Online bleibt Nischengeschäft

16. Februar 2008


Auf einem Diskussionsforum (EFM Industry Debates 2008) der Arts Alliance Media auf dem European Film Market der Berlinale, gab es interessante Informationen, die so gar nicht zur Euphorie der Paradigmenwechsler passen:

„- HP: … why the company shut Wal-Mart’s (NYSE: WMT) movie download store in December after 10 months. Short version – it wasn’t making enough money and Apple (NSDQ: AAPL) was too strong. Long version: “HP is a very large company. If HP engages in something and it doesn’t turn a revenue within a certain timeframe of at least a billion then it’s peanuts for us to try to manage it. That’s the unfortunate situation in very large corporations and the business with Wal-Mart was definitely not anywhere near the size that we at that point believed we were at the right time in the market.

“So it has a lot to do about how big is that market being hyped by visionaries, by people that say words like ‘paradigm-shift’? And how big is that market actually today, taken existing competition? Obviously Apple being a formiddable (competitor).” Since Heinze said HP, in deciding to enter the business, had to pick Wal-Mart because it was “the gorilla in the room”. Instead, he spoke with intense admiration for iTunes.

Cinetic: So how quickly are movie studios factoring in VOD and online distribution rights? “They’re just starting to,” said Nathan, who, as helps producers cut such deals. “The pressure is just starting to build. It’s not there as a matter of current revenues or near revenues.” (Robert Andrews: „@ Berlinale: HP/Wal-Mart Movie Income ‘Peanuts’, Netflix Staying At Home“) – Hinweis aus AMIA-L

Die DVD bleibt also das Filmmedium der 1. Wahl. In keinem anderen Format gibt es für den einzelnen Zuschauer eine so große Filmauswahl, und zwar weltweit, unabhängig von regionalen Rechten, Sendern und Netzen. Und das Internet sorgt für die Transparenz dieses Angebots – überall (vielleicht außer in China und Kuba).


Onlinefilm eröffnet

14. Februar 2008

Onlinefilm hat sein Portal für Dokumentarfilme, über das wir hier schon berichtet hatten, jetzt auf der Berlinale vorgestellt und eröffnet. Die Aktionäre der Gesellschaft sind Mitglieder des Dokumentarfilmerverbands AGDOK. Die ersten 60 Filme sind bereits online und können für wenige Euro heruntergeladen werden.

Mehr Hintergrundinformationen in diesem Interview des Initiators C. Cay Wesnigk mit dem Dokumentarfilmzeitschrift DOX (Issue #69 2/2007).


Hätte ich das Kino 2.0

14. Februar 2008

Auf der Berlinale wird viel über die Zukunft des Kinos diskutiert. Jetzt hat dort der Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher (VdF), Johannes Klingsporn die staatliche Subventionierung der Digitalisierung aller festen Filmtheater in Deutschland angekündigt. Dafür wurde ein Memorandum vorgelegt.

„Digitalisierung als einzigartige Chance der Kinowirtschaft“

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Invisible City

13. Februar 2008

„Invisible City“ ist ein archäologischer Film über die Erinnerungsarbeit an der Stadt Singapur.

„Erinnerungen werden am besten wachgerufen, wenn man sich am Ort des Geschehens befindet“, sagt ein junger Mann in Tan Pin Pins Invisible City. Was aber, wenn der Ort sich noch schneller verwandelt, als das Gedächtnis verblasst? Seit Singapur 1965 ein unabhängiger Staat wurde, hat es sich in rasantem Tempo verändert. Der „Sprung aus der Dritten in die Erste Welt“ hat das Alte nicht nur faktisch verschwinden lassen. Die Gegenwart übertüncht die Vergangenheit auch in der Erinnerung. Sie zurückzuholen, gleicht einer archäologischen Sisyphusarbeit. (Christoph Terhechte)

Der Film von Pin Tan Tan erscheint demnächst auf DVD. Der Termin dafür steht zwar noch nicht fest, aber im Blog zum Film kann man sich für eine Benachrichtigung eintragen lassen. Vertrieben wird die DVD von Objective Films in Singapur. Dort ist auch ihr erster Film über Singapur, „Singapore GaGa“ auf DVD bestellbar.

Ausführliche Informationen im Berlinale-Katalogblatt (pdf); Kritik in Variety


The Exiles

12. Februar 2008

Milestone Films wird „The Exiles“ im Dezember 2008 auf DVD herausbringen. Geplant ist wieder eine mit gewohnter Sorgfalt zusammengestellte Edition u.a. mit zwei Kurzfilmen des Regisseurs, „Bunker Hill“ von 1956 über das Viertel, in dem „The Exiles“ gedreht wurde, und „A Skill for Molina“ (1960) – also eine ebenso herausragende DVD-Ausgabe wie die von „My Brother’s Wedding“ (DVD), über die wir hier schon berichtet haben und der ebenfalls auf der diesjährigen Berlinale läuft.

Der vergessene Schwarzweiß-Film „The Exiles“ von 1961 ist einer der Höhepunkte der Berlinale:

„Der Film zeigt eine Nacht im Leben amerikanischer Ureinwohner, die aus den Reservaten nach Los Angeles gezogen sind. Gedreht in Bunker Hill, einem mittlerweile dem Erdboden gleichgemachten Viertel von L. A., strukturiert durch Interviews mit der Besetzung, die aus Amateuren besteht, beeindruckt „The Exiles“ immer noch. Der Film wurde oft mit Arbeiten von John Cassavetes verglichen, aber Mackenzies Leistung ist einzigartig, dank einer poetischen und intelligenten Mischung aus Dokumentation und Fiktion. Die Art und Weise, wie „The Exiles“ Ort und Zeit einfängt, ist denkwürdig. Es mag durchaus sein, dass Mackenzie mit diesem Film die moderne Dokufiktion begründet hat.“ (Mark Peranson, TAZ: Chritic’s Choice)

Der Film wurde von Ross Lipman vom UCLA Film & Television Archive zusammen mit den Kameramännern John Morrill und Erik Daarstad restauriert, u.a. die Nachtszenen und der Soundtrack mit der Rockgruppe „The Revels“. „The Exiles“ könnte sich durchaus als ein Meilenstein in der Geschichte des Dokumentarfilms herausstellen:

„The film’s importance of in terms of cinema history and Native American literature cannot be underestimated. Its first-ever theatrical release in 2008 will be a revelation to theatrical audiences around the world and an inspiration to filmmakers for years to come.“ (Amy Heller von Milestone Films zitiert nach Emanuel Levy Blog)

„Mackenzie lived only long enough to make one other feature, but this film’s lower-case urban poetry suggests a major talent… It can hold its own next to John Cassavetes‘ Shadows, which came out a year earlier….It has beautiful high-contrast black-and-white photography, a dense and highly creative sound track, and moving portraits, and it’s refreshingly free of cliches and platitudes — all the makings of an instant classic.“ — Jonathan Rosenbaum, Chicago Reader (Milestone Films)

Ausführliche Informationen zur Geschichte des Films im Katalogblatt der Berlinale (pdf).


Der Italiener

12. Februar 2008

Ende Februar erscheint wieder ein Kinderfilm in der Reihe „Berlinale Generation“, über die wir hier schon berichtet hatten. „Der Italiener“ (Italianetz) ist ein anrührender, zum Teil aber auch recht schonungsloser Film über die Odyssee eines russischen Waisenjungen auf der Suche nach seiner Mutter. Der Film lebt vom Spiel des kleinen Hauptdarstellers:

„A six-year-old orphan is bent on finding his mother in this Dickensian tale from Russian director Andrei Kravchuk. Vanya is much less a victim than the likes of Oliver Twist though, devising a plan that takes him far from the world he knows. The little tyke is played by Kolya Spiridonov, ably carrying the film on his tiny shoulders with a subdued but unrelenting spirit. Even when Kravchuck lets the story drift, the boy is a solid anchor.“ (Stella Papamichael, BBC Movies)

„Andrei Kravchuk’s direction in this his feature debut is focused and sensitive, always allowing us to make our own assessments and judgements of the characters and their actions. There are some exceptionally moving scenes as well as moments of insight into contemporary Russia, making The Italian a wonderfully complex film with plenty of tension and plenty of heart.

All the support roles are given their due importance as the story twists and turns in unexpected directions, while Aleksandr Burov’s cinematography is outstanding. The Italian won the international film critics prize at the European Cinema Festival (2005) and the Crystal Bear in Berlin (2005), before its Australian screening at the Russian Film Festival in September 2006.“ (Urban Cinefile)

So hat auch die Berlinale ihre DVD-Reihe, wie es bei anderen Festivals z.B. in Rotterdam mit seinen Tiger Awards auf DVD üblich ist. Am 29. Februar erscheint die Berlinale Generation Box mit allen bisher auf DVD veröffentlichten Filmen der Reihe. „Der Italiener“ ist im Berlinale-Shop schon jetzt per Mailorder erhältlich.

Aktueller Nachtrag: „Berlinale setzt DVD-Reihe mit Kinder- und Jugendfilmen fort“:

„Vorgesehen ist, dass jährlich sechs bis acht Filme früherer Sektionsprogramme in der Edition erscheinen. Jede DVD enthält ein ausführliches Beiheft, das den Film aus Sicht von Kindern und Jugendlichen ergänzt. Alle Texte wurden redaktionell zusammengestellt und geschrieben von den «Jungen Journalisten», dem gleichnamigen Internetprojekt der Berlinale.“ (ddp über Freie Presse)

Nachtrag vom 6.3.2008: Leider enthält die DVD nur den russischen Ton mit deutschen Untertiteln, wie Cinefacts meldet.


Luis Bunuel: Mexico

9. Februar 2008

Anlässlich der Retrospektive der Berlinale zu Luis Buñuel (Pressemitteilung) weist Arnold Hohmann in „Männer und Frauen an den Abgründen der Leidenschaft“ auf die DVD-Edition Mexico des Labels PIERROT LE FOU mit einer Filmauswahl aus seiner mexikanischen Periode hin. Die Vergessenen / Susanna – Tochter des Lasters / Er / Abgründe der Leidenschaft / Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz, alle diese Filme gehören heute zu den Klassikern. „Er“ war sein Lieblingsfilm.

„Alle Filme liegen mit restauriertem Bild- und Tonmaterial vor und werden in ihren spanischen Originalfassungen mit deutschen Untertiteln präsentiert. Abgerundet wird die Edition durch eine ausführliche Dokumentation über Buñuels Zeit in Mexiko, das alternative Ende zu DIE VERGESSENEN, sowie Buñuels frühem Kurzfilm LAND OHNE BROT. Zudem enthält die Box ein Booklet mit einem kompletten Kapitel aus Buñuels legendärer Autobiographie „Mein letzter Seufzer“.“ (Alive)

Bei der Dokumentation handelt es sich um die mexikanisch-französische Produktion „El Buñuel mexicano“ von Emilio Maillé. Mehr zur Retrospektive der Berlinale in „Der Jahrhundertmann“ (taz) von Diedrich Diederichsen.