Moana with Sound – der Stummfilmklassiker als Tonfilm auf Blu-ray

5. Januar 2016

Einer der ersten langen Dokumentarfilme der Filmgeschichte, der Stummfilmklassiker „Moana“, ist bei Kino Lorber in den USA jetzt in der restaurierten Tonfilmfassung erschienen. Robert J. Flaherty (1884-1951) drehte den Film 1923/24  auf der polynesischen Insel Savaii im Archipel Samoa, um die kaum noch existente samoanische Kultur zu dokumentieren. Doch der Film war ein Mißerfolg, da er mit der üblichen klassischen Musik Europas aufgeführt wurde.

„Flaherty war überzeugt, dass das Publikum den Film besser verstünde, wenn er einen adäquaten Soundtrack mit polynesischer Musik hätte.

Rund 50 Jahre später setzte Flahertys Tochter Monica diese Idee um. Da sie als Kind selbst bei den Dreharbeiten dabei war und die Sprache beherrschte, führte sie in den 70er Jahren auf Samoa Tonaufnahmen mit den zum Teil noch lebenden Mitwirkenden von „Moana“ durch: Pe’a und der Hauptdarsteller Ta’avale (Moana) lebten noch in Safune, Fa’angase (Dorfmädchen) lebte inzwischen auf Hawaii. 1975 sammelte sie, unterstützt vom Dokumentarfilmpionier Richard Leacock, auf Samoa umfangreiches Tonmaterial und legte diese Aufnahmen authentischer Volkslieder, atmosphärischer O-Töne und rekonstruierter Dialoge an den Film an.“ (Arte TV)

Hier die Geschichte der Dreharbeiten und der Tonfassung

Die spannende Geschichte der Restaurierung des Films durch Bruce Posner und Sami van Ingen in Zusammenarbeit mit Thomas Bakels von Alpha Omega Digital in München

Beide Featurettes sind auch auf der Blu-ray und der DVD enthalten, neben einem gefilmten Kommentar der beiden Filmhistoriker Enrico Camporesi und Bruce Posner, Flaherty’s Kurzfilm Twenty-Four-Dollar Island von 1927 und einem Interviewausschnitt mit seiner Frau Frances Flaherty von 1960 „Flaherty and Film: Moana„.

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„Das Weib des Pharao“ jetzt auf Blu-ray und DVD

28. Juni 2012

Auf die Restaurierung dieses vergessenen Films von Ernst Lubitsch hatten wir schon im letzten Jahr hingewiesen. Jetzt ist es Alpha-Omega in München gelungen, die Fassung auf DVD und Blu-ray fertigzustellen. Am 30.6.2012 ist es soweit. Ein anspruchsvolles Restaurierungsprojekt wird endlich  für alle Liebhaber des deutschen Stummfilms zugänglich und ein Stück versunkener Filmgeschichte taucht wieder auf – dank des großen Engagements von Alpha-Omega. Beide Ausgaben können dort direkt bestellt werden.

Die Angaben zu dieser Edition im einzelnen:

Diese digital restaurierte Fassung stellt den Film in viragierten Farben dar, die den überlieferten Filmmaterialien entsprechen. Erstmals ist auf dieser DVD die gesamte Musik des Originals als Orchesterfassung zu hören.

Zusätzliches Material:
– Digibox Verpackung
– Booklet: 20. Seiten, farbig: Texte und Bilder zum Film und zur Restaurierung: Vorwort von Thomas Bakels, ein persönlicher Gruß an Fans von Frau Nicola Lubitsch, Aufsatz von Kristin Thompson, Interview mit Frank Strobel, Text von Ägyptologie Experten Bernt Müller
– Trailer: Englisch, Deutsch
– Historisches Material zur Produktion: Setfotos, Fotos von fehlenden Szenen, Programmheft Verlag Filmkurier Berlin 1922
– Die Rückkehr von Lubitschs Pharao: Dokumentation über die Restaurierung von Das Weib des Pharao, die diese aufwendige Restaurierungsarbeit anhand von Bildern und Erzählungen vom Drehort, Interviews mit den Beteiligten und Szenen-Vergleichen ausführlich darstellt. Informationen über die Farbgebung, technische Verfahren und Quell-materialien sind hier ebenso enthalten wie Hintergründe zur Musik und deren Aufnahme. (35 Minuten)
– Filmkonzert: Diese HD-Aufnahme der Orchestereinspielung zum Film ist tatsächlich ein eigenständiger Programmteil dieser Veröffentlichung. Die Aufnahme wurde von ALPHA-OMEGA digital eigens mit dem WDR Rundfunkorchester produziert. Aus insgesamt 16 Kameraperspektiven wurde am 14. und 15. September 2011 in Köln ein Live-Konzert geschnitten, das die Musik ganz in den Vordergrund stellt und den Film nur als Nebendarsteller zeigt. Insbesondere weil diese wunderbare Musik von Eduard Künneke so lange unveröffentlicht war, und Frank Strobel und das WDR Rundfunkorchester mit einer erstklassigen Einspielung den Film erst wirklich vollständig werden ließen, ist diese Orchesteraufnahme hier in voller Filmlänge und aus nächster Nähe zu erleben. (100 Minuten)

Sprachfassungen:
Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch, Thai, Arabisch
Dieser Film wird hier in 10 anwählbaren Sprachfassungen gezeigt. Die Insert-Titel sind dabei nicht als Untertitel sondern als Vollbild-Titel gestaltet, wie es auch in der Stummfilmzeit eine gängige Praxis für ausländische Fassungen war. Die Übersetzungen wurden von Kollegen und Freunden des Projekts geleistet, die allesamt fundierte filmwissenschaftliche oder filmbezogene Hintergründe haben. Die Versionen in deutsch, englisch, französisch und italienisch werden im originalen Schrift-Typ dargestellt. Die Versionen in spanisch, russisch, chinesisch, japanisch, thai und arabisch erhielten aufgrund von Besonderheiten der jeweiligen Schriften ein anderes Erscheinungsbild.

Technische Angaben:
DVD Edition: 1*DVD9 (Hauptfilm)+ 1*DVD9 (Zusätzliches Material), NTSC & PAL
BluRay Edition: 1*BluRay50 (Hauptfilm & Zusätzliches Material), Region-Free
Laufzeit: Hauptfilm: ca. 100min, Zusätzliches Material: ca. 144min
Bildfrequenz: 20 B/s
Auflösung: PAL, 720×576 (DVD) | NTSC, 720×480 (DVD) | HD 1920×1080 (BD)
Bildformat: 4:3 (1,33:1) (Hauptfilm)
Audioformate: Dolby Digital 5.1 (DVD) | PCM 2.0 Stereo (DVD & BluRay)| DTS-HD 5.1 (BluRay)

Quellen: Nitropositiv russ. und it.
FSK 0: Freigegeben ohne Altersbeschränkung (alle Angaben von Alpha-Omega)


Metropolis auf Blu-ray in Deutschland

24. September 2011

„Awesome jetzt duerfen die Deutschen sogar bis naechstes Jahr im December auf Metropolis Blu-Ray warten..? ha ha ha ha . Zum Glueck gibts ja auch noch die UK u. die USA Amazon….? Schade dass die deutschen da wirklich bei so einem eigenem MASTERPICE sehr schlechte advertising machen u. sich irgendwie gar nicht so richtig darueber kuemmern….?“

schreibt Andreas Kulus „midge ure“ (australia) zur Ankündigung des Films zum 31. Dezember 2012 auf Amazon.de . Doch ganz so schlimm ist es nicht. Es hat zwar lange gedauert, aber heute hat die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung bekannt gegeben, dass der Film am 28. Oktober auf Blu-ray und DVD erscheinen wird:

„METROPOLIS erscheint am 28. Oktober auf DVD und Blu-ray. Die nahezu vollständig wiederhergestellte Originalfassung lässt Fritz Langs Stummfilmklassiker neu erleben, mit der rekonstruierten und neu eingespielten Originalmusik von Gottfried Huppertz. Die hochwertige Edition enthält darüber hinaus drei Dokumentationen über die Geschichte des Science-Fiction-Epos, die Entdeckung des verloren geglaubten Materials in Argentinien sowie die Rekonstruktion und Restaurierung durch die Murnau-Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern in Deutschland. Weitere Extras – kuratiert von der Murnau-Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Berlin) – umfassen verschiedene Arbeitsbeispiele zur Restaurierung sowie Mini-Features zum Thema Tricktechnik (Medienstationen aus der Ausstellung The Complete Metropolis). Das 32-seitige Booklet enthält zusätzliche Informationen rund um den Film und die Restaurierung. (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Newsletter Oktober 2010)

Es wird für Blu-ray und DVD je zwei Ausgaben geben: eine Verleihfassung mit 1 Disc, die in den Videotheken bereits am 20.10. stehen wird und auch bei Amazon genannt ist, und eine 3 Disc-Edition am 28.10. mit einem Booklet und den Dokumentationen auf den zwei Extra-Discs.

Christian Liemke von DVDuell hat die Daten in der FSK-Datenbank recherchiert:

“Metropolis” – Die Restaurierung eines Filmkassikers
Beiprogramm | 27:48 Min.

Metropolis Refound / Metropolis Refundata    (IMDb)
Dokumentarfilm | 46:56 Min. (Kritik)

“Metropolis” – Arbeitsbeispiele
Beiprogramm | 92:16 Min.

  • Arbeitsbeispiele dig. Bildrestaurierung/ Rekonstuktion/Vergleich Zwischentitel [64:13 Min.]
  • Gottfried Huppertz als Kleindarsteller und Statist in Filmen von Fritz Lang [9:25 Min.]
  • Motive aus Gottfried Huppertz Komposition für Metropolis [6:45 Min.]
  • Zitate aus Metropolis in Geza von Bolvarys “Das Schloß in Flandern” [11:53 Min.]

Die Reise nach Metropolis
Dokumentarfilm | 52:39 Min.

Begründet wird der späte Erscheinungstermin mit der Bindung an die Kinoaufführung und dem in Deutschland üblichen  Home Video-Fenster:

„In Deutschland kam der vertonte Film im Mai 2011 bundesweit in die Kinos, nach der in der Filmbranche üblichen Frist von sechs Monaten erscheint er nun auf DVD und Blu-ray. “ (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung)

Die Edition wird mit 3 Dokumentationen mehr Extras als die anderen Ausgaben enthalten, wovon allerdings der Film „Die Reise nach Metropolis“ von Artem Demenok bereits in der britischen  und amerikanischen Ausgabe erschienen ist.  Neu ist der argentinische Film „Metropolis Refundada“. Leider hat sich niemand in Deutschland zu einem Kommentar bereit gefunden. So bleibt der von David Kalat und Jonathan Rosenbaum auf der Eureka-Edition bisher der einzige.

Aber auch Kino in New York fügt der Beschäftigung mit Fritz Langs Klassiker noch eine wichtige Facette hinzu: Am 15. November erscheint dort der berühmt-berüchtigte Mash-up von Giorgio Moroder: „Giorgio Moroder Presents Metropolis“ auf Blu-ray und DVD. Die Rarität von 1984 war bisher nur auf VHS-Kassette erschienen.

Moroder hat durchaus einen verdienstvollen Anteil an der Entdeckung von Metropolis:

„Pena gives credit to music producer/composer Giorgio Moroder, because his 1984 efforts were an attempt to reconstruct the original Lang narrative using existing and newly found footage, and while the ’84 edition isn’t available on DVD, it was at the time the most widely seen edition of Metropolis. That version seemed to instill a renewed interest in Lang at the time, the film, and a deeper search for missing elements. It’s what Pena had hoped would push for the examination of the 16mm copy, but he never believed it would take 20 years.“ (Fernando Martin Pena in „Metropolis Refundata“)

Jetzt steht bei Murnaus noch die  restaurierte Fassung der „Nibelungen“ auf Blu-ray und DVD aus.


Das Weib des Pharao im Neuen Museum

22. August 2011

Am 17. September kehrt ein Film, der aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwunden war, wieder an einen seiner Ursprungsorte zurück: „Das Weib des Pharao“ wird im Neuen Museum auf der Museumsinsel in Berlin aufgeführt, mit der Originalmusik von Eduard Künneke, gespielt vom Rundfunkorchester Köln des WDR unter der Leitung von Frank Strobel.

Lubitsch ließ für seinen Monumentalfilm, einen der teuersten und aufwändigsten seiner Zeit,  in den Rauhen Bergen von Berlin-Steglitz gewaltige altägyptische Kulissen errichten. Die Filmarchitekten Ernst Stern und Kurt Richter ließen sich ebenso wie die Kostümbildner, hier wiederum Ernst Stern sowie Ali Hubert und Ernö Metzner, von dem Fundus des Ägyptischen Museums in Berlin inspirieren.

Wie frei sie dabei mit ihren historischen Vorlagen umgegangen sind, hat Bernt Müller in seinem Aufsatz „Das Weib des Pharao, Altägypten in Berlin-Steglitz“ in der Zeitschrift KEMET untersucht:

„Die Reliefs an der Fassade des Großen Palastes zeigen Opferszenen des Königs vor verschiedenen Göttern… Auch die Widder, die auf der Treppe zum Großen Palast liegen und den Reichsgott Amun darstellen, säumten im Alten Ägypten nicht den Weg zu einem Palast, sondern die Prozessionsweg zu den Tempeln, die Amun geweiht waren. Von einem solchen Prozessionsweg stammt auch der Widder im Ägyptischen Museum Berlin…, der offensichtlich das Vorbild für die Widder im Film war…

Beim Betrachten des Films ergeben sich noch eine Reihe weiterer Assoziationen: der große Saal erinnert an den alten Ägyptischen Hof im Neuen Museum in Berlin, und im Inneren des Schatzhauses muss man an die aufsteigende Galerie in der Cheops-Pyramide denken…

Die Kostüme der Hauptdarsteller waren sehr aufwendig gestaltet. Als Vorlage für das Gewand des Pharaos Amenes diente offensichtlich das Fresko Amenophis‘ I. aus dem Gab des In-her-cha in Deir el Medine (Grab TT 359) aus der 20. Dynastie um 1190-1160 v.Chr… Amenophis ist hier nach der Mode der Ramessidenzeit gekleidet. Er trägt eine kurzhaarige Perrücke mit Diadem und Uräus. Der Zeremonilabart ist mit einem Band am Kinn befestigt. Ein breiter Schulterkragen liegt auf dem durchsichtigen, plissierten Gewand, das mit einem breiten Gürtel und Schmuckbändern um die Hüfte geschlungen ist. Ringe schmücken Oberarme und Handgelenke. Alle Details sind am Kostüm des Pharaos Amenes wiederzufinden Er trägt hier allerdings die Krone von Ober- und Unterägypten.“

ARTE hat einige Filmstills der restaurierten Fassung ins Netz gestellt, die die Anmutung dieses Films augenfällig machen.

Der Film liegt bereits seit 2005 in rekonstruierter und restaurierter Form vor. Durch die Arbeit des Münchner Filmmuseums, der Spezialisten der Firma Alpha-Omega (Bericht zur Restaurierung) und des Bundesarchiv-Filmarchivs konnte dieses vergessene Werk in seiner ursprünglichen Form fast vollständig wiedergewonnen werden. Bernhard André hat das in seinem Aufsatz „Zurück in die Zukunft – Neue digitale Restaurierungstechniken für Ernst Lubitschs ‚Das Weib des Pharao'“ detailliert beschrieben:

„Im Falle von „Das Weib des Pharao“ waren die Voraussetzungen nicht schlecht. Zwar existiert kein Negativ, doch besitzt das Bundesarchiv-Filmarchiv ein viragiertes Original-Nitro aus den 1920er-Jahren. Allerdings umfasst diese Kopie nur etwa die Hälfte der ursprünglich 2976 Meter Film. Weitere Quellen in Paris und bei einem privaten Berliner Sammler kamen hinzu, waren teilweise jedoch von weit geringerer Qualität. Rund 60 Prozent des Films standen damit für die Restaurierung zur Verfügung. Doch Gerüchte über noch vorhandenes Originalmaterial ließen Bakels und Lengl keine Ruhe. Sie machten sich eigenhändig auf die Suche und wurden schließlich im US-amerikansichen George Eastman House in Rochester fündig. Was sie fanden, geriet zur Sensation: „Es kam uns so vor, als seien die ganzen Szenen, die bislang fehlten, in der Rochester-Kopie verarbeitet“, erinnert sich Gerhard Ullmann, Restaurator am Münchner Filmmuseum, wo die filmphilologische Arbeit zum Projekt geleistet wird. Die ebenfalls als viragiertes Original-Nitro vorliegende Kopie ergänzt das bisher verfügbare Material so gut, dass die rund 45 Minuten beinahe komplett für die Restaurierung verwendet werden können. Statt 60 liegen nun 90 Prozent des Films wieder vor, statt geplanter Standfotos und Texttafeln wird die fehlende Originalhandlung wieder zu sehen sein, statt Fragment zu bleiben, wird am Ende „Das Weib des Pharao“ wieder ein nahezu vollständiger Film.“ (Film-Dienst 25/ 2004)

Bernhard André berichtet dann detailliert über die schwierige Restaurierung von völlig abgespieltem Material, dem sogar teilweise die Perforation fehlte. Der Film war viragiert, so dass nur wenige Kopien mit diesem teuren Verfahren hergestellt werden konnten. Alpha Omega musste nicht nur spezielle Software zur elektronischen Retusche entwickeln, sondern auch ein Programm zur digitalen Virage, so dass man den Film heute wieder in seiner ursprünglichen Farbenpracht erleben kann. Außerdem wurde durch ein eigenes Sequenzer-Verfahren zur Erzeugung „echter“ Zwischenbilder eine Fassung mit 24 Bildern pro Sekunde hergestellt, um den Film als Tonfilm mit der Orchestrierung von Eduard Künnecke vorführen zu können. Die Musik von Eduard Künnecke wird seit der Aufführung des Films 1922 mit dieser restaurierten Fassung erstmals wieder gespielt und zum ersten Mal überhaupt aufgezeichnet.

Zum Schluss kann man sich fragen, was diesen Film so herausragend macht: Es ist die Kamerarbeit von Theodor Sparkuhl , der mit Cadrage und Perspektive Machtverhältnisse präzise herausarbeitet. „Das Weib des Pharao“ war stark von seiner Zeit geprägt. Gedreht 2 Jahre nach der Ausrufung der Republik, 1 Jahr nach dem Kapp-Putsch, mitten in Zeiten der Inflation und größter Arbeitslosigkeit ging es im Film wie auch in der Gesellschaft um Macht, Aufstand und persönliches Glück.

Alpha Omega plant dem Hörensagen nach auch eine DVD- und Blu ray-Ausgabe. Man kann nur hoffen, dass diese tatsächlich zustande kommt, denn dafür liegt seit 6 Jahres alles Notwendige vor. Das HD-Master und  sogar Extras sind bereits vorhanden: „Rettung in 2 K“ führt in 13 Minuten in den Film und  seine Restaurierung ein.

Wer sich bis dahin nicht gedulden will, kann am 17.9. dem Livestream von der Aufführung in Berlin im Web folgen. Am 26.9. wird der Film im Fernsehen auf Arte ausgestrahlt.

Nachtrag: Thomas Bakels von Alpha Omega hat in den USA auf dem Kongress „The Reel Thing“ der AMIA am Wochende bestätigt, das der Film zum Jahresende 2011 auf DVD und Blu-ray erscheinen wird, und zwar in einer internationalen Fassung mit wählbaren Zwischentiteln auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, ägyptischem Arabisch, Chinesisch und Thai – im Prinzip also so, wie es zu Zeiten des Stummfilms auch üblich war.  Alpha Omega hat nämlich nach dem Verlust des Produzenten zu Beginn der Restaurierungsarbeiten die ganze Produktion mit eigenen Mitteln finanziert und kann diese Fassung deshalb selbst vermarkten – zweifellos mit einem innovativen Konzept. Das ist besonders wichtig für deutsche Cineasten, die nun nicht mehr von der schwach entwickelten Filmkultur in diesem Land abhängig sind (Metropolis und Die Nibelungen sind hier bis heute nicht auf DVD und Blu-ray erschienen).

Nachtrag vom 9.9.2011: Alpha-Omega hat heute in einer Pressemitteilung bestätigt, dass die Blu-ray und die DVD des Film im Herbst 2011 erscheinen werden:

„Die BluRay und DVD Edition des restaurierten Films ist für Herbst 2011 geplant. Der Film wird mit bildfüllenden Zwischentiteln in den folgenden Sprachen erhältlich sein: englisch, deutsch, französisch, spanisch, italienisch, russisch, chinesisch, arabisch, thai und japanisch.
BluRay und DVD sind dann direkt über die ALPHA-OMEGA digital Website zu bestellen.“ (Pressemitteilung, 9. September 2011)


Albert Capellani

13. Juli 2011

Zwei DVD-Editionen mit restaurierten Filmen von Albert Capellani sind in diesem Jahr erschienen: in Frankreich bei Pathé  eine große 4-Disc-Ausgabe von fast 10 Stunden Länge mit einigen der ersten Langfilme der Filmgeschichte und in Italien bei der Cineteca di Bologna eine Sammlung ausschließlich mit Kurzfilmen, herausgegeben von Mariann Lewinsky.

Capellani war Leiter der Société Cinématographique des Auteurs et Gens de Lettres (S.C.A.G.L.), die ebenso wie die mehr theaterorientierte Gesellschaft „Film d‘ Art“ den Film zu einem bürgerlichen Kunstvergnügen machen wollte.

Inhalt „Coffret Albert Capellani“

4 adaptations de chefs-d’œuvre de la littérature française:
– L’Assomoir – 1908 (Durée : 35min46 – format : 1.33 – noir et blanc)
– Germinal – 1913 (Durée : 2h28 – format : 1.33 – copie teintée)
– Le Chevalier de Maison Rouge – 1914 (Durée : 1h48 – format : 1.33 – copie teintée)
– Quatre-Vingt-Treize – 1921 (Durée : 2h45 – format : 1.33 – copie teintée)

Les débuts de sa carrière : une sélection de 7 films courts
– Drame passionnel – 1906 (Durée : 6min35 – format 1.33 – copie teintée)
– Mortelle idylle – 1906 (Durée : 5min30 – format 1.33 – noir et blanc)
– Pauvre mère – 1906 (Durée : 5min55 – format 1.33 – noir et blanc)
– La fille du sonneur – 1906 (Durée : 10min04 – format 1.33 – copie teintée)
– La femme du lutteur – 1906 (Durée : 5min07 – format 1.33 – noir et blanc)
– L’âge du cœur – 1906 (Durée : 4min06 – format 1.33 – copie teintée)
– Aladin ou la lampe merveilleuse – 1906 (Durée : 13min20 – format : 1.33 – copie teintée et coloriée)

Un livret de 40 pages :
– Albert Capellani – La saga Capellani par Bernard Basset-Capellani
– Albert Capellani, cinéaste Pathé frères, 1906 par Richard Abel
– De Fort Lee 1905 à aujourd’hui par Pierre Rissient
– Les films Capellani de la collection Morieux par Stéphanie Salmon
– Notes sur la restauration, par Camille Blot-Wellens
– Une enfance au cinéma par Stéphanie Salmon

Inhalt „Cento anni fa. Albert Capellani. Un cinema di grandeur 1905-1911“

* L’Epouvante 1911 208m 10′ colour (tinting and toning) Star: Mistinguett
Le Pain des petits oiseaux 1911 240m 13′ BW Star: Napierkowska
* L’Intrigante 1911 162m 9′ COL teintage
Mariée du chateau maudit 1910 221m 12′ stencil
Evadé des Tuileries 1910 252m 14′ BW
La Mort du Duc d’Enghien 1909 270m 15′ bw
L’Arlésienne 1908 350m 20′ BW
L’Homme au gants blanc 1908 ca 200m 10′ BW (new restoration)
Samson 1908 300m 15′ stencil
Cendrillon 1907 295m 15′ teintage
* Amour d’Esclave 1907 203m 10′
Le Pied de Mouton 1907 275m 15′ colour (pochoir / stencil)
Les Deux soeurs 1907 200m 10′ bw
Loi du Pardon 1906
* Le Chemineau 1905 105m 6′ colour (toning)
Bonus: Illustrated Filmography of Albert Capellani
(films from the EYE collection with a (*).

Die Diskussion über die beiden Ausgaben kann man auf Nitratville verfolgen (Vielen Dank an Marshall Deutelbaum für den Hinweis)

 


Segundo de Chomon

30. Oktober 2010

Cameo in Spanien hat eine Edition mit Filmen von Segundo de Chomón veröffentlicht.  Segundo de Chomón, el cine de la fantasía enthält 31 restaurierte Filme dieses Sinnesverwandten von George Méliès, die er von 1903 bis 1912 gedreht hat. Dazu gibt das 112 seitige Beiheft „Segundo de Chomón. Más allá del cine de atracciones“ von Joan M. Minguet auf Englisch, Spanisch und Katalanisch.

Damit liegt zum ersten Mal eine umfassende Sammlung dieses bedeutenden Erfinders des phantastischen Films vor, wenn man einmal von schlechten Public Domain-Ausgaben absieht. Nur einzelne Titel wie „Le scarabée d’or“, „Ali Baba et les quarantes voleurs“ oder „Les roses magiques“ waren in verschiedenenen Samplern des frühen Films auf DVD erschienen.

Die Filmoteca de Catalunya in Barcelona hat nun diese Edition und ein neues Buch über De Chomón herausgebracht, das auch auf Englisch erscheinen wird. Beides trägt dazu bei, dieses fast vergessene Genie der frühen Filmkunst wiederzuentdecken. Seine Filme touren zur Zeit durch die Welt (New York Film Festival):

„Little discussed in film history or academic circles, Segundo is every bit the equal of the much-better-known Frenchman (creator of such canonized masterpieces as A TRIP TO THE MOON), and his extensive body of work is more diverse. Until now it has been difficult to see any representative survey of Chomón’s hundreds of films, many of which have been lost over the decades. It’s finally time for film audiences to embrace Segundo de Chomón alongside Méliès and others in the pantheon of early-cinema greats.“ (Anthology Film Archives)

Einen kleinen Eindruck seines Witzes bietet der Klassiker „Das elektrische Hotel“:


Underworld / Last Command / Docks of New York

11. August 2010

Diese DVD-Edition ist sicherlich einer der Höhepunkte des Jahres: 3 Silent Classics by Josef von Sternberg. Wie sehr haben viele nach diesen Filmen gesucht, um die sich in den vergangenen Jahrzehnten ein regelrechter Mythos gebildet hatte. Von Sternbergs „The Last Command“ und „The Docks of New York“ waren bisher nur auf VHS-Kassette  erhältlich, „Underworld“ blieb bisher völlig unzugänglich. Jetzt liegen sie in digital restaurierter Fassung vor. Ein Stück Filmgeschichte ist quasi aus dem Nichts wieder aufgetaucht.

Die Edition von Criterion bietet folgende Extras:

  • Six scores: by Robert Israel for all three films, Alloy Orchestra for Underworld and The Last Command;, and Donald Sosin and Joanna Seaton for The Docks of New York
  • Two new visual essays, one by UCLA film professor Janet Bergstrom [Underworld: How It Came to Be] and the other by film scholar Tag Gallagher [Von Sternberg Till ‘29]
  • Swedish television interview from 1968 with director Josef von Sternberg
  • PLUS: A ninety-six-page booklet featuring essays by Geoffrey O’Brien, Anton Kaes, and Luc Sante; notes on the scores by the composers; Ben Hecht’s original story for Underworld; and an excerpt from von Sternberg’s autobiography, Fun in a Chinese Laundry, on actor Emil Jannings (Criterion)

Wie bei kaum einer anderen DVD-Edition wird man diese Filme immer wieder sehen wollen, besonders „The Docks of New York“, der in seiner Schönheit „Sunrise“ durchaus gleichkommt:

„… von Sternberg’s unsentimental poetic realism ennobles his lower-class protagonists through beauty. Classic.“ (Ned Pinkerton: The Docks of New York at Film Forum. The Village Voice,  Mar 16 2010)

„As scholar Janet Bergstrom—our guest on February 8—has written, “Sternberg’s films cannot be appreciated—not really—unless they are projected onto the big screen. . . . [They] move you toward an unexpected, imaginary world built up through detail, with orchestrated light and shadow, movements in and out of visibility . . . making you want to see more.”“ (BAM /PFA Berkeley)

Man sollte diese Filme also mit einem Projektor auf einer Leinwand anschauen. Übrigens: Der Regisseur Josef von Sternberg war auch Mitglied des Verbands der Kameraleute, der A.S.C.