Nationalarchiv verkauft über Amazon

31. Juli 2007

Wie die Washington Post heute unter der Überschrift „Amazon to Copy and Sell Archives‘ Footage“ meldet, wird amazon.com über seine Firma CustomFlix Filmmaterial des Nationalarchivs der USA, der National Archives and Records Administration (NARA), digitalisieren und auf DVD über seinen Mailorderservice anbieten:

„The National Archives and Records Administration announced yesterday that it has reached a non-exclusive agreement with Amazon.com and one of its subsidiaries to reproduce and sell to the public copies of thousands of historic films and videotapes in the Archives‘ holdings…

„Our initiative with CustomFlix Labs will reap major benefits for the public at large and for the National Archives,“ Allen Weinstein, archivist of the United States, said in a written statement. „While the public can come to our College Park, Md., research room to view films and even copy them at no charge, this new program will make our holdings much more accessible to millions of people who cannot travel to the Washington, D.C. area.“ (Michael E. Ruane, Washington Post)

Mehr Details in der Presseerklärung des NARA vom Montag: „Thousands of National Archives Films to Be Made Available Through CustomFlix Labs“. Die ersten 19 DVDs sind bereits bei amazon.com unter dem Stichwort National Archives gelistet.

Eine ähnliche Vereinbarung hatte CustomFlix bereits mit dem NBC News- Archiv getroffen.

Nachtrag vom 3.8.2007: Kritik an der Vereinbarung aus dem Blog Behind AotW: „Selling the Archives II“ (Hinweis aus Archivalia: „US: NARA deal with Amazon“).

Nachtrag vom 7.8.2007: Bericht von Barbara Quint zu dieser Vereinbarung des NARA mit Createspace (exCustomflix), „National Archives Partners With CreateSpace and Amazon to Digitize Movies“

Nachtrag vom 9.8.2007:  Rick Prelinger hat nachgefragt und den Vertragstext zwischen NARA und Amazon bekommen, einsehbar in seinem Weblog Blackoystercatcher. Andere Einrichtungen, z.B. in Deutschland sind in solchen Dingen ja weniger mitteilungsfreudig.


Alexander Revisited – The Final Cut

31. Juli 2007

Immer mehr Regisseure nutzen das Medium DVD, ihre Filme frei von den Zwängen einer internationalen Kinoverwertung nach eigenen Vorstellungen neu zu montieren. Nach Ridley Scott soll hier auch Oliver Stone in seinem Kampf um das Alexander-Projekt, das ihn zwanzig Jahre beschäftigt hat, gewürdigt werden. Auch „Alexander“ hat ähnlich viele Fassungen erlebt wie „Blade Runner“ . Derek Elley schreibt zu „Alexander Revisited – The Final Cut“:

“ Like a rich, fruity wine, Oliver Stone’s „Alexander“ just keeps on getting better with age. Two years after his director’s cut, Stone has been given an unprecedented third pass at the movie that’s obsessed him for two decades. As he himself says, after the breathing space of „World Trade Center,“ he revisited the material and excavated the picture that was always there.

If the 2004 theatrical „Alexander“ (175 minutes) was a rough but powerful brew uncorked in haste, and the 2005 director’s cut DVD (166 minutes) a much smoother ride, „Alexander Revisited: The Final Cut“ is the whole damned, magnificent vision — a 213-minute journey, complete with intermission, into the heart and soul of a culture and personality. With a freedom he’s never enjoyed, Stone has thrown everything into the pot and shaped it according to the dramatic requirements of the material, period.“ (Derek Elley, Variety)

Ob ein mißglückter Film damit gerettet werden konnte, kann jetzt jeder selbst beurteilen. Für eine 35mm-Filmkopie zur Kinovorführung haben seine finanziellen Mittel nicht mehr gereicht, aber Oliver Stone konnte jetzt seine Vision des Film auf DVD zur Diskussion stellen:

„Those of you who liked the first Alexander, I think will like this one even more. And those of you who hated ist, I think you’re going to hate it even more!“ (Oliver Stone in : Cineaste, Vol. 32, No.3, p. 85)


