Metropolis auf Blu-ray in Deutschland

24. September 2011

„Awesome jetzt duerfen die Deutschen sogar bis naechstes Jahr im December auf Metropolis Blu-Ray warten..? ha ha ha ha . Zum Glueck gibts ja auch noch die UK u. die USA Amazon….? Schade dass die deutschen da wirklich bei so einem eigenem MASTERPICE sehr schlechte advertising machen u. sich irgendwie gar nicht so richtig darueber kuemmern….?“

schreibt Andreas Kulus „midge ure“ (australia) zur Ankündigung des Films zum 31. Dezember 2012 auf Amazon.de . Doch ganz so schlimm ist es nicht. Es hat zwar lange gedauert, aber heute hat die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung bekannt gegeben, dass der Film am 28. Oktober auf Blu-ray und DVD erscheinen wird:

„METROPOLIS erscheint am 28. Oktober auf DVD und Blu-ray. Die nahezu vollständig wiederhergestellte Originalfassung lässt Fritz Langs Stummfilmklassiker neu erleben, mit der rekonstruierten und neu eingespielten Originalmusik von Gottfried Huppertz. Die hochwertige Edition enthält darüber hinaus drei Dokumentationen über die Geschichte des Science-Fiction-Epos, die Entdeckung des verloren geglaubten Materials in Argentinien sowie die Rekonstruktion und Restaurierung durch die Murnau-Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern in Deutschland. Weitere Extras – kuratiert von der Murnau-Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Berlin) – umfassen verschiedene Arbeitsbeispiele zur Restaurierung sowie Mini-Features zum Thema Tricktechnik (Medienstationen aus der Ausstellung The Complete Metropolis). Das 32-seitige Booklet enthält zusätzliche Informationen rund um den Film und die Restaurierung. (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Newsletter Oktober 2010)

Es wird für Blu-ray und DVD je zwei Ausgaben geben: eine Verleihfassung mit 1 Disc, die in den Videotheken bereits am 20.10. stehen wird und auch bei Amazon genannt ist, und eine 3 Disc-Edition am 28.10. mit einem Booklet und den Dokumentationen auf den zwei Extra-Discs.

Christian Liemke von DVDuell hat die Daten in der FSK-Datenbank recherchiert:

“Metropolis” – Die Restaurierung eines Filmkassikers
Beiprogramm | 27:48 Min.

Metropolis Refound / Metropolis Refundata    (IMDb)
Dokumentarfilm | 46:56 Min. (Kritik)

“Metropolis” – Arbeitsbeispiele
Beiprogramm | 92:16 Min.

  • Arbeitsbeispiele dig. Bildrestaurierung/ Rekonstuktion/Vergleich Zwischentitel [64:13 Min.]
  • Gottfried Huppertz als Kleindarsteller und Statist in Filmen von Fritz Lang [9:25 Min.]
  • Motive aus Gottfried Huppertz Komposition für Metropolis [6:45 Min.]
  • Zitate aus Metropolis in Geza von Bolvarys “Das Schloß in Flandern” [11:53 Min.]

Die Reise nach Metropolis
Dokumentarfilm | 52:39 Min.

Begründet wird der späte Erscheinungstermin mit der Bindung an die Kinoaufführung und dem in Deutschland üblichen  Home Video-Fenster:

„In Deutschland kam der vertonte Film im Mai 2011 bundesweit in die Kinos, nach der in der Filmbranche üblichen Frist von sechs Monaten erscheint er nun auf DVD und Blu-ray. “ (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung)

Die Edition wird mit 3 Dokumentationen mehr Extras als die anderen Ausgaben enthalten, wovon allerdings der Film „Die Reise nach Metropolis“ von Artem Demenok bereits in der britischen  und amerikanischen Ausgabe erschienen ist.  Neu ist der argentinische Film „Metropolis Refundada“. Leider hat sich niemand in Deutschland zu einem Kommentar bereit gefunden. So bleibt der von David Kalat und Jonathan Rosenbaum auf der Eureka-Edition bisher der einzige.

Aber auch Kino in New York fügt der Beschäftigung mit Fritz Langs Klassiker noch eine wichtige Facette hinzu: Am 15. November erscheint dort der berühmt-berüchtigte Mash-up von Giorgio Moroder: „Giorgio Moroder Presents Metropolis“ auf Blu-ray und DVD. Die Rarität von 1984 war bisher nur auf VHS-Kassette erschienen.

Moroder hat durchaus einen verdienstvollen Anteil an der Entdeckung von Metropolis:

„Pena gives credit to music producer/composer Giorgio Moroder, because his 1984 efforts were an attempt to reconstruct the original Lang narrative using existing and newly found footage, and while the ’84 edition isn’t available on DVD, it was at the time the most widely seen edition of Metropolis. That version seemed to instill a renewed interest in Lang at the time, the film, and a deeper search for missing elements. It’s what Pena had hoped would push for the examination of the 16mm copy, but he never believed it would take 20 years.“ (Fernando Martin Pena in „Metropolis Refundata“)

Jetzt steht bei Murnaus noch die  restaurierte Fassung der „Nibelungen“ auf Blu-ray und DVD aus.

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Dish – Blockbuster contra Netflix

23. September 2011

   

Dish Network / Blockbuster contra Netflix / Quikster – in den USA ist die Home Video-Schlacht voll entbrannt. Streaming, DVD-Versand, Videothek und Kabelfernsehen werden zu neuen Services gebündelt und gegen den Platzhalter Netflix in Stellung gebracht: Wer bietet mehr?

Dish bündelt Streaming, Kabelkanäle und DVD-Versand mit der Nutzung der Videothek vor Ort:

Blockbuster Movie Pass will cost $10 a month on top of the monthly Dish satellite TV bill. As part of an introductory offer, Dish is including Blockbuster Movie Pass at no extra charge with its American Top 200 package for $39.99.

Movie Pass includes access to 100,000 DVDs and Blu-ray Disc titles by-mail, 10,000 titles available to stream to the TV and 20 premium entertainment channels.“ (Home Media Magazine)

Netflix verfolgt die entgegengesetzte Strategie und spaltet sich auf.  Streaming und DVD-Versand  werden auf zwei getrennte Marken mit eigenen Gebühren verteilt, versüßt mit Videospielen als zusätzlichem Angebot beim Versand.

„Netflix is splitting its streaming and DVD services into separate brands, renaming the latter Qwikster, company CEO Reed Hastings announced in a blog post late Sept. 18.

The two services will have separate websites, and DVD-by-mail subscribers will need to use Qwikster.com to access their DVD queues, rate content and choose movies. Subscribers to both services will receive separate bills for Netflix and Qwikster…

In July Netflix announced it would charge $7.99 a month each for DVD and streaming, angering consumers who had been spending $9.99 for both. On Sept. 15 Netflix announced it expected to lose 1 million more subscribers than forecasted. (Home Media Magazine)

Der erfolgreiche DVD-Versand mit seinem breiten Angebot von ca. 100.000 Titeln, der so viel für die Filmkultur auf dem „flachen Land“ geleistet hat,  wird in die zweite Reihe verbannt und abgewertet, obwohl als Stream vermutlich kaum mehr als 20.000 Titel zur Verfügung stehen dürften. Für ein börsenorientiertes Unternehmen war das Wachstum im Versandgeschäft wohl begrenzt, auch wegen der hohen Betriebskosten in diesem Bereich.

Im Mittelpunkt steht jetzt die internationale Expansion, die mit einem DVD-Versand nicht realisierbar ist. Die daraus folgende Abhängigkeit von den Lizenzgebern wird man aber nur eingrenzen können, wenn man für diese unverzichtbar wird, also nahezu ein Monopol schaffen kann.  Die Lizenzgeber werden versuchen, dies mit allen Mitteln zu verhindern, denn sie wollen einen Markt mit vielen Lizenznehmern. Das aber widerspricht dem Konzept einer Flatrate. Wieviele Flatrates soll der „User“ zahlen? Am Ende ist das für ihn nicht mehr „flat“.

Beim Streaming wird man nicht die Titelbreite des DVD-Versands bieten können, die nahezu den gesamten Markt umfasst.  Denn beim Versand von physischen Medien kann man auf die Unabhängigkeit durch die First Sale-Doktrin bauen, die bei virtuellen Medien nicht gilt. Und es ist ein Unterschied, ob einzelne Filme als DVD oder Blu-ray auf dem Kaufmarkt miteinader konkurrieren, oder ganze Titelpools auf dem Lizenzmarkt. Da verschwindet schnell ein großer Teil von der Streamingplattform. Das Streaming-Angebot wird also weniger Titel bieten und wie die Börse sein: volatil.

Es fragt sich, ob Dish-Blockbuster gegen Netflix bestehen kann- vielleicht wenn es gelingt, mit dem vielfältigeren Angebot ein Ambiente für Filmkultur zu schaffen, das die Videotheken in ihrer Anfangszeit so attraktiv gemacht hat. Netflix wird dafür auf seine ausgefeilte Datenbanksoftware und das Web 2.0 setzen können. Letztlich jedoch entscheiden Preis und komfortables Angebot.

„Netflix’s advantage, like cable’s, is its simplicity. You pay a little bit of money every month in exchange for a wealth of entertainment. But what the company becomes now, and what its competitors become in response, will determine the future of how we watch video for years to come.“ (Tim Carmody: How the Starz-Netflix Divorce Will Remake Video.  Wired September 2, 2011)

Nachtrag vom 11.10.2011: Netflix gibt die Teilung von Streaming und Onlineversand auf. Dahinter steckt wohl eine geplatzte Übernahme des Streaming-Angebots von Netflix durch Amazon, Geld, das dringend für die Aquirierung neuer Streamingrechte gebraucht wurde und nun fehlt. Die Konzentration im Streaming-Geschäft wird dennoch weitergehen müssen, wenn man ein ähnliches Angebot wie beim Online-Versand mit 100.000 Titeln in den USA erreichen will. Doch was Streaming einmal bieten soll, gibt es bei den physischen Medien bereits: Die DVD als Universalmedium für Filme, weltweit verfügbar, sehr preiswert bei guter Qualität und mit einer Abspielbasis, die ihresgleichen sucht – und wenn man will, kann man den Film kaufen, d.h. besitzen.


Coffret DVD David Williams: Lillian & Thirteen

21. September 2011

Ein Hinweis aus der Liste von Jonathan Rosenbaum: In Frankreich ist bei ED Distribution vor einem Jahr eine Box mit dem Werk des amerikanischen Filmemachers David Williams erschienen. Neben seinen Kurzfilmen aus den 80er Jahren ( SHADOWS (1982 – 5 min.) DREAMS IN THE NIGHT (1983 – 11 min.) THE WOMAN IN THE WINDOW (1984 – 11 min.) THE LAST OF SUMMER (1985 – 14 min.) TRANSITIONS (1987 – 16 min.) WAVING (1987 – 3 min.) stehen seine beiden dokumentarischen Spielfilme „Lillian“ (1993) und „Thirteen“ (1997) im Mittelpunkt, zwei faszinierende Arbeiten über die innere Stärke ihrer jeweiligen Protagonisten, einer 57jährigen Pflegerin und eines 13jährigen Mädchens.

„Lillian“ lebt von seiner Hauptdarstellerin, die sich selbst spielt:

„Like its subject, „Lillian“ is a film that moves slowly and surely, but ultimately has a remarkable impact. A „fictional documentary“ whose inspiration is portrayed by its very source, David D. Williams’s film documents a day in the life of Lillian Folley, a 57-year-old African American caretaker whose Richmond house provides a hopeful start for foster children and a dignified end for the elderly.

On the surface, the things that happen in the course of Lillian’s long day — she is first up and last to sleep — are mundane events. Williams’s triumph is not that he ennobles Lillian — she doesn’t need that kind of patronizing — but that he recognizes the quiet strength that allows her to function in the face of others‘ constant needs…

Melding cinema verite and fiction, director Williams opts for the naturalist feel of a documentary (undercut only by a cheesy synthesizer soundtrack) and an unhurried but active pace that reflects Lillian’s dawn-to-dusk commitment. It’s a bold hybrid that succeeds because of the immense power of Lillian Folley herself. „Lillian’s“ small budget is evident, but so is its heart. “ (Richard Harrington: Lillian. The Washington Post, March 18, 1994)

„A word about the filmmaking. Except for the lack of explosions and A-list actors, and some art-film interludes (Williams was a painter and photographer before exploring film), „Lillian“ is indistinguishable (visually) from a „real“ movie. Shot on Super-16mm and blown up to 35mm, „Lillian“ makes judicious use of cranes and tracks, all while exploring the confined spaces of Lillian’s actual house and the environs of Richmond’s North side. This film is a real treat that few have seen. Just as Williams‘ follow-up film „Thirteen“ (which also features Lillian) resonates with anyone who’s ever been a girl, „Lillian“ will find favor with anyone who has a mother. “ (dearborne: Best African-American female character in film. IMDb)

„Thirteen“   beobachtet mit dokumentarischer Genauigkeit ohne jede Wertung eine Dreizehnjährige in ihren Widersprüchen . Obwohl sie von zu Hause ausreißt, bleibt sie Ihrer Mutter innig verbunden (gespielt von der Hauptdarstellerin aus „Lillian“).

„David Williams‘ movie „Thirteen“ belongs to a burgeoning genre that determinedly blurs the line between fiction and documentary filmmaking. Largely improvised, with no screenplay and featuring a cast that includes untrained actors as well as professionals, this portrait of a sullen, quirky 13-year-old black girl growing up in Richmond, Va., feels utterly real during much (though not all) of its 87 minutes. ..

For all its narrative glitches and its homemade quality, „Thirteen“ evokes the rhythm, texture and tone of Nina’s world in a way that a more carefully scripted film could never do. It reminds you of how mysterious and complex individual character really is. Nina’s obsession with cars and her way of suddenly bursting out with blunt observations and demands make for a fascinating portrait of a shy, strong-willed girl whose mind is churning as she tries to figure out the world and her future.“ (Stephen Holden: ‚Thirteen‘: Improvising a Troubled 13-Year-Old’s Mind. The New York Times, April 4, 1998)


Jonathan Rosenbaum: Global Discoveries on DVD

16. September 2011

Jonathan Rosenbaum hat wieder eine neue Ausgabe seiner Kolumne in Cinema Scope 47 veröffentlicht: Global Discoveries on DVD : Auterist and Non-Auterist Shopping Tips. Neugierig machen vor allem die Hinweise auf  Delamu, den ersten Dokumentarfilm von Tian Zhuangzhuang (auf DVD leider nur mit niederl. und franz. Untertiteln erhältlich) und auf die Filme von Bill Mousoulis, dem Mitbegründer von Senses of Cinema (DVD-Ausgaben in Australien).

Diesmal steht für ihn das Kino der Auteurs im Mittelpunkt, darunter auch der besondere Wert der Extras einiger DVD-Ausgaben. Man kann hier sehr schön sehen, dass ein solcher Gebrauch von DVDs wie eine Lektüre funktioniert:

„I couldn’t begin to “catch up” on all the releases that I missed covering in some fashion since my last column in Fall 2010, but I hasten to add that this has always been the case. Quite apart from everything that gets sent to me, what I see and/or have something to say about is largely and inevitably a matter of both chance and access. Thanks to having been a member of Il Cinema Ritrovato’s DVD jury for the past few years, I’ve come across many items that I never would have heard of otherwise, but even when something gets sent to me, what I wind up spending more time with usually has a lot to do with pre-existing biases, mainly auteurist, as well as various kinds of supplementary information.“ (Jonathan Rosenbaum: Global Discoveries on DVD : Auterist and Non-Auterist Shopping Tip. Cinema Scope 47)


Obaltan von Yoo Hyun-mok

15. September 2011

    

„Obaltan“ (The Aimless Bullet ; The Stray Bullet) – dieser tiefschwarze, neorealistische Klassiker des koreanischen Films erschien in dem Jahr, als das Militär um Park Chung-hee sich an die Macht putschte. Er wurde sofort verboten.

„Released in 1961, Aimless Bullet examines the social situation for the everyman in South Korea following the Korean War, when mass unemployment and overcrowding were just two of the obvious signs of a country in turmoil. With Aimless Bullet director Yoo Hyun-mok, previously largely acknowledged for his technically superior melodramas, turned his hand to a more serious and intellectual project and in doing so established a style of filmmaking that he would continue to explore for the majority of the rest of his directing career. Adapting a controversial 1955 novella by Yi Beomseon (so controversial that the author lost his teaching job on its publication), Yoo’s version of the material captures an intensity and frustrated energy that feels as if it may have been shot during a quick and intense period, but was in fact shot over the course of a year – whenever Yoo could get his hands on expensive surplus film stock. When the film was originally released – during a period of liberalization following the 1960 April Revolution – it was praised for its realistic depiction of modern Korea, but following a military coup in 1961 and the resulting change in government, the film was then banned on the grounds of being overly pessimistic and the copies screening in theatres were removed.“ ( Martin Cleary: New Korean Cinema)

Nur zufällig blieb von diesem Film eine Kopie erhalten, in recht desolatem Zustand.  „… die überbelichteten, kontrastarmen, beschnittenen und oft auch noch defekten Bilder bringen lediglich ein Bruchstück von Yoos visueller Kraft herüber“ (Molodezhnaja), leider auch auf den beiden lieferbaren DVDs (koreanische Ausgabe , US-Ausgabe).

„At the time it was common to make only two copies of a films and these were toured around different theatres. As the Korean copies were lost it’s a stroke of luck that a juror for the San Francisco Film Festival had taken a print of ‘Aimless Bullet’ back to the US to screen at the festival in 1963 – this is the sole known copy in existence today, albeit in poor condition and with burnt-in English subtitles.(Martin Cleary: New Korean Cinema)

Das Koreanische Filmarchiv hat vor 2 Jahren eine DVD-Box mit vier weiteren Filmen von Yoo Hyun-mok herausgegeben. Enthalten ist auch eine 50minütige Dokumentation über den Regisseur, in deren ersten 20 Minuten „Obaltan“ ausführlich behandelt wird.


El Jefe von Fernando Ayala

14. September 2011

In Argentinien ist der Klassiker „El Jefe“ von Fernando Ayala auf DVD erschienen, leider ohne englische Untertitel, was einen aber eigentlich nicht davon abhalten sollte, diesen argentinischen Film noir von 1958 zu entdecken… – wenn die DVD-Ausgabe nicht so mangelhaft wäre (s. u.).

Der Film basiert auf einer Erzählung von David Viñas, der zusammen mit Ayala auch das Drehbuch geschrieben hat. Er beschreibt das Innenleben einer Bande und ihre symbiotischen Beziehungen zwischen Chef und „Untergebenen“, ein Verhältnis, das Ayala und Viñas durchaus prototypisch für die argentinische Gesellschaft und Politik sehen.

„Here we have a film about a gang of five larcenists and swindlers who carry off various enrichment schemes under the leadership of „El Jefe,“ The Chief. The film opens as they are all at the police station under arrest. They nudge each other as they await interrogation, secure in the knowledge that as soon as El Jefe arrives, he will get them all off somehow. Naturally this film could not have been made during the Peron years, but just 3 years after his fall, here it is. The script is by David Vinas, an leftist anti-Peronist novelist. At one point in the film a woman asks El Jefe how he is able to command the unquestioning allegiance of his gang. He replies: „I take care of them. I snap my fingers, and they are at my beck and call. You have to study them, know their likes & dislikes, their little quirks, their resentments, and what they hope for. I give to them, and they give to me. And they end up wanting just what I want.“ We do not learn much about Peronism from this film, but we learn a lot about how Peron’s detractors regarded him. “ (pfrank-4from Venice CA, IMDb)

Die argentinische DVD-Ausgabe dürfe allerdings ein Reinfall sein. Sie enthält den Film nur im Vollformat (4:3), obwohl er in CinemaScope (Panavision) gedreht wurde. Die Musik stammt übrigens von Lalo Schiffrin. Dies ist seine erste Arbeit für einen Spielfilm.

Hier wurde offenbar die Chance verpasst, einen bedeutenden Film nach über 50 Jahren wieder in seiner ursprünglichen Form bekannt zu machen.

„This is a beautifully shot movie from Argentina about a small band of men engaged in small time, get-rich quick schemes, with a charismatic but shady leader. The film is stylish, with beautifully lit black and white cinematography, elegantly seedy costumes and a lush dark score by Lalo Schifrin (his first film score, with a moody sax performance by Gato Barbieri). The uniformly fine cast give tense, sexually-charged performances that keep the more melodramatic moments from bogging down. A really gem of a film. “ (philmckfrom LA, CA, IMDb)

Von Fernando Ayala sind in Argentinien weitere beachtenswerte Filme erschienen: „El candidato“, „Paula Cautiva“, „Primero Yo“, „La Fiaca“ (engl. UT.) und sein Spätwerk „Plata dulce“ (engl. UT.).


We can’t go home again

6. September 2011

Nicholas Rays letzter Film,  „We can’t go home again“, eine Arbeit mit seinen Studenten, ist auf dem Festival in Venedig in der restaurierten Fassung aufgeführt worden. Während Rays Studioproduktionen als Klasssiker gelten und auf DVD zugänglich sind, ist sein Spätwerk kaum bekannt.

Die Nicholas Ray Foundation plant offenbar eine Collector’s Edition auf DVD, die auch die beiden Fassungen von  „We can’t go home again“ enthalten soll, dazu den Dokumentarfilm seiner Frau „Don’t expect too much“ über seine Arbeit an diesem Film.

Oscilloscope Laboratories werden Film und Dokumenation in den USA herausbringen, auch auf DVD.

Walter Gasperi hat Nicholas Ray zu seinem 100. Geburtstag gewürdigt:

„Begeistert reagierten Truffaut, Godard und Rivette, als sie in den 50er Jahren die Filme Rays entdeckten. Einen echten «Autor» sahen sie in ihm, keinen Handwerker, sondern einen Regisseur, der mit persönlicher Leidenschaft inszeniert und dessen Persönlichkeit in seine Filme einfließt. Äußerlich mögen die Filme dabei noch so verschieden sein, so verbindet sie dennoch eine eigene Sicht der Welt und wiederkehrende Themen.

«We Can´t Go Home Again» titelte er sein 1973 nach fast zehnjähriger Pause gedrehtes und nie abgeschlossenes verdecktes Selbstporträt. Die vergebliche Suche nach Heimat und einem Ort der Ruhe, die hier schon im Titel zum Ausdruck kommt, zieht sich durch viele seiner Filme. Unruhig, rastlos und zerrissen ist nicht nur der junge Jim Stark in «Rebel Without a Cause» (1955), mit dessen Verkörperung James Dean zum Jugendidol wurde, sondern auch der von Sterling Hayden gespielte Johnny Guitar im gleichnamigen Western (1954)…

In «Bigger than Life» (1956) schildert er eindringlich den erstickenden Konformismus der 50er Jahre, mit «Bitter Victory» (1957) drehte er einen Anti-Kriegsfilm, über den Godard in einer begeisterten Kritik schrieb: «Es ist gleichzeitig der direkteste und zurückhaltendste Film, der feinste und der gröbste. Das ist nicht Kino, das ist besser als Kino.»

Gab es in den 50er Jahren für diesen Unangepassten noch eine Nische, sodass er rund 20 Filme drehen konnte, so erhielt er nach dem Flop der Großproduktion «55 Days at Peking» (1963) und dem Niedergang Hollywoods keinen Auftrag mehr. Erst 1973 meldete sich dieser «cinéaste maudit» mit «We Can´t Go Home Again» zurück. Nochmals setzte sich Ray mit Entwurzelung und der Utopie der Heimat auseinander, rebellierte aber gleichzeitig durch die experimentelle Form (z.B.: Einsatz unterschiedlicher Filmformate) auch gegen Hollywood.“ (Walter Gasperi: «We Can´t Go Home Again» – Zum 100. Geburtstag von Nicholas Ray. Zoom)