Raymond Bernard

28. September 2007

Eclipse Series 4: Raymond Bernard, die Edition der Criterion Collection in der Reihe Eclipse mit zwei Filmen von Raymond Bernard entpuppt sich immer mehr als Sensation, als Entdeckung eines großen, fast vergessenen Regisseurs. „Les Croix de Bois“ (Wooden Crosses, 1932) steht als Antikriegsfilm auf einer Stufe mit Milestones „All Quiet on the Western Front“ und das fast fünfstündige Epos „Les Miserables“ (mit Harry Baur und Charles Vanel, Musik Arthur Honnegger, 1934) gilt als beste Adaption des Romans von Victor Hugo – Kamera bei beiden Filmen Jules Kruger.

Als „Les Croix de Bois“ in den Räumen von Criterion gezeigt wurde, sprach sich das dort wie ein Lauffeuer herum. DVD Talk schreibt zu diesem Film:

„“From a moviemaking standpoint, the battles in Wooden Crosses are staged at a staggering scale. It’s hard not to be impressed by Bernard’s ability to capture the sheer terror and chaos of the attacks… In one important death scene, a dream of the soldier’s lover dancing turns into a cascade of coins that then morph into funeral wreaths. Is that what they are all fighting for? Ironically, one of the worst battles in the movie ends with the men being pushed into a cemetery, where a well-placed bomb could bury them all alive. No need for ceremony, no need for markers. This is the reality of death.“ (Jamie S. Rich)

Bertrand Tavernier feiert in seinem Blog besonders „Les Croix de Bois“:

„La copie est magnifique et rend justice à l’extraordinaire photographie de Kruger (c’est à lui qu’on doit PEPE LE MOKO, non ?). Il y a des plans inouïs et le film a une force, une émotion incroyables. Tout le passage de la mine que l’on creuse sous la tranchée, l’affrontement dans le cimetière, les attaques nocturnes figurent parmi les plus grandes scènes de guerre de l’histoire du cinéma. Film génial.“ (Bertrand Tavernier)

Advertisements

Blade af Satans bog

21. September 2007

Carl Theodor Dreyers Stummfilmklassiker „Blade af Satans bog“ ist in einer restaurierten Fassung vom Dänischen Filminstitut auf DVD herausgegeben worden. Der HD-Transfer von einem restaurierten Dup-Negativ ist Teil des Digitalisierungsprogramms des DFI von 2003-2006. Nach David Shepards Ausgabe von 2004 mit der Musik von Philip Carli (eine englischsprachige Exportfassung mit einer Laufzeit von 121 Min.) ist dies nun die gültige Fassung in einer herausragenden Qualität (Laufzeit 157 Min.; die DVD enthält auch ein alternatives „happy end“). Freigegeben wurde der Film 1921 von der dänischen Filmzensur mit einer Länge von 2.900 Metern, Nordisk gab für die Produktion damals 3.091 Meter an (Quelle). Bei angenommenen 18 Bildern/ Sek. dürfte mit dieser DVD also erstmals die vollständige Fassung vorliegen. Bei 16 Bildern/Sek. würde es sich allerdings um die Zensurfassung von 1921 handeln (siehe Filmcalculator).

Die DVD kann entweder beim DFI direkt oder in Deutschland bei der Edition Filmmuseum bestellt werden.


Filmrestaurierung

7. September 2007

Die Zeitschrift „Millimeter“ hat ein Schwerpunktheft zum Thema Filmrestaurierung herausgegeben. Die Ausgabe Juy/August 2007 bietet vier interessante Artikel zum Thema:

  • „Restoration Issues“, eine Diskussion mit Grover Crisp von Sony, Janice Simpson, von der Association of Moving Image Archivists und Andy Maltz, Direktor des Academy of Motion Picture Arts and Sciences‘ Science and Technology Council über die neue Bedeutung der Filmrestaurierung und ihr Verhältnis zur digitalen Bearbeitung.
  • Cinematic Blow-up“ von D. W. Leitner über die Restaurierung von 16mm-Filmen am Beispiel von „Berlin Alexanderplatz“ (Infos zur DVD-Ausgabe 1 ; 2 ; 3).

Nathalie Granger

6. September 2007

Blaq Out hat in dieser Woche „Nathalie Granger“ (1972) von Marguerite Duras mit Lucia Bosè, Jeanne Moreau und Gérard Depardieu veröffentlicht (NTSC, kein Regionalcode, englische Untertitel). Kein Unterhaltungsfilm, sondern ein Film über den Alltag, der eben deshalb kein Erzählkino sein kann:

„… Mit den Gesetzen des Erzählkinos konsequent brechend, erstellt die Dichterin Marguerite Duras eine anspruchsvolle „Chronik der Ereignislosigkeit“, in der das Vergehen von Zeit und die ewige Wiederkehr des Alltäglichen mit filmsprachlicher Prägnanz erfaßt werden.“ (Lexikon des internationalen Films)

Die Edition enthält außerdem auf einer 2. DVD ein Interview mit Geneviève Dufour, Benoit Jacquot und Luc Moullet über den Film „Nathalie Granger“, sowie einen Beitrag über die Filmarbeit von Marguerite Duras, „Marguerite Duras‘ Film Writing“, ein Interview mit Madeleine Borgomano).


Papirosnitsa ot Mosselproma

6. September 2007

Carlotta Films in Frankreich hat für November unter dem Titel “ La Vendeuse de cigarettes du Mosselprom“ den Stummfilm „Papirosnitsa ot Mosselproma“ (1924, Die Zigarettenverkäuferin bei Mosselprom) angekündigt. Die DVD erscheint in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque de Toulouse (Presseerklärung). Es handelt sich um die vom Labor L‘ Immagine Ritrovata restaurierte Fassung, die in enger Kooperation mit Gosfilmofond entstand und von der Fondation Groupama Gan pour le Cinéma gefördert wurde (über die Restaurierung).

Der heitere Film beschreibt das großstädtische Leben Moskaus, bevor das Land für Jahrzehnte im Stalinismus versank. Produziert wurde er von der privaten Gesellschaft Meschrapom, die Willi Münzenbergs Internationaler Arbeiterhilfe gehörte und die durch eine gewisse Unabhängigkeit künstlerisch interessante Filme unterstützen konnte, wie z.B. Protasanovs „Aelita“.

In westlichen Ländern war der Film bisher nur als VHS-Video von Kino lieferbar, das auf einer Restaurierung des Gorki-Studios, dem Rechtsnachfolger von Meschrapom, aus dem Jahr 1967 basierte.


Berlin Alexanderplatz 3

6. September 2007

Die Criterion Collection hat nun ihre Version von Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ angezeigt. Sie ist ab 13. November lieferbar. Das Besondere dieser Edition mit 7 DVD: Zum Vergleich gibt es auch die erste Verfilmung des Romans, „Berlin Alexanderplatz“ (1931) von Phil Jutzi mit Heinrich George in der Hauptrolle. Der Film war in den neunziger Jahren zunächst bei Taurus und dann bei Kinowelt als Videokassette erschienen und ist heute ein begehrtes Sammlerstück. Auf DVD war er in Deutschland bisher nicht lieferbar.

Criterion geht bei seiner Edition der Fassbinderserie von der Restaurierung der Fassbinder-Foundation und der Bavaria aus, die von Kameramann Xaver Schwarzenberger künstlerisch betreut worden ist (zum „Sturm im Wasserglas“ dazu siehe 1 ; 2). Das Master für die DVD-Produktion in den USA wurde allerdings bearbeitet:

„Berlin Alexanderplatz is presented in its original aspect ratio of 1.33:1. On widescreen televisions, black bars will appear on the left and right of the image to maintain the proper screen format. The picture has been slightly window-boxed to ensure that the maximum image is visible on all monitors. Director of photography Xaver Schwarzenberger supervised this new high-definition digital transfer, which was created on an Arriscan Film Scanner from a 16 mm A/B negative. Thousands of instances of dirt, debris, and scratches were removed using the MTI Digital Restoration System. To maintain optimal image quality through the compression process, the pictures on these dual-layer DVD-9s were encoded at the highest-possible bit rate for the quantity of material included.
Originally made for German television, Berlin Alexanderplatz was shot for the PAL video format, at 25 frames per second. This format is incompatible with the NTSC format used in the United States. In order to provide a frame-accurate progressive transfer, the film was scanned at 24 frames per second and therefore is four percent longer than the original broadcast.“ (CriterionDVD)

Die Box enthält die Dokumentationen von Hans-Dieter Hartl und Juliane Lorenz aus der deutschen Ausgabe, sowie ein neues Videointerview mit Peter Jelavich, Autor von „Berlin Alexanderplatz: Radio, Film, and the Death of Weimar Culture“ (Rezension).


Deutschland, bleiche Mutter

5. September 2007

„Deutschland, bleiche Mutter“, der Film von Helma Sanders-Brahms, ist in Deutschland nicht auf Video oder DVD erschienen. In den USA ist dagegen schon seit 2000 eine VHS-Kassette von Facets lieferbar. Wer diesen deutschen Film auf Video sehen will, muss also nach „Germany, Pale Mother“ suchen (VHS/NTSC, deutsch mit engl. Untertiteln).

Der Herausgeber des Videos, Milos Stehlik hat soeben in der Liste Videolib angekündigt, dass Facets eine DVD-Edition mit Filmen von Helma Sanders-Brahms vorbereitet. Sie soll 2008 erscheinen. In diesem Zusammenhang wird auch an einer digitalen Restaurierung von „Deutschland, bleiche Mutter“ gearbeitet. Die deutsche Filmkultur lebt – in den USA:

A beautiful, moving account of the filmmaker’s own childhood, made for her own daughter, which traces the history of Germany from an extremely personal, intimate point of view. The film begins on the eve of the German invasion of Poland, as a young woman sees her husband go off to the German army. She and her daughter struggle for survival during the war, only to face a husband who, when he returns, wreaks emotional havoc on the family. Brilliant performances from Eva Mattes, Ernst Jacobi and Elisabeth Stepanek. German with English subtitles.“ (Facets)

Nachtrag vom 9.2.2008: „Deutschland, bleiche Mutter“ (Germany Pale Mother) erscheint am 22.4.2008 in den USA auf DVD, digital restauriert .