tend to have a rather melancholic theme. The My Road series – Scarlet Road (2002), White Road (2003), Indigo Road (2006), and the most recent instalment Lemon Road (2008 ) – can be read as meditations on loss and mourning. These poetic films tell their story through motif, character expression, music and montage and require repeated viewing for one to absorb the subtly evoked layers of meaning…

Murata’s other animation ranges from lyrical mixed media work like Winter Rainbows (2005) and Nuance (2006) to comical cel animation like the Sakadachi-kun films, which feature a small boy running about on his hands.“

„… sound plays such a vital role in Murata’s animation. The films balance sound and silence in a very precise manner that adds a layer of meaning to the resulting animated film.“ (Catherine Munroe Hotes)

Einen Eindruck von seiner Arbeit gibt die eigene Website mit Szenenfotos aus seinen Filmen. Dort kann man auch seine selbstgemachten DVDs bestellen:

„The self-produced DVDs of Murata’s short films are beautifully packaged and the featured films have been professionally transferred to disc. The DVDs include documentary footage of the artist at work and interviews with him.“ (Catherine Munroe Hotes)

Geneon Entertainment in Japan hat ebenfalls einige DVDs mit seinen Filmen veröffentlicht: Suiren no hito (Nostalgia); Sakuhinshu – Ore no Michi (My Road) und Aka no michi (Scarlet Road) (bestellbar bei cdjapan oder YesAsia).


Hiroshi Shimizu

22. Mai 2008

Einem Hinweis von Masters of Cinema verdankt sich folgende Information: In Japan hat die Edition einer Werkausgabe von Hiroshi Shimizu begonnen. Bereits erschienen ist die erste Box von Shochiku Home Video mit den vier Filmen „Arigato-San“ (Mr. Thank You, 1936), „Anma to Onna“ (The Masseurs and a Woman, 1938), „Kanzashi“ (Ornamental Hairpin, 1941) und einem seiner bedeutendsten Stummfilme, Minato no Nihon Musume (Japanese Girls at the Harbor) von 1933. Gary Tooze von DVD Beaver hat sich die schön gestaltete Ausgabe angesehen und getestet.

Chris Fujiwara anläßlich einer Retrospektive auf dem Hong Kong International Film Festival 2004:

„The excitement of discovering the work of Hiroshi Shimizu at the retrospective at this year’s Hong Kong International Film Festival was as strong a feeling as any I’ve experienced in connection with cinema. That a director so brilliant, original, and prolific could have remained unknown to me until now (except as a name in books) renewed my appreciation of the vastness of what, in the cinema of the past, can yet be experienced for the first time.“ (Chris Fujiwara, FIPRESCI)

Mehr zu Hiroshi Shimizu: „Hiroshi Shimizu: Silent Master of the Japanese Ethos“ (William M. Drew, Midnight Eye), Hiroshi Shimizu: A Hero of His Time (Alexander Jacoby, Senses of Cinema) und zu drei Filmen, die auf dem Forum des jungen Films 2004 vorgestellt wurden.

Besonders zwei japanische Regisseure haben Shimizu Respekt gezollt: Yasujiro Ozu („I can’t shoot films like Shimizu.“) und Kenji Mizoguchi („People like me and Ozu get films made by hard work, but Shimizu is a genius…“.).

Bereits angekündigt für den 27.6. ist die zweite Box mit den Filmen „Kaze no Naka no Kodomo“ (Children in the Wind, 1937), „Nobuko“ (1940), „Mikaeri no To“ (1941) und „Kodomo no Shiki“ (Four Seasons of Children, 1939). Alle DVDs der Hiroshi-Shimizu-Edition haben englische Untertitel. Insgesamt sollen 5 Boxen bei Shochiku Home Video erscheinen, wie Asahi Shimbun Anfang Mai berichtet hat. Shochiku hat die Rechte zu 19 Filmen von Shimizu (siehe criterionforum.org)