Wissenschaftsrat zur Archivierung von AV-Medien

31. Mai 2007

Der Wissenschaftsrat hat sich in seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland“ auch explizit zur Lage der Archivierung von audiovisuellen Medien in Deutschland geäußert (S. 53-56). Die Darstellung beruht auf dem Aufsatz von Dirk Leuffen und Stephan Alexander Weichert: „Versendetes Kulturgut. Plädoyer für ein audiovisuelles Medienarchiv“.

„Mit der Entwicklung audiovisueller und neuerdings digitaler Medien stellt sich die Frage, wie das in dieser Form vorhandene Wissen gespeichert werden kann, mit anderen Worten die Frage der Neuorganisation des kulturellen Gedächtnisses. Bisher ist in Deutschland das Grundsatzproblem der Archivierung solcher Medien weithin noch ungeklärt, auch wenn sich in unterschiedlichen Bereichen bereits Teillösungen entwickelt haben. Im internationalen Vergleich betrachtet hat Deutschland die Frage der Archivierung anderer als der etablierten, im Wesentlichen buchgestützten Text- und Bildmedien bisher deutlich vernachlässigt.“

… „Bis heute gibt es in Deutschland weder eine „Clearing-Stelle“, die die Vielzahl der Medienarchive
koordinieren könnte, noch ein zentrales deutsches Medienarchiv. Ein dem DRA [Deutsches Rundfunkarchiv Babelsberg] vergleichbares Archiv zur systematischen und umfassenden Speicherung der bundesrepublikanischen audiovisuellen Medienkultur fehlt.“ (Wissenschaftsrat)

Man kann den Bericht des Wissenschaftsrats als eine Aufforderung zu handeln an das Bundesarchiv/ Filmarchiv, die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF und an die DNB verstehen. Besonders die mangelnde Zugänglichkeit der Fernseharchive steht im Mittelpunkt der Kritik (S. 101-106, vgl. dazu auch Archivalia).


Auf der Suche nach Herrn Moses

30. Mai 2007


Tamara Wyss (Foto) ist weithin bekannt geworden durch ihren Film „Die chinesischen Schuhe“, der im letzten Jahr auch auf DVD erschienen ist. So wie sie in „Die chinesischen Schuhe“ den Spuren ihrer Großeltern im heutigen China gefolgt ist, hat sie 15 Jahre vorher in einem „persönlichen Essay“ ausgehend von dem Tagebuch ihrer Urgroßmutter Clara Westphal, einer Urenkelin Moses Mendelssohns, das Schicksal der Nachkommen Clara Westphals im nationalsozialistischen Deutschland verfolgt:

„Der Film ist eine Annäherung an eine Person der Vergangenheit im heutigen Zusammenhang, ein Film über die Fragen, die Mendelssohn stellte und die auch heute noch relevant sind. Es ist ein persönlicher Film, und auch eine Reise durch 200 Jahre deutsch-jüdischer Beziehungen am Beispiel der Mitglieder der Mendelssohn-Familie.“ (Aviva)

Auf der Suche nach Herrn Moses
Geschichten von Moses Mendelssohn und seinen Nachfahren
Regie: Tamara Wyss
Kamera: Ingo Kratisch
Produzent: Leon Janucek für ZDF Matinee 1990
Darsteller: Tayfun Bademsoy
Berlin: Eson Film, 2007
60 Min., 16mm Farbe

Bibliotheken können den Film als DVD bei der Filmemacherin direkt bestellen (EUR 50,- /Kontakt: tamwyss@web.de; Tel.: o3o/39876499).


Test Hi Def-Spieler

30. Mai 2007

Die Stiftung Warentest hat HD-DVD– und Blu Ray-Abspielgeräte getestet und dabei festgestellt, dass die neuen hochauflösenden DVDs erst ab einer Bilddiagonale von 1,5 m ein sichtbar besseres Bild als gute DVD-Player bieten (siehe Pressemitteilung, etwas ausführlicher im Media Infodienst). Der Testbericht ist im Heft 6/2007 veröffentlicht. Die Hi Def-Formate werden sich also nur langsam durchsetzen, so dass die DVD weiterhin das Medium der Wahl für den Bestandsaufbau in Einrichtungen bleiben wird, die ihre Medien ausleihen (siehe auch Media Infodienst zum „Erbfolgestreit“). Erst bei einer größeren „Haushaltsdurchdringung“ und einer breiteren Softwarebasis lohnt es, diese Medien zu erwerben – was vermutlich noch lange dauern wird.


Prelinger Library

29. Mai 2007

Eine Home-Story aus einer Bibliothek? Da kann es sich nur um eine Privatbibliothek handeln. In Harper’s Magazine ist ein langer und schöner Artikel über die Prelinger Library erschienen. In „A. Worldin Three Aisles“ beschreibt Gideon Lewis Kraus das Leben von Rick und Megan Prelinger rund um ihre Bibliothek.

