Netflix und DreamWorks

5. Januar 2016

Wie die Website Home Media Magazine soeben meldet, hat das Studio Dreamworks einen Vertriebs-Deal mit dem S-VoD-Anbieter Netflix abgeschlossen. Netflix wird damit weltweit zentraler Anbieter der Produktion des Studios und bekommt auch Zugriff auf die Filmbibliothek mit den Animationsfilmen des Studios – allerdings nicht für den chinesischen Markt. Hintergrund sind die finanziellen Schwierigkeiten von Dreamworks. Das hilft Netflix, wie geplant das Angebot für Kinder auszubauen.

„Netflix and DreamWorks Animation Jan. 5 announced updates to their current multiyear deal, making Netflix the global home — outside of China — to a number of new original series from the studio. The deal also covers streaming rights to the DreamWorks Animation feature film library…

The expanded agreement with Netflix comes as DWA continues to restructure internally — a strategy that saw layoffs and the sale of capital infrastructure in 2015. The studio reported a narrowed loss of $3.5 million (from $11.9 million year-over-year) in its most-recent fiscal period.

Indeed, some Wall Street analysts contend DWA is overly dependent upon Netflix to remain afloat financially.“ (Home Media Magazine)

 

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Hollywood lässt 35mm-Film fallen

14. April 2012

… und das hat Folgen. In der LA Weekly vom letzten Donnerstag beschreibt sie Gendy Alimurung in einem längeren Artikel und läßt bedeutende Archivare wie wie Ross Lipman vom UCLA Film & Television Archive zu Wort kommen, dem zweitgrößten Filmarchiv der USA. Der Medienwandel vom Zelluloid zu Bits und Bytes beschwört eine ähnliche Situation wie beim Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm herauf, doch paradoxerweise in umgekehrter Form.  Das Archiv wird mit Angeboten zur Einlagerung von 35mm-Filmen überschwemmt, weil die Firmen ihre Lager mit dem „überholten“ Format räumen wollen. Damals wurden aus den gleichen Motiven die „veralteten“ Stummfilme vernichtet und es gründeten sich daraufhin die ersten Filmarchive. Anders als damals ist heute aber nicht das alte Format, sondern das neue digitale gefährdet, denn es läßt sich viel schwerer dauerhaft archivieren. Der Vertrieb digitaler Filme spart Kosten, doch sie zu erhalten ist elfmal teurer. Die Zukunft der Filmkunst ist also stärker bedroht als ihre Vergangenheit.

Gendy Alimurung berichtet auch von einer Initiative von Regisseuren, die ihr Recht auf Wahlfreiheit des Filmformats gegenüber den Studios verteidigen wollen.

„Movie Studios Are Forcing Hollywood to Abandon 35mm Film. But the Consequences of Going Digital Are Vast, and Troubling“ ist ein lesenswertes Stück Filmjournalismus.

 

Eine gute Ergänzung zum Thema und dabei mehr in die Tiefe gehend: David Bordwells „Pandora’s digital box: From films to files“ vom Februar dieses Jahres. Alle weiteren 6 Artikel zu „Pandora’s digital box“ auf der Website von Kristin Thompson and David Bordwell.


Criterion: No goodbye to big screen classics

26. August 2009

Der Artikel „Say goodbye to big screen classics?“ von Jaime Weinman hat beträchtliche Wellen geschlagen. Jetzt hat sich Kevin Jaggernauth, Blogger bei „The Playlist“, mit Jonathan Turell von der Criterion Collection getroffen, um das Problem sinkenender DVD-Verkaufszahlen von klassischen Repertoire-Filmen aus deren Sicht zu betrachten: „The Playlist Talks The State Of DVD With The Criterion Collection“.

Und siehe da: bei der Criterion Collection sinken die Verkaufszahlen nicht wesentlich:

While Turell does note that sales are down due to the current economic downturn, they are not seeing the dramatic decrease that have hit the major studios. “If we’re down, we’re down a very small amount. If we took the standard numbers [of dropped sales that other studios are experiencing] we’d be down more, but we’re not.” Furthermore, he does not see any trends in Criterion’s business where classic titles are selling significantly less copies. Turell points to expansion efforts such as the Eclipse line where, “The numbers have exceeded” expectations, and Essential Arthouse as being key factors for Criterion’s ongoing success. These avenues, Turell says, have allowed Criterion to “Expand our market past our core market, [while] never forgetting what we are.” …

Despite the economic climate and continually changing marketplace, Criterion seems to be weathering the storm simply by continuing to stay true to the core values that have served them well for over twenty years. Whether or not the „boom years“ for classic titles on home video are over remains to be seen, but for Criterion the bottom line is, “When we put out a title, it’s still doing pretty well.“ (Kevin Jaggernauth: „The Playlist Talks The State Of DVD With The Criterion Collection“)

Auch hier zeigt sich wieder: die Marketing-Abteilungen der großen Studios verstehen es, Blockbuster zu schaffen, aber nur wenig von der Pflege eines Repertoires und seiner besondere Klientel der Liebhaber und Sammler. Für Labels wie Criterion eröffnen sich da neue Chancen.


Say goodbye to big screen classics?

14. August 2009

Auf der Website des kanadischen Wochenmagazins Maclean‘ s war vor einer Woche der Artikel „Say goodbye to big screen classics“ über den Niedergang des DVD-Markts für klassische Hollywoodfilme erschienen. Jaime Weinman zitiert dabei keinen Geringeren als den verantwortlichen Warner-Mann für dieses Repertoire, George Feltenstein, also einen, der es wissen muss:

„Even before the recession, studios had to cut back due to the closing of many retail chains that used to stock their products; Feltenstein says, “If the economy of the world had not deteriorated, our release schedule would still be less than it was.” But older movies are particularly vulnerable because the cost of restoration is growing, and their fan base is shrinking. It used to be that TV broadcasting built a market for old movies; Humphrey Bogart became a cult figure after his death, thanks to TV. But today, the only station that shows old films is Turner Classic Movies. And DVDs can’t sell based on the purchasing power of TCM viewers alone.

Because classics are a niche market, they were the first to go when chain stores like Wal-Mart and Best Buy decided which movies they wouldn’t stock; Feltenstein says that many chain-store buyers “think an old classic movie is The Silence of the Lambs.” And though the high-definition DVD format, Blu-Ray, is seen by some observers as a possible saviour of home video, it actually is making things worse for classics. Warner released a few popular titles in the format (including Casablanca) and found that, according to Feltenstein, “classics are having a tough time on Blu-Ray. New films do great, but people don’t know how great old movies can look in this format.” Warner will try again later this year with Blu-Rays of titles like Gone With the Wind and North By Northwest, but for now, Blu-Ray is another thing to squeeze old movies off the limited shelf space in stores.“ (Jame Weinman: „Say goodbye to big screen classics“)

Im Home Theater Forum läuft seitdem eine Diskussion über diese trüben Aussichten: „Studios Reducing/Ending Retail DVDs of Classics – Warner Interview“.

Auch Franz Everschor geht im neuen Film-Dienst auf die in der Krise veränderten Marktverhältnisse ein, die alte Muster aus der VHS-Zeit wiederbeleben, als der Verleih eines relativ kleinen Titelangebots und nicht der Verkauf eines immer größeren Repertoires wie zu den heutigen DVD-Zeiten die Hauptumsätze machte. Er beschreibt die vielfältige DVD-Landschaft in den USA zwischen Netflix (Artikel über ein Versandzentrum) mit seinen 100.000 Leihtiteln für den Filmkenner auch im kleinsten Dorf und Redbox mit mehr als 17.000 Verleihautomaten in den großen Einkaufszentren, die aus Platzmangel nur die Bestseller bieten können, und geht dann auf neue Entwicklungen ein:

„Die Lücken, die durch die rückläufige Entwicklung des DVD-Geschäfts entstehen, können nur teilweise aus Beteiligung an anderen Verwertungsarten geschlossen werden. Deshalb tun die Execuvtives etwas, worauf Filmfans in aller Welt seit Jahrzehnten vergeblich gewartet haben: Sie öffnen ihre Archive. Man muss sich bewusst machen, dass sich die meisten Filme, die bei Netflix und den vielen On-Demand-Anbietern kursieren, aus einem Pool von Filmen rekrutieren, den die Studios für wert halten, immer wieder von Neuem offeriert zu werden. Es sind die ewig gleichen Titel, die die Runde machen – zuerst im Kino, dann auf Kassette, später auf Laserdisk, als DVD und nun auch auf BluRay. Zahllose andere Klassiker, deren Negative in den Katakomben der Studios ruhen, sind nie ans Tageslicht gekommen. Sie wurden allenfalls in Pauschalverträgen wie dem der MGM mit Ted Turner zu Tausenden verramscht und, wenn ihnen der Zufall hold war, ein oder zweimal zu mitternächtlicher Stunde im Fernsehen gezeigt.

Jahrzehntelang waren die Studios blind dafür, dass sich mit den vielen Klassikern, deren Titel man allenfalls aus Büchern kennt, ein – wenn auch begrenztes – Geschäft machen ließe. Ins Feld geführt wurden stets die Restaurationskosten, die höher seien als der zu erwartende Gewinn. Erst der Rückgang des DVD-Geschäfts und die bequeme Verwertungsmöglichkeit über das Internet haben ein paar Leute aufgeweckt und in die Archive steigen lassen. Es ist nicht verwunderlich, dass Warner Bros. Entertainment der Vorreiter dieser Entdeckungsaktion ist, weil Warner einen riesigen Bestand an alten Filmen hat. Zusammen mit den MGM-Filmen, die nach ihrer Verschiebung an Ted Turner schließlich über den Mutterkonzern Time Warner bei Warner Bros. gelandet sind, besitzt das Studio die Rechte an 6.800 alten Filmen, von denen gerade einmal 1.200 auf DVD erschienen sind. Nun sollen sie häppchenweise auf der Website von Warner Archive Collection verfügbar gemacht werden.“ (Franz Everschor: „Im Wandel: Rückläufige DVD-Umsätze und ihre Folgen“. In: Film-Dienst 17/ 2009)

Trotz aller Krisenerscheinungen kann man zuversichtlich bleiben. Der weltweite DVD-Markt bietet heute immer noch eine solche Fülle von Filmen, wie es sie für das allgemeine Publikum im Laufe der Filmgeschichte noch niemals gegeben hat. Doch das Repertoire will gepflegt sein. Eine massenhafte Publikation klassischer Filme in relativ kurzer Zeit überfordert die Sammler. Den schnellen Gewinn kann man dann eben auch nur für eine kurze Zeit machen, wie Titelchampion Warner nun erkennen muss – oder anders gesagt: Repertoirefilme kann man nicht wie Blockbuster vermarkten.


Prabhat-Filme auf Video-CD

27. Juni 2009

Indische Klassiker aus den 30er und 40er Jahren sind jetzt im Handel erschienen. Das traditionsreiche indisches Studio Prabhat Film (Wikipedia) hat einige seiner bekannten Werke auf Video-CD herausgebracht. Von den ca. 30 lieferbaren Filmen haben 5 englische Untertitel:

Sant Tukaram

The film is based on the life of the of 17th century saint from Maharashtra.A poet whose work UNESCO had selected for translation. This pious,simple man was so much immersed in the worship of Lord Panduranga that his wife Awali,was eternally irritated and attempts to draw him to his mundane duties.Tukaram’s faith triumphed in the end,winning over orthodoxy.Legend says that he was bodily transported to Heaven. The film received plaudits at the Venice Film Festival in 1937 and was adjudged as one of the three best films of the world. This film is often selected for screening in various International Film Festivals.

Sant Dnyaneshwa

It was the period of Second World War.The entire world was against with inhuman massacre ordered by Hitler.In such times,Prabhat felt the need of making the film on Sant Dnyaneshwar, who despite so many sufferings and hurdles, preached the cause of humanity. The first Marathi film to be telecast by Bombay Doordarshan in 1972. It was the first Indian film screened in USA. „American Cinematograph“ carried a review in its October,1941 issue and praised trick photography of the film

Shejari

Another distinguished social film to be directed by Internationally known genius V. Shantaram. The film highlights the problem, crucial to Indian Society that of Hindu-Muslim unity. The film narrates the unfortunate scism that separates a Hindu from Muslim neighbour and a lifelong friend. Much of the film’s background related to dam and the photographic exploitation of the subject ending in the tragic dam-burst is marked by unique technical skill.The romantic interludes in the film are made all the more colourful by a climatic torch dance.

Ramshastri

The biographical film traces the career of an intrepid judge during the Peshwa regime of the Maratha Empire. The incorruptible Judge ,Ramshastri, boldly sentences the ruling Peshwa with punishment by death for murdering his nephew. The reconstruction of history is marked by dramatic thrills, the use of respledent costumes and breath taking opulent decor and sets. Shown at a number of National and International Film Festivals. The film received „The Best Film Award“ by Bengal Film Journalist Association.

Kunku

One of the finest social films of India of all times. Kunku explores the tragics of a May-December marriage. In this case, the bridegroom is a widower and the bride an intrapid and aspiring young woman.
Set in the typically middle class family of the country.The film develops its psychological tensions boldly, equally revolutionary solutions for the couples marital impasse. Photographed and acted with admirable realism. The film remains a reflection of Indian family worth studying. It was shown in Venice International Film Festival. Natural and environmental sounds were used as background music. (Films of Prabhat Film Company)

Der sonst so zuverlässige Vertrieb induna.com in Westbengalen hat leider nur die Fassungen ohne englische Untertitel gelistet, so dass man die bei Prabhat Films direkt bestellen muss.

Nachtrag vom 27.10.2009:  Die Prabhat-Filme sind bei induna.com inzwischen auch auf DVD mit englischen Untertiteln erschienen, lieferbar als Box mit 10 Filmen (Prabhat Film Classics), oder einzeln, wobei einige schon vergriffen sind.


RKO-Klassiker

10. September 2008

Bertrand Tavernier hat nach Monate langer Filmarbeit wieder Zeit gefunden, sich seinem DVD-Blog zu widmen. Diesmal empfiehlt er RKO-Klassiker, eine außerordentlichte Ernte , wie er in seinem Beitrag EXTRAORDINAIRE MOISSON meint.

Die internationalen Rechte des RKO-Katalogs werden in den einzelnen Ländern von verschiedenen Firmen gehalten. In Frankreich besitzt sie die Firma Ariès, ausgewertet werden die DVD-Rechte von René Delourme von den Editions Montparnasse, die inzwischen einen stattlichen Katalog anbieten. Alle Filme sind für die DVDs digital restauriert worden. Die Reihe wird von niemand geringerem als Serge Bromberg betreut.

Von den aktuellen Neuerscheinungen empfiehlt Bertrand Tavernier besonders „Primrose Path“ (Info) von Gregory La Cava mit Ginger Rogers und Joel McCrea, ein Film, der heftig mit der Zensur zu kämpfen hatte, und „Easy Living“ (Info) von Jacques Tourneur, ein für ihn untypisches, melancholisches Werk mit Victor Mature und Lucille Ball. Beide Filme sind sonst nur schwer zugänglich.

Nachtrag vom 22.9.2008: Inzwischen ist die Kollektion auf 100 Titel angewachsen.