Francis Ford Coppola über Marlon Brando und den Film

27. Juni 2015

Francis Ford Coppola im Interview mit Annette Insdorf, die u. a. für ihre zahlreichen DVD-Kommentare bekannt ist. Zu einem der von ihr kommentierten Filme, Asche und Diamant, befragt sie auch Coppola. Beide feiern die Filmgeschichte. Coppola, selbst lebendes Denkmal dieser Geschichte, wirft einen Blick zurück in die analoge Zeit, als man Filmküsse noch nach Armlänge bemessen konnte, und voraus in die digitale Zukunft. Das wichtigste für ihn sind bei aller Technik jedoch Skript und Schauspieler, vor allem Schauspieler: Wie er Marlon Brando für sich gewinnen konnte, dieser Teil des Interviews dürfte selbst ein Stück Filmgeschichtsschreibung werden.


Fabrik der Gesten – Körpersprache im Film

28. Juli 2008

Die russische Filmwissenschaftlerin Oksana Bulgakowa hat die DVD „The Factory of Gestures“ über ihre Studien zur Körpersprache im russischen und sowjetischen Film und ihre Rückwirkung auf die Gesellschaft veröffentlicht. Dieses Projekt entstand im Zusammenhang mit ihrem Buch „Fabrika Zestov“ (Moskau, 2005), für das sie im gleichen Jahr den Preis der Filmkritikergilde Russlands für das beste Buch im Bereich der Filmtheorie bekam:

„Die Fabrik der Gesten“ ist ein umfangreiches audiovisuelles Forschungsprojekt von Oksana Bulgakowa (entstanden zwischen 2003 und 2008 am Stanford Humanities Lab – in Zusammenarbeit mit Dietmar Hochmuth, Ko-Regie und Produktion, und Gregor Hochmuth, digital design), das die grandiose Veränderung der Körpersprache in der russischen und sowjetischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert im Film und im Leben – unter dem Einfluss des Films und in der Rückwirkung auf ihn – verfolgt (und nun auf DVD vorliegt).“ (Oksana Bulgakowa)

Das Projekt „Fabrik der Gesten“ wurde auch auf der 5. berlinbiennale im Mai dieses Jahres vorgestellt. Die DVD kann bei Potemkin Press in Berlin direkt bestellt werden oder auch auf der Website von Dietmar Hochmuth.

Nachtrag:Eine Korrektur zu diesem Eintrag: Oksana Bulgakowa ist eigentlich keine russische Filmwissenschaftlerin. Sie arbeitet seit Mitte der siebziger Jahre in Berlin, zunächst in der DDR, dann im gesamtdeutschen und internationalen Rahmen – siehe hier und hier.


Hyperkino

24. Juli 2008

Auch dieser Hinweis verdankt sich wieder Kristin Thompsons und David Bordwells Bericht aus Bologna. Nikolai Izvolov vom Cinema Art Academic Research Institute in Moskau und Natascha Drubek-Meyer  (Info) der Film and TV School of the Academy of Performing Arts in Prag haben offenbar etwas Ähnliches entwickelt wie die Gruppe um Anna Bohn an der Universität der Künste in Berlin und dafür den markanten Begriff Hyperkino gefunden, analog zum Hypertext für schriftliche Dokumente:

„HYPERKINO is based on this fruitful intertwining of textual criticism and innovative hypermedia technologies. We have connected the traditional principles of annotation with digital technologies and their mark up languages (like html), applying hypermedia principles of commentary to the linear medium of film. HYPERKINO annotations of a film are comparable to the footnotes and the commentary in historical-critical editions of texts, with the only difference being that they are comprised of various media forms (text, sound, pictures).  (Hyperkino)

Welchen wissenschaftlichen Ansprüchen Natascha Drubek-Meyer und Nikolai Izvolov mit ihrem Verfahren gerecht werden wollen, haben sie in diesem Artikel beschrieben:

Critical editions of films in digital formats (In: Drubek-Meyer, N. and Izvolov, N. (2008), ‘Critical editions of films in digital formats’, Studies in Russian and Soviet Cinema 2: 2, pp. 205–216, doi: 10.1386/srsc.2.2.205/1 ) – auch auf Deutsch: „Textkritische Editionen von Filmen auf DVD. Ein Diskussionsbeitrag“, in: montage a/v. Zeitschrift für Theorie & Geschichte audiovisueller Kommunikation, 16/1/07, p. 183-199.

Die erste DVD mit Hyperkino-Annotationen ist bereits erschienen: „Das Projekt des Ingenieurs Pright“, ein Stummfilm von Lev Kuleshov aus dem Jahr 1918:

„Die DVD bringt den Hauptfilm in zwei Versionen mit Hyperkino-Annotationen (hypermedialen Filmanmerkungen wie das Indizieren von Filmeinstellungen mit »Fußnoten« – Texte, Ton, Fotos, Clips) von N. Izvolov und N. Drubek-Meyer.“ (absolut Medien)