Rick Prelinger (Foto) ist in der Filmarchivszene kein Unbekannter. 1982, als das 16mm-Schmalfilmformat mehr und mehr der Videokassette weichen musste, fuhr er mit LKWs durchs Land, um ein ganzes Filmgenre vor der Vernichtung zu retten: Industrie- und Sponsorenfilme. Die Prelinger Archives waren mit 48.000 Filmen das größte Archiv dieser Art. 2002 verkaufte er den Bestand an die Library of Congress, behielt aber die Videobänder von 4.000 Filmen, von denen er wiederum 2.000 digitalisierte und ins Web stellte. Heute arbeitet Rick Prelinger als Board President des Internet Archive, das auch die WayBack Machine betreibt, und als Berater bei der Digitalisierung von Bibliotheksbeständen, wenn er nicht gerade Urheberrrechtsprozesse zusammen mit Brewster Kahle und Lawrence Lessig führt. Ihre Bibliothek mit 50.000 Bänden betreiben die Prelingers nebenbei.

Auch bibliothekspolitisch hat ein erfahrener Mann wie Rick Prelinger einiges zu bieten:

„Public libraries, which Rick reverently calls „one of the last remaining deeply democratic institutions in western society“, are increasingliy centered around computer terminals and stupidly grandiose atria that make them feel less like book repositories and more like shopping malls or free Internet cafés.“

… “ The executive director of the digital-library initiative at RiceUniversity is quoted as saying that „the library is not so much a space where books are held as where ideas are shared.“ This is odd. Most people might suppose, to the contrary, that a library is exactly a space where books are held. There are many, many places on a college campus where ideas are shared: lecture halls, seminar rooms, computer clusters, dorm lounges. The library happens to be the one where ideas are shared precisely because books are held.“ (Gideon Lewis Kraus)

Mehr zur Prelinger Library im Prelinger Library Blog .


Anna Akhmatova File

29. Mai 2007

Facets kündigt für Juli die DVD-Ausgabe von Semyon Aranovichs Film „The Anna Akhmatova File“ (Lichnoe delo Anny Akhmatovoy, 1989) an.

„… her poem „Requiem“ became the underground anthem for the millions who suffered under Stalin. This unique film, which uses Akhmatova’s diaries for text, also includes portraits of Akhmatova’s friends and contemporaries–Boris Pasternak, Vladimir Mayakovsky, and Mikhail Sostchenko.“ (Facets)

Aranovich hat zahlreiche Filme über den Stalinismus gemacht, wie I Was Stalin’s Bodyguard (Ya sluzhil v okhrane Stalina, ili Opyt dokumentalnoy mifologii), I worked for Stalin (Ya sluzhil V apparate Stalina, ili Pesen oligarkhov) und People’s Gala Concert (Bolshoi kontsert narodov, ili Dykhanie chein-stoks). Alle drei Titel sind noch als Videokassette bei Facets lieferbar (VHS/NTSC, russisch mit engl. Untertiteln).

Seinen letzten Film konnte Aranovich vor seinem Tod nicht mehr beenden. „Sonata for viola“ (Altovaya sonata. Dmitriy Shostakovich) über Dimitrij Schostakowitsch wurde von Aleksandr Sokurov fertiggestellt und ist bei Idéale Audience auf DVD erschienen (siehe dort auch die Werkreihe zu Sokurov).

Nachtrag vom 9.6.2007:  Die bisher auf Video lieferbaren Titel von aranovich erscheinen jetzt auch auf DVD: I Was Stalin’s Bodyguard ist für August angekündigt.

 

 

 


Lernszenarien

29. Mai 2007

Ebenfalls neu im Finken-Verlag eine DVD des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München. „Lernszenarien – Die neue Philosophie des Sprachenlernens“ zeigt, „wie Kinder Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen…“ und er “ zeigt die konkrete Umsetzung der Leitgedanken dieses modernen Sprachlernkonzeptes im Unterricht in einer Grundschule. Er beschreibt besser als Worte, wie ein solches Lernen aussieht, wie erfolgreich es ist und wie viel Freude es macht.“ (Finken)


Lesen im Dialog

29. Mai 2007

Der Finken Verlag hat in seiner Reihe für den Kindergarten eine DVD des Jugendamts der Stadt Nürnberg herausgebracht. Der Film „Lesen im Dialog“ „zeigt an konkreten Beispielen, wie die Ideen des dialogischen Lesens erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden können.“ (Finken) Das Lesen im Dialog soll zur Sprach- und Persönlichkeitsförderung in Kindergarten, Kindergruppe und Kinderhort beitragen, und ist sicherlich auch für den häuslichen Bereich geeignet.