Manoel de Oliveira – 100 anos

28. November 2008

Wie die DVDBeaver-Liste soeben meldet, ist heute in Portugal zum 100. Geburtstag von Manoel de Oliveira am 11. Dezember dieses Jahres eine DVD-Edition mit 21 seiner Filme erschienen, die er von 1986 bis 2007 gedreht hat. Damit liegt das Gesamtwerk seiner langen Spielfilme aus den letzten 20 Jahren auf DVD vor. Alle Materialien in dieser Box haben englische Untertitel. Neben zahlreichen Beigaben und Interviews sind auch zwei Dokumentarfilme von Gilles Jacob und Sérgio enthalten. Bestellt werden kann die Colecção Manoel Oliveira „Manoel de Oliveira – 100 anos“ mit ihren insgesamt 22 Discs bei FNAC Portugal.

Advertisements

Kunst der Vermittlung: Filmvermittlung und DVD

25. November 2008

Am Freitag dieser Woche (28.11., 19 Uhr, Kino 2) findet im Berliner Kino ARSENAL eine spannende Veranstaltung statt. Es geht um das neue Medium DVD, das in 10 Jahren nicht nur die Filmkultur umgewälzt, sondern auch einem bisher wenig beachteten Genre zum Aufschwung verholfen hat: dem filmvermittelnden Film, der mit filmischen Mitteln über andere Filme „spricht“.

Die DVD mit ihren typischen Extras hat dieses Genre nicht nur aus der Versenkung der Archive geholt und ihm zu einer weiten Verbreitung verholfen, sie ist mit ihren technischen Möglichkeiten, Audiokommentare, Storyboards oder Filmszenen mit dem eigentlichen Film direkt zu verknüpfen, selbst ein filmvermittelndes Medium.

Den filmvermittelnden Film systematisch als Genre zu betrachten und zu analysieren ist das Verdienst der Gruppe Entuziazm (Michael Baute, Stefan Pethke, Stefanie Schlüter, Volker Pantenburg und Erik Stein), die dafür ein umfangreiches Projekt mit 13 Veranstaltungen in verschiedenen Städten Deutschlands und Österreichs aufgelegt hat. Am Freitag widmet sich Kunst der Vermittlung – Aus den Archiven des filmvermittelnden Films der DVD:

„Filmvermittelnde Filme findet man unter anderem als Bonus auf DVDs. Die Formen dieser Arbeiten haben eine große Bandbreite – Kinotrailer, Making-Ofs, Essays und Analysen zu Regisseuren, Filmen, Genres. Oft werden dafür vorhandene Filme verwendet, teilweise neue Aufträge vergeben.

Im Programm mit Christiane Habich, seit 1999 DVD Research Manager bei »Kinowelt Home Entertainment« – einem der größten deutschen Anbieter von DVDs –, werden drei Bonusmaterial-Filme gezeigt, in denen sich genuine Autorenpositionen zu Filmklassikern artikulieren.

Christiane Habichs und Reinhard Wulfs Film zu Carl Theodor Dreyers »Gertrud« (DVD) ist 1993 für das »Kinomagazin« von 3sat hergestellt worden. Der Film erläutert Entstehungsgeschichte und ästhetische Bedeutung des Klassikers »Gertrud« (Dänemark 1964) – Gespräche mit am Film Beteiligten, Erinnerungen, analysierende Passagen. Dabei entsteht auch das Charakterbild eines großen und eigenwilligen Filmemachers.

Tag Gallaghers Video-Essay von 2006 über »Il Messia« (Italien 1975) ist eigens für die DVD-Edition von Roberto Rossellinis letztem Film erstellt worden. Der Bonus-Film ist ein kenntnisreicher und frei gestalteter Kommentar über Entstehungsgeschichte, Hintergründe und Besonderheit von Rossellinis Film. Gallaghers Montage erarbeitet mit Wiederholungen, Reihungen und überraschenden Eingriffen eine neue künstlerische Analyseform.

Winfried Günthers 2005 als Bonusmaterial der Kinowelt-DVD von Raoul Walshs Noir-Western »Pursued« (USA 1947) produzierter Essay arbeitet die besondere Klarheit von Walshs Inszenierungsstil durch Beobachtungen, Reihungen und Kommentierungen heraus. Im gegenüberstellenden Vergleich mit der Inszenierungsweise eines anderen Regisseurs des klassischen Hollywood, John Ford, wird so bspw. der spezifische Umgang Walshs mit Naturszenarien deutlich.“ ( Entuziasm)

Danach diskutieren Stefan Pethke und Michael Baute mit Christiane Habich von Kinowelt, wo mit Arthaus Premium eine ehrgeizige Reihe erscheint, die sich an den cineastischen Qualitätsmaßstäben der Criterion Collection orientiert.


Eisensteins Streik in neuer Ausgabe

11. November 2008

Die Cinémathèque de Toulouse hat in ihrer DVD-Reihe nach „La vendeuse de cigarettes du Mosselprom“ et „Verdun, visions d’histoire“ eine neue Restaurierung von Eisensteins Stummfilmklassiker „Streik“ herausgebracht.

Bisher galt die von David Shepard restaurierte Fassung von 94 Minuten Laufzeit mit der Musik des Alloy Orchestra und einem Kommentar des russischen Filmhistorikers Yuri Tsivian als die beste Version auf DVD. Grundlage war ein Interpositiv vom Kameranegativ, wobei die NTSC-Ausgabe aus den USA von Image Entertainment der britischen PAL-Version vorzuziehen war (ein Vergleich der amerikanischen und britischen Ausgabe siehe bei DVDBeaver).

Die Cinémathèque de Toulouse und Gosfilmofond bieten nun mit „La Grève“ eine weitere Restaurierung in einer etwas kürzeren Fassung von 88 Minuten mit einer neuen Musikeinspielung von Pierre Jodlowski („une composition électroacoustique“Details). Diese Musik dürfte das eigentlich Faszinierende dieser Neuausgabe sein. (Test dieser DVD)


Studio One Anthology

10. November 2008

Die amerikanische Academy of Television Arts & Sciences Foundation, die auch den renommierten Fernsehpreis EMMY verleiht, hat mit ihrem Archive of American Television eine DVD-Reihe gestartet. Die erste Ausgabe von „Archive of American Television Presents“ ist der Sendereihe „Studio One“ gewidmet. Die Edition Studio One Anthology“ enthält 17 Folgen aus der Zeit des frühen Live-Fernsehens, darunter auch die verschollene, erst 2003 wiederentdeckte Episode „Twelve Angry Men“, die die Vorlage für den klassischen Kinofilm von Sidney Lumet bildete:

„All the episodes included in the stunning STUDIO ONE ANTHOLOGY have been produced from kinescopes – film recorded off of the television monitors before the advent of commercial videotape. Many kinescopes from the period, however, have been lost or are irreparable. Luckily, in 1997, during the demolition of the former Westinghouse (the sponsor for „Studio One“) factory in Mansfield, Ohio, a foreman came across rotting boxes in a shed. While his instructions were to throw away all materials, he noticed the CBS logo and initiated a process that resulted in the discovery and preservation of hundreds of hours of film, which were thought to have been lost forever.

One of the most exciting inclusions in the STUDIO ONE ANTHOLOGY, Reginald Rose’s historic „Twelve Angry Men,“ was only recently found in a private collection. The complete program was thought to have been lost for many years. Then in 2003, a filmmaker, who was working on a documentary about noted defense attorney Samuel Leibowitz, found a kinescope copy in the Leibowitz archives. Having a profound interest in legal issues, the attorney requested and received „Twelve Angry Men“ directly from CBS shortly after it aired.“ (Archive of American Television)

Die DVD ist ab morgen in den USA lieferbar. Im nächsten Jahr sind weitere Folgen geplant, u.a. Budd Schulberg’s What Makes Sammy Run?.


Cahiers du Cinéma – Spécial DVD

10. November 2008

Wie schon zu den letzten Jahrensenden üblich haben die Cahiers du Cinéma wieder ein Schwerpunktheft zum Thema DVD herausgebracht. Cahiers du Cinéma Numéro 639 – Spécial DVD bietet neben einem Sachstandsbericht von Jean-Michel Frodon zum französischen DVD-Markt und einem Interview mit Vincent Paul-Boncour von Carlotta Films 7 ausführliche und 19 kürzere Kritiken von DVD-Editionen. Im Mittelpunkt steht die hier schon erwähnte Gesamtausgabe der Filme von Jacques Demy, dessen Film „Peau d’âne“ auch das Cover ziert:

L’intégrale de Jacques Demy par Hervé Aubron 16 (alle Filme mit engl. Untertiteln)
Coffret Rozier par Vincent Malausa 20 (alle Filme mit engl. Untertiteln)
Séquence : Liaisons secrètes de Richard Quine par Stéphane Delorme 22
Coffrets Wenders et Jamursch par Thierry Méranger 24

Vanishing de George Sluizer par S.Delorme 26
Un Américain à Paris de Vincente Minnelli (US-Ausgabe) par B.Krohn 28

Notes sur d’autres DVD:

500 Nations (Jack Leustig, Kevin Costner)
L’Acteur au cinéma (Alain Bergala)
Appelez-moi madame (Francoise Romand)
A Bigger Splash (Jack Hazan)
Black Christmas (Bob Clark)
Meurtre au 43eme étage – Someone’s watching me (John Carpenter)
Indiana Jones… (Steven Spielberg)
Le Malin – Wise Blood et Au-dessous du volcan – Under the Volcano (John Huston)
The Mist (Franck Darabont)
Les Onze fioretti de Francois d’Assise – Francesco, giulliare di dio (Roberto Rosselini)
L’Orphelinat (Juan Antonio Bayona) -Spanien: El Orfanato (2 Discs; mit engl. Untertiteln)
Que le meilleur l’emporte – The Best Man (Franklin J. Schaffner)
Child of Divorce, Armed Car Robbery, L’Énigme du Chicago Express – The Narrow Margin (Coffret Richard Fleischer)
Les Aventures de Goopy & Bagha (Satyajit Ray)
Films muet suédois (Stiller, Sjöström, Christensen)
Traité de bave et d’eternité (Isodore Isou)
Vampyr (Carl Th. Dreyer) (Masters of Cinema)
Verboten! (Samuel Fuller)

Nach 10 Jahren DVD zieht Jean Michel Frodon in seinem Leitartikel „Après le triomphe“ Bilanz. Trotz rückläufiger Verkaufszahlen und neuer Vertriebskanäle für Filme in Frankreich sieht er die DVD auch zukünftig als Rückgrat für die Filmkultur. Nur DVD-Editionen erlauben es dem Cineasten, Filme zu besitzen, um sie intensiv zu studieren. Das Medium DVD mit seinen zahlreichen Zusatzfunktionen bleibt für anspruchsvolle Filmausgaben deshalb unersetzbar:

“ Il est certain en revanche que l’édition DVD reste une nécessité, avec possiblement un bel avenir au moins pour les offres de grande qualité. Cet avenir passe par des mutations qui comportent aussi bien la mise à disposition la plus large possible du patrimoine, un travail éditorial haut de gamme au service des films de référence, l’invention de microfilières adaptées à la diffusion de films particulièrement exigeants. (Jean-Michel Frodon)


Jonathan Rosenbaum empfiehlt DVD-Single Discs

4. November 2008

Jonathan Rosenbaum, Filmkritiker des Chicago Reader im Ruhestand mit eigenem Blog, hat wieder eine seiner Empfehlungslisten für DVDs des weltweiten DVD-Markts zusammengestellt, die wir hier schon einmal vorgestellt hatten. Diesmal enthält die Fortsetzung My Dozen Favorite Non-Region-1 Single Disc DVDs 12 ungewöhnliche Tipps für Einzeldiscs.

Herausragt besonders „Onde Jaz O Teu Sorriso?“, ein Textbuch des Films Où gît votre sourire enfoui? mit der DVD des Films selbst, den Pedro Costa über Danièle Huillet and Jean-Marie Straub bei ihrer Montagearbeit an „Sicilia“ gemacht hat:

„Like Costa himself, this quarrelsome, loving, eccentric couple are avant-gardists with an unusually keen understanding of so-called classical cinema (Chaplin, Ford, Hawks, Mizoguchi, Ozu), and this becomes highlighted in Straub’s wonderful, cantankerous monologues, Huillet’s precise cuts (which we observe in detail while she and Straub are arguing over them), and Costa’s beautiful way of capturing them both. Australian film critic Adrian Martin calls this “probably the best documentary of any kind I have ever seen”; it’s certainly the best film ever made about editing. “ (Jonathan Rosenbaum)


Makibefo

4. November 2008

In der heute erschienenen Ausgabe des Film-Dienst wird „Makibefo“ besprochen, eine Verfilmung des Shakespeare-Dramas „MacBeth“. Alexander Abela und der dänische Toningenieur Jeppe Jungersen haben diesen Film ganz allein im Süden von Madagaskar mit Laiendarstellern von der Insel gedreht, weitgehend nach dem Originaltext in einer asketischen, auf das wesentliche reduzierten Erzählweise:

„Hier ist es der Krieger Makibefo, dem ein Schamane das Königszeichen auf die Stirn malt und der deshalb und auf Drängen seiner Frau hin den großherzigen König Danikany erdolcht. Und da das Blut nun einmal an ihren Händen klebt, muss das Morden weitergehen, um verräterische Spuren und etwaige Zeugen zu entfernen.

Trotz oder gerade weil Filmemacher Abela bei seinem Langfilmdebüt nur ein geringes Budget und begrenzte technische Mittel zur Verfügung standen – er und sein Toningenieur bildeten die gesamte Filmcrew, die beeindruckenden Laiendarsteller rekrutierte er aus einer abgeschiedenen Siedlung der madagassischen Volksgruppe der Antandroy –, wirkt dieses Morden besonders effektvoll, besonders brutal und sinnlos: Zu sehen sind niedersausende Speere, zu hören der sanft-regelmäßige Wellenschlag des Meeres und dazu das Geräusch von Metall, das in Fleisch schneidet. Die kontrastreichen Bilder vereinzelter dunkler Körper vor der schier unendlichen weißen Weite dieses Fleckchens Erde „am Ende der Welt“ und die auf wenige elementare Laute – Atem, Tod, Wasser, Wind – sowie einige traditionelle Gesänge reduzierte Tonspur ergänzen sich auf kongeniale Weise; sie erzählen von der Einsamkeit des Menschen gegenüber seinem Schicksal, vor allem aber angesichts der eigenen Machtgier und Herrschsucht.“ (Katharina Zeckau: Zweimal MacBeth aus Übersee. Film-Dienst 2008, Heft 23)

Herausgeber der DVD ist Scoville Film in Berlin, wo man sie auch direkt bestellen kann. „Makibefo“ soll der erste Titel einer ganzen Reihe sein:

„Am 18. Juli 2008 hat Scoville Film seine etwas ‘andere’ DVD-Edition gestartet mit außergewöhnlichen Shakespeare-Verfilmungen die abseits des Mainstreams entstanden sind. Den Anfang macht der Film Makibefo, eine Macbeth-Bearbeitung aus Madagaskar von Alexander Abela. Schauen Sie einfach in unserem Online Shop vorbei!“ (Scoville Film) – siehe auch Shakesper.