99 Homes von Ramin Bahrani auf DVD und Blu-ray

18. Dezember 2015

Ramin Bahrani, der kaum 40-jährige Sohn iranischer Einwanderer, hat mit „99 Homes“ einen Film gemacht, der wie ein Paukenschlag die interne wirtschaftliche Lage der USA der ideologischen Debatte entreißt und an einem Beispiel illustriert, das weder mit Kalkulationen noch mit Entschuldigungen wegdiskutiert werden kann. „99 Homes“ ist ein Film, der genau zur richtigen Zeit kommt und der auch in Deutschland zum besseren Verständnis einer extremen gesellschaftlichen Situation beitragen könnte“, schreibt Franz Everschor in seiner Kolumne e-mail aus hollywood in der Zeitschrift Film-Dienst  Nr. 24/2015.

Rahmin Bahrani gehört zu einer Strömung des US-Kinos, die der Filmkritiker der New York Times A. O. Scott  einmal als Neo-Neo Realism bezeichnet hat.

„„99 Homes“ ist Fiktion, aber nichts an Bahranis Film wirkt fiktiv. Auch der junge Bauarbeiter, der unter dem Einfluss des übermächtigen Immobilienmaklers zu einer Art Faust-Figur wird, indem er sich mit Haut und Haar an den gewissenlosen Vollstrecker eines manipulierbaren Gesetzes verkauft, um seiner Familie das Dach über dem Kopf zu retten, ist unter Bahranis mikroskopischer Regie kein Einzelfall. Er ist vielmehr Beispiel für eine Situation, in der materielle Umstände moralische Entscheidungen provozieren, zu denen sich die Betroffenen gestern noch unfähig gefühlt hätten. Seine Geschichte ist die Geschichte einer Krise, die zum System wurde. „99 Homes“ beschäftigt sich mit einem Aspekt amerikanischer Wirtschaftspolitik und deren Folgen, die nur wenigen außerhalb des Landes in ihren vollen Dimensionen vertraut ist. “ (Franz Everschor)

„99 Homes“ erscheint am 25.1.2016 in Großbritannien auf DVD und Blu-ray, bei studiocanal. Damit besteht eine Chance, dass dieser Anbieter den Film auch in Deutschland veröffentlicht.

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DVD-Box Bo Widerberg

10. August 2015

Die Königliche Bibliothek in Stockholm gibt am 17. August 2015 die Widerbergboxen heraus, eine DVD-Sammlung mit 5 Filmen von Bo Widerberg und einem Dokumentarfilm über diesen bedeutenden schwedischen Filmregisseur neben Ingmar Bergman.

Die Box von Studio S umfasst die beiden klassischen Langfilme Joe Hill (1971) und Fimpen (1974) , die international weniger geschätzte Literaturverfilmung eines Romans von Knut Hamsun Victoria (1979), eine deutsche Koproduktion mit dem ZDF, die Fernsehadaption von Arthur Millers Stück „Tod eines Handlungsreisenden“, En handelsresandes död (1979) und den vielprämierten Film Lust och fägring stor (Schön ist die Jugendzeit, Lehrstunden der Liebe, Verführung im Klassenzimmer, 1995), der auch in Deutschland auf VHS und DVD ausgewertet wurde.

Besonders schwer war das Negativ von Joe Hill für die neue DVD-Edition zu beschaffen, wie Stefan Nylen von Studio S im Svenska Dagbladet berichtet. Paramount hatte es nach der US-Auswertung einfach nicht zurückgegeben und blockierte es lange Zeit mit Rechtsanwälten – vielleicht, weil der Film nicht gerade schmeichelhaft ist für ein Land, in dem gesellschaftliche Konflikte nur zu oft mit Waffen und Todestrakten ausgetragen werden. Nach Tomas Ehrnborg, dem Verantwortlichen für das Widerberg-Projekt bei der Königlichen Bibliothek, bestand sogar die Gefahr, den Film endgültig zu verlieren:

„…wir konnten das Kunststück fertigbringen, Joe Hill, einen von Widerbergs besten Filmen, nach vielen Jahren nach Schweden für die Restaurierung zurückzuholen. Es ist ein Film, der tatsächlich in Gefahr war,  für immer zu verschwinden.“ („Bo in en box“Situation Stockholm. Übers. DVDbiblog)

Es lohnt sich, den Artikel aus dem Svenska Dagbladet in den Google-Übersetzer einzugeben, um die Bedeutung von Bo Widerbergs Filmen, besonders von Joe Hill und Elvira Madigan, in ihrer Entstehungszeit kennenzulernen. Sie wurden dann vergessen und werden heute in Schweden wiederentdeckt.

Der sechste Film ist eine Biographie von Stefan Jarl über seinen viel bewunderten Mentor, Liv till varje pris (Leben um jeden Preis, 1998), der 1999 auf den Berliner Filmfestspielen im Internationalen Forum des jungen Films seine Deutschlandpremiere hatte:

„Mein Freund, der schwedische Regisseur Bo Widerberg, starb vor einem Jahr an Krebs – viel zu früh. Für mich war er ein Held. Ich gehörte einer jüngeren Generation an und wuchs in einer bürgerlichen Gesellschaft auf, in der Ingmar Bergman als Gott der Kunst angesehen wurde. Für jemanden aus der Arbeiterschicht wie mich war es nicht leicht, einen Helden zu finden. Bo wurde mein Mentor. Er machte Filme über die Wirklichkeit. In seiner Welt gab es keinen Gott, nur normale Menschen. Für ihn hatte der Film etwas mit dem Leben zu tun und das Leben mit Film. Er drehte einige der besten Filme, die je in Schweden hergestellt wurden. Bo war sehr stolz, als ich zum ersten Mal zur Berlinale eingeladen wurde. Dieses Jahr bin ich zum siebten Mal hier, mit einem Film über ihn – ich hoffe, er ist immer noch stolz.“ (Stefan Jarl, Arsenal Berlin, 1999)

Wie Tomas Ehrnborg feststellt, ist die Widerberg-Box ein nationales Projekt, eigentlich viel zu aufwändig für den kleinen schwedischen Markt, aber eben wichtig, um sich der nationalen Filmkultur zu versichern.

Die Edition der schwedischen Nationalbibliothek ist mit zahlreichen Zusatzmaterialien ausgestattet. Für die Langfilme liegen Kommentare und neue Interviewfilme vor, z. T. auch die Drehbücher im DVD-ROM-Teil.  Außerdem gibt es weitere biografische Filme über Widerberg sowie Berichte von den Dreharbeiten. Enthalten sind auch sechs Werbefilme von Widerberg für Volvo sowie sein Debütfilm Pojken och Draken (1962), den er zusammen mit Jan Troell gedreht hat. Außerdem gibt es ein 44-seitiges, illustriertes Beiheft von Peter Birro. Über Untertitel zu den Zusatzfeatures wird keine Auskunft gegeben, allerdings ist die gesamte Box als englisch untertitelt gekennzeichnet.

Zumindest alle Langfilme sind entweder mit englischen Untertiteln ausgestattet oder sie liegen in der internationalen englischen Fassung vor (Joe Hill, Victoria).

Nachtrag vom 23.8.2015: Martin vom Criterion Forum hat die Edition gesichtet. Bis auf die Audiokommentare sind die Zusatzmaterialien im wesentlichen Englisch untertitelt:

The new Swedish Widerberg 6-disc dvd box set is pretty good: nice transfers, probably 6 or 7 hours of decent bonus features (documentaries, interviews, short films, making-of’s, etc.), plus commentary tracks for three films, and a pretty good booklet printed on thick glossy paper with relevant reprints of newspaper articles among other things.

Everything has English subs except the commentary tracks and a few minor bonus features like trailers and such. Victoria (1979) has English audio and only Swedish subs (not forced).  The booklet (40 pages or so) is in Swedish only.  (Criterion Forum)

Leider gilt das nicht für die schon 2012 erschienene Box mit 7 Discs Bo Widerberg – En Filmografi, die solch bedeutende Werke wie Kvarteret Korpen (Das Rabenviertel, 1963) und Adalen 31 (1969) enthält. Allerdings sind Elvira Madigan (1967) und Der Mann auf dem Dach (1976)  in Großbritannien bei Arrow,  bzw. in Deutschland auf DVD erschienen, letzterer bei dem kleinen, aber bedeutenden Berliner Label Media Target.

Die 7-Disc-Box war wegen des wiedererwachten Interesses an Bo Widerberg veröffentlicht worden, da 2011 die erste Biographie über ihn erschien, jedoch die meisten seiner Filme in Schweden nicht zugänglich waren. Auf Druck der Öfffentlichkeit einigten sich Herausgeber und Erben.

„Das Interesse ist groß. Das fiel auch dem Personal an der Stadtbibliothek Malmö auf, wo viele nach Filmen von Widerberg gefragt haben. Aber die meisten sind nicht auf DVD erhältlich.

Es gibt jetzt ein Wiedererwachen des Interesses mit der Biographie. Vor allem erhalten wir Fragen zu Kvarteret Korpen und Barnvagnen [beide Filme spielen in Widerbergs Geburtsstadt Malmö]. Aber leider sind sie natürlich nicht veröffentlicht, und die alten VHS-Kopien abgenutzt, sagt Lisa Stigmar, die für Filmeinkäufe in der Stadtbibliothek Malmö verantwortlich ist.“ (Mattias Oscarsson: Nu kan Bo Widerbergs klassiker komma på dvd. In: Sydsvenskan, 30.9.2011. Übers.: DVDbiblog)

Die neue Box kann in Schweden bestellt werden.


The Power and the Glory von William K. Howard auf DVD

20. August 2012

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Film Comment hat Dave Kehr einen sehr lesenswerten Artikel über William K. Howard (TCM) veröffentlicht.

Rechtzeitig zu dieser Wiederentdeckung von William K. Howard: Beim neuen MOD-Label 20th Century Fox Cinema Archives (Presseerklärung) wird in der zweiten Staffel der Neuerscheinungen jetzt eines von Howards Hauptwerken erscheinen,  „The Power and the Glory“ von 1933, der nach Pauline Kael als Vorläufer von Citizen Kane gelten kann. Der Precode-Film nach einem Drehbuch von Preston Sturges war bisher noch auf keinem Heimkinoformat erhältlich.

„The primary victim of Pauline Kael’s „Raising Kane“ was not in the end, its intended one:  Orson Welles reputation is stronger today than it was in 1971, when Kael first published her essay. But when Kael missatributed the 1933 „The Power and the Glory“, with its striking, experimental use of flashbacks to recount the life of a railroad magnate (Spencer Tracy), to its screenwriter, Preston Sturges, she eficcently nullified the existence of William K. Howard, the film’s director and true auteur.“ ( Dave Kehr:  Lost along the way. The past weighs heavily on the protagonists of  William K. Howard’s films. In: Film Comment July-August 2012, S.20)

Neben „The Power and the Glory“ sind sein bedeutendster Film „Back Door to Heaven“ in einer schlechten Kopie in den USA, „Fire over England“ in Großbritannien, „The Princess comes across“ in Australien, „Over the Moon“ aus Spanien in Großbritannien und der Stummfilm „White Gold“ von einer 16mm-Kopie bei Grapevine in den USA auf DVD lieferbar. Die Edgar-Wallace-Verfilmung „The Squeaker“ gibt es in einer Doppelbox unter dem Titel „The Edgar Wallace Collection 2“ ebenfalls in den USA. „Johnny come lately“ war in Großbritannien als VHS erschienen. Willam K. Howard ist für den Home Video-Markt also noch zu entdecken.


The Connection von Shirley Clarke restauriert

21. Mai 2012

„What has eight junkies, four jazz musicians, one remarkable director, 103 restored minutes of rebellious filmmaking and the BEST reviews in New York City?“

Die Antwort: Das versunkene  Werk von Shirley Clarke taucht wieder auf: Ihr erster Film „The Connection“  (Forum des jungen Films 2012) wurde in restaurierter Form Anfang Mai in New York wiederaufgeführt und die Resonanz war enorm. Manohla Dargis, Karina Longworth, Jim Hoberman haben sich mit ihrem Werk auseinandergesetzt und Indie Wire führte eine Diskussion.

„Während der Living-Theater-Inszenierung von Jack Gelber sei das Publikum in Verlegenheit geraten, in der Filmversion von Shirley Clarke müsse es sich als Angeklagter vorkommen, hieß es zur Premiere. Der Film zeigt, wie eine Gruppe drogenabhängiger Jazzmusiker in einer New Yorker Wohnung auf ihre „Connection“ wartet, während ein zweiköpfiges Dokumentarfilmteam die Situation aufnimmt. In Begleitung einer christlichen Straßenpredigerin trifft der Drogenhändler ein. Spätestens als der Filmemacher, dessen Bibel Kracauers „Theory of Film“ ist, ihn auffordert, den Blick von ihm zu lassen und nach seiner Kamera wie nach einer Waffe greift, verschieben sich die Machtverhältnisse unwiederbringlich. Das Filmteam und die Protagonisten verhandeln Fragen von Moral und Gesellschaft sowie das Verhältnis von Realität und Fiktion in einer schwindelerregenden Choreografie von Zuständen: Scharfsinn, Rausch und Entzug. Die Kamera, mal Handkamera, mal statisch, wird zur leitenden Hauptfigur; es scheint, als habe sie nicht nur einen Körper und ein Gehirn, sondern ein Gewissen.
THE CONNECTION seziert das Kino und ging als Meilenstein des Cinéma Vérité, aber auch als Jazzmusical in die Filmgeