We Call It Techno!

30. August 2008

Ein Film über die frühe Zeit des Techno zwischen 1989 und 1993 in Deutschland: De:Bug stellt die DVD  „We Call It Techno!“ von Maren Sextro und Holger Wick vor, die im Juni 2008 erschienenen ist.  Die beiden produzieren das DVD-Magazin „Slices“ in Berlin, von dem bisher 10 Folgen erschienen sind. Dr. Motte meint zu ihrem neuen Film in seinem Blog:

„Obwohl die Musik 2009 ihren zwanzigjährigen Geburtstag feiert und die hiesige Szene im Ausland als Gralshüter verehrt wird, ist das Phänomen filmisch bisher nicht angemessen behandelt worden. „We Call It Techno!“ nimmt als erster Dokumentarfilm das Thema der ersten Jahre von Techno in Deutschland auf und entwickelt aus Interviews und zeitgenössischen Filmaufnahmen ein präzises, differenziertes Bild.

Innerhalb eines Jahres ist aus fünfzig Stunden Interviews mit dreißig Szene-Aktivisten, zahllosen Archivaufnahmen, Fotos, Flyern und Zeitungsausschnitten ein spannendes Bild der Anfangszeit von Techno in Deutschland entstanden. Maren Sextro und Holger Wick sind seit Langem selbst in der Szene aktiv und konnten auf ein über Jahre entstandenes Netzwerk zurückgreifen. Sie kontaktierten verschollene Legenden und durchforsteten unzählige, meist eingestaubte Privatarchive nach Zeugnissen vergangener Partys und Raves.“ (Dr. Motte)

… das Dokument einer Alltagskultur in Extase, erhältlich offenbar nur beim Sensemusic-Shop.


Rashomon restauriert

23. August 2008

Einer der großen Klassiker des japanischen Films ist restauriert worden. Wie SciFi Japan nach einem Hinweis aus der DVDBeaver-Liste meldet, existiert Akira Kurosawas „Rashomon“ nun wieder in derselben Qualität wie zu seiner Uraufführung 1950 (jap. Info). Die Restaurierung wurde von Michael Pogorzelsky vom Academy Film Archive (AMPAS) zusammen mit dem japanischen National Film Center und mit finanzieller Unterstützung der Kadokawa Culture Promotion Foundation bewerkstelligt.

Auf DVD liegen bisher zwei digital restaurierte Versionen vor, die jedoch beide (allerdings in sehr unterschiedlicher Weise) unter mangelhaftem Ausgangsmaterial leiden:

Die Fassung der Criterion Collection mit exzellentem Zusatzmaterial: „The black levels are rich and Kazuo Miyagawa’s lush cinematography is shown off to good effect. The folk at Criterion have done a painstaking job cleaning up a film that had been loaded with debris and scratches; but even they can’t turn lead into gold, so while this version of Rashomon isn’t as horribly polluted as others, it’s still not as pristine as the print of our dreams. Admittedly that’s an unfair standard, but a man can dream, can’t he?“ (Digitally Obsessed)

Die nicht mehr lieferbare Fassung des Britischen Filminstituts (BFI): „The picture quality presents the original 1.33:1 ratio (non-anamorphically) and has a decent level of clarity but veers wildly in quality from scene to scene. Some look fine considering the age of the film, though others, in particular those set in the courtroom, are very badly scratched. The sound fares better , presenting the original Japanese mono (with burnt-in English subtitles) over two speakers, only occasionally suffering from crackling.“ (DVD Times) – weitere Versionen auf DVD.

Nach der Aufführung der restaurierten Fassung am 18.9. zehn Jahre nach dem Tod Akira Kurosawas kann man vielleicht bald mit einer neuen DVD-Ausgabe rechnen.


Zwischen technischem Können und rechtlichem Dürfen

21. August 2008

Am 11. und 12. September 2008 veranstaltet die Deutsche Kinemathek in Berlin ein Symposium zu rechtlichen Fragen bei der Digitalisierung von Archivbeständen. Die Tagung mit dem Titel „Zwischen technischem Können und rechtlichem Dürfen – Filme und Digitalisierung in Museen und Archiven“ soll die rechtlichen Möglichkeiten und Probleme beim Einsatz neuer digitaler Archivierungs- und Verbreitungsmöglichkeiten von Filmen ausloten, wie sie z. B. das EU-Projekt EDCINE aufzeigt:

„Die Digitalisierung ist für die kommerzielle Verwertung von Filmen Fluch und Segen zugleich. Einerseits wird die Vervielfältigung von Filmen einfacher und kostengünstiger, und neue Geschäftsmodelle der Distribution tun sich auf, andererseits erleichtern digitale Formate auch die unautorisierte Auswertung. Um die Interessen von Rechteinhabern zu schützen, wurden Gesetze geändert und neue Vorschriften erlassen. Welche Auswirkungen hat das für Archive und Museen? Wie können und dürfen sie mit dem (digitalen) Kopierschutz und proprietären Formaten umgehen? Welche rechtlichen Schranken grenzen die technischen Möglichkeiten ein?“ (Deutsche Kinemathek)

Man wird sehen, ob sich in diesem Rahmen auch die Digitalisierung im Handel erworbener Bestände nach § 52b UrhG diskutieren lässt, was für DVD-Sammlungen in wissenschaftlichen Einrichtungen besonders wichtig ist.

Teilnehmen werden auch zuständige Beamte aus den Berliner Bundesministerien, wie die Leiterin des Referats Urheber- und Verlagsrecht im Bundesministerium der Justiz. Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung bis zum 1.9. wird gebeten. Das Programm findet sich hier (pdf).


Edition Filmmuseum – eine Criterion Collection des deutschen Sprachraums

20. August 2008

In anderen Ländern gibt es Prestige trächtige DVD-Editionen, wie die Criterion Collection in den USA oder die Masters of Cinema Series in Großbritannien, die von Filmliebhabern weltweit beachtet werden. Mit der Edition Filmmuseum hat auch der deutsche Sprachraum auf der internationalen DVD-Landkarte einen solchen Leuchtturm, der weit über Europas Grenzen hinausstrahlt – die DVDs haben zumindest englische Untertitel und sind Regionalcode frei.

Während die erwähnten Editionen aus angelsächsischen Ländern vor allem bekannte Klassiker in neu restaurierten Fassungen auf DVD zugänglich machen, hat die Edition Filmmuseum ein anderes Profil. Hier werden meist unbekannte Filme von Kennern aus den beteiligten Archiven dem Vergessen entrissen und in einem intellektuell sehr viel wagemutigeren Programmkatalog der Weltgemeinde der Cinephilen in sorgfältig bearbeiteten Editionen zugänglich gemacht.

So kommt vor allem der deutsche Stummfilm zu neuen Ehren, der im eigenen Land nach der Katastrophe des Dritten Reichs praktisch vergessen war und, im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA, nicht mehr auf Interesse stieß. Von den beiden deutschesten Filmemachern der Nachkriegszeit war nur Rainer Werner Fassbinder umfassend auf Video und DVD zugänglich. Mit dem Werk Alexander Kluges hat uns in all seinen Facetten erst wieder die Edition Filmmuseum bekannt gemacht (das gilt vor allem für diejenigen, die in den Sechzigern und Siebzigern noch nicht ins Kino gehen konnten, weil sie eben noch gar nicht geboren waren). Die Kinofilme sind bereits erschienen. In den nächsten Monaten werden auch die Fernseharbeiten folgen.

Mit welcher Dynamik die Edition Filmmuseum weitermacht, zeigen die angekündigten Filme, darunter solche langgesuchten Arbeiten wie Wundkanal (Thomas Harlan) und Notre Nazi (Robert Kramer) über die Dreharbeiten zu dem Film. Auch einer der bedeutendsten Künstler der DDR, Lutz Dammbeck ist vertreten. Die Edition Filmmuseum ist das spannendste und vielseitigste DVD-Label in den deutschsprachigen Ländern – und es ist sehr exklusiv, denn die publizierten Filme sind auf DVD nur hier erhältlich, meist zum ersten Mal überhaupt.


Filme digital archivieren

20. August 2008

Ein Hinweis aus dem Premium-Blog Archivalia: Die Frauenhofer-Gesellschaft (Institut für integrierte Schaltungen – ISS) stellt im Rahmen des EU-Projekts EDCINE ein Konzept zur digitalen Archivierung von Filmen vor.

Danach sollen von jedem Archivobjekt 2 digitale Fassungen hergestellt werden: Ein verlustfrei komprimiertes „Master Archive Package“, das dem Original entspricht, und ein automatisch generiertes, verlustbehaftetes „Intermediate Access Package“, das aber alle Einzelbilder in der gewünschten Auflösung enthält. Dieses „Intermediate Access Package“ soll sozusagen das Master für die Benutzung des Films sein, aus dem über ein „Dissemination Package“ alle Vetriebsformate hergestellt werden können:

„Für die Wiedergabe im digitalen Kino kann das zum Beispiel ein „Digital Cinema Package“ (DCP) sein, H.264-Dateien für den Einsatz im Heimkino oder MPEG-2-Dateien für die Ausstrahlung oder die Weiterverarbeitung im Fernsehen. Ein automatischer Konvertierungsprozess erzeugt für die Verteilung des Materials ein „Dissemination Package“ und stellt die Dateien zum Download oder Streaming bereit. Auf diese Art und Weise können aus derselben Datenbasis Lichtspielhäuser, Fernsehsender oder Privatanwender bedient werden. „“ (Informationsdienst Wissenschaft)

Das Konzept wird auf der International Broadcast Convention IBC in Amsterdam (12. bis 16. September) vorgestellt. Weitere Informationen zum EU-Projekt EDCINE beim Frauenhofer ISS. Das Institut bietet zusammen mit dem EDCINE-Archivkonsortium auch Schulungen für interessierte Archivare an.

Eine ausführliche Darstellung des Edcine-Projekts hat die Cinémathèque Royale de Belgique ins Netz gestellt: „EDCINE/Archives: A summary of the EDCINE-Project-Archival Applications“ (1. Fassung, März, 2008).


Westward the Women

14. August 2008

William Wellmans imposanter Western „Westward the Women“ ist jetzt in Frankreich von Warner auf DVD veröffentlicht worden, wie es scheint exklusiv. Dieser bedeutende Film im Werk Wellmans ist weder in den USA, noch in Deutschland erschienen. Die Originalfassung aus Frankreich ist mit 118 Minuten ungekürzt. In Deutschland lief lediglich eine auf 105 Minuten zusammengeschnittene Version. Das Lexikon des internationalen Films schrieb zu diesem Film:

„Ein Siedlertreck, bestehend aus 140 Frauen, macht sich Mitte des 19. Jahrhunderts unter Führung von zwei männlichen Treckführern auf den beschwerlichen Weg über die Rocky Mountains nach Westen, bestellt von dem Bürgermeister einer ausschließlich aus Männern bestehenden Gemeinde. Packender, streckenweise etwas harter, aber realistischer Western in imposanter Landschaft. – Sehenswert ab 16. (Lexikon des internationalen Films)


Das elegante Universum

14. August 2008

Die dreiteilige Fernsehserie über die Stringtheorie aus der amerikanischen Wissenschaftsreihe Nova erscheint nun auch in Deutschland auf DVD. In dem Film „Das elegante Universum“ (engl. Fassung „The Elegant Universe“) präsentiert Brian Greene zweieinhalb Stunden lang die „Theorie von Allem“ mit audiovisuellen Mitteln, die auch dem Laien diese komplexe Idee verständlich machen.

Die Serie entstand nach seinem gleichnamigen Buch. Nova bietet auf seiner Website die Gelegenheit, die Animation dieser abstrakten Theorie für den Film nachzuvollziehen:

„With Greene’s book in hand, the NOVA production team—including the producer, camera crew, animator, and editor, to name a few—created innovative visualizations of invisible things, such as extra dimensions, parallel universes, and black holes.

In this interactive, you will see how a single concept from Greene’s book evolved into a finished film sequence, a process repeated many times over throughout the making of NOVA’s miniseries. From the book’s illustration of hidden spatial dimensions that inspired the sequence, to the collection of storyboards used to plan the director’s shot list, to outtakes from the rough footage, to the finished scene, click on the image on the top at left and see for yourself the painstaking process of interpreting The Elegant Universe for the screen.“ (Nova)

Wie üblich erwähnt der deutsche Anbieter Polyband die Herkunft und die Autoren der Serie mit keinem Wort. Das deutsche Publikum wird hier wieder einmal nicht ernst genommen.