Century of Sound

30. Juli 2007

Die Rick Chase Foundation in den USA bietet die erste DVD einer dreiteiligen Reihe über den Ton im Film für nichtgewerbliche Bildungseinrichtungen kostenlos an. „A Century of Sound – The History of Sound in Motion Pictures, 1877-1932“ beginnt mit der Erfindung des Phonographen und demonstriert die Entwicklung an Beispielen bis zur endgültigen Etablierung des Tonfilms im Jahr 1932 – präsentiert von Robert Gitt, dem Chefrestaurator des UCLA Film and Television Archive, auf einer DVD mit zahlreichen interaktiven Möglichkeiten (Details siehe hier):

„A Century Of Sound – The History of Sound in Motion Pictures –The Beginning: 1876 – 1932 is Part 1 of an educational DVD series featuring world-renowned preservationist Robert Gitt – Preservation Officer, UCLA Film & Television Archive. First presented in 1992 and at special events thereafter, A Century of Sound is a „tour de force“ in its collection of unique and memorable films documenting the introduction of sound for motion pictures.“


Ingmar Bergman

30. Juli 2007

Ingmar Bergman ist tot. Er ist heute in seinem Haus auf Fårö gestorben:

„We live our simple daily lives. And then some terrible piece of information forces itself into our secure, safe world. It’s more than we can bear. The whole state of affairs is so overwhelming, God becomes so remote.“Tomas (Gunnar Björnstrand) in Winter Light (1963) (Ingmar Bergman Face to Face)

Sein Archiv ist als Teil des Weltkulturerbes im „Memory of the World“-Register der UNESCO verzeichnet (Bericht). Wer sein Werk kennenlernen will, dem sei die Edition „The Complete Bergman Film Library“ von Tartan Video mit 30 seiner Filme empfohlen; außerdem die von MGM vertriebenen Titel in der „Ingmar Bergman Collection“, sowie vor allem die Editionen der Criterion Collection: das „Fanny and Alexander Five Disc Box Set“ und 11 weitere , sorgfältig restaurierte Filme. Auf Deutsch erhältlich ist der größte Teil seiner Filme bei Kinowelt, u.a. die „Ingmar Bergman Edition“ mit 9 Filmen und der Dokumentation „Ingmar Bergman – Über Leben und Werk“, ein Film aus einem dreitägigen Interview, das sein Freund, der Regisseur Jörn Donner, vor 10 Jahren mit ihm geführt hat:

„Der finnische Regisseur, Produzent und Autor Donner spricht ausführlich mit dem Altmeister des schwedischen Films über Leben und Arbeit, Frauen und die Liebe, Philosophie und Alltag. Entstanden ist ein außergewöhnliches und sehr persönliches Porträt von Ingmar Bergman, das interessante Einblicke in das Leben vom Meister des psychologischen Dramas gewährt.“ (Kinowelt)

Eine weitere Dokumentation über Ingmar Bergman: „3 Dokumentärer om film, teater, Fårö och livet a Marie Nyreröd“ (Bergman Complete), die einen umfassenden Einblick in sein Lebenswerk, nicht nur die Filmarbeit, gibt (Schweden 2004, engl. Untertitel, lieferbar hier):

„Ingmar Bergman lays his soul on the line in „Bergman Complete,“ Marie Nyreroed’s gentle, intimate and thorough three-part doc. Made with the support of Swedish Television (which aired it locally in 2004) and at times, it seems, with Bergman’s co-direction, the three-parter is a dream for lovers of his work.“ (Robert Koehler, Variety) (Fotos aus dem Film)

Nachtrag vom 8.8.2007: Wie die Liste der Theatre Library Association gestern meldete, ist das Archiv von Ingmar Bergman (s.o.) bedroht, da die finanziellen Mittel zur Digitalisierung des prekären Schriftguts fehlen. Quelle ist eine Meldung von Variety.com.


Top 100 Silent Era Films

27. Juli 2007

Silent Era hat seine Liste mit den Top 100 Silent Era Films aktualisiert. Alle Filmen werden ausführlich gewürdigt und für fast jedem Titel gibt es einen Link zu empfehlenswerten DVD-Ausgaben, die miteinander verglichen werden:

What are the 100 best silent era films? We couldn’t help asking that question, because we love silent films and because we are insatiable list makers. However, an effort to produce a definitive list is hampered considerably by the fact that most of the films made in the silent era have been lost to decomposition and willing destruction. It is our opinion, however, that most of the truly great films have survived due to their timeless popularity and enduring value.“

Jede/r kann sich an der Zusammenstellung der Liste beteiligen. Auf jeden Fall bietet sie einen guten Einstieg für alle, die den Stummfilm kennenlernen wollen.


Krzysztof Kieślowski on DVD

27. Juli 2007

Michael Brookie hat in seinem Kinoblog zum osteuropäischen Film eine detaillierte Übersicht aller Filme von Krzysztof Kieślowski zusammengestellt, die auf DVD mit englischen Untertiteln erschienen sind. Die Ausbeute ist beträchtlich:

„The very welcome arrival of PWA’s DVD survey of Krzysztof Kieślowski documentaries earlier today made me realise that of all Polish filmmakers, his output is probably the best represented on English-friendly DVD.“ (Michael Brookie)

Selten lässt sich das Werk eines Regisseurs so umfassend auf DVD repräsentieren.


Blade Runner: The Final Cut

27. Juli 2007

Warner hat gestern auf der Comic-Con in San Diego die Einzelheiten für die schon lange erwartetete Neuauflage des Science Fiction-Klassikers „Blade Runner“ bekannt gegeben (Presseerklärung). Mit drei verschiedenen Ausgaben handelt es sich um ein editorisches Großunternehmen, das seinesgleichen sucht.

Dabei wird die „Ultimate Collectors Edition“ fünf verschiedenen Fassungen des Films aus seiner 25 jährigen Aufführungsgeschichte enthalten (Details aus IMDb), die Arbeitskopie, die US-Kinofassung und die internationale Kinofassung, beide von 1982, den sog. „Director’s Cut“ von 1992 und den neuen „Final Cut“ von Ridley Scott, der im Oktober 2007 in New York und Los Angeles seine Kinopremiere haben wird. Auch eine Hi Def-Version auf der Basis eines Masters mit 4K-Abtastung (4.096 × 2.048 Bildpunkte) wird es geben (in HD-DVD und Blu Ray).

Auf DVD war bisher nur der sog. „Director’s Cut“ von 1992 erhältlich, als frühe Ausgabe von 1999 zur Anfangszeit der DVD in einer mangelhaften Fassung und 2006 in einer restaurierten Fassung (Vergleich). Als Videokassette und Laserdisc gab es bis 1992 die internationale Kinofassung von 1982, nach 1992 nur den erwähnten „Director’s Cut“. 1987 brachte die Laserdisc-Fassung der Criterion Collection den Durchbruch für das Widescreenformat im Home-Video-Bereich (Pan Scan war seitdem verpönt).

Zahlreihe Arbeitsmaterialien, Beigaben und Dokumentationen werden den Film in seinen verschiedenen Fassungen ergänzen, darunter ein Audiokommentar zum „Final Cut“ von Ridley Scott selbst und eine Dokumentation vom König des Bonusfilms, Charles de Lauzirika, der dieses neue Genre entscheidend mitgeprägt hat. Charles de Lauzirika hat für DVD-Editionen wie Alien Quadrilogy, Kingdom of Heaven, Gladiator (2000 film), Black Hawk Down und für Regisseure wie Ridley Scott, Sam Raimi, James Cameron, the Coen Brothers, David Fincher, Robert Rodriguez, Steven Spielberg, John Badham, Jean-Pierre Jeunet, Mark Romanek und Tony Scott gearbeitet (siehe über seine Arbeit 1 ; 2 ; 3 ; 4 ).

Insgesamt eine materialreiche Studienfassung zu einem Film, der neben Fritz Langs „Metropolis“ zu den bedeutendsten im Science Fiction-Genre zählt.

(Fotos aus der Presseerklärung vom 26.7.2007, Comic-Con, San Diego, c Warner Home Video, a Warner Bros. Entertainment Company)

Nachtrag vom 7.9.2007: Exclusive: The Real Deal“ von Darroch Greer über die Restaurierung von “Blade Runner” aus der Zeitschrift „Millimeter“, July/August 2007.

Nachtrag vom 1.10.2007: A Cult Classic Restored, Again von Fred Kaplan (New York Times vom 30.9.2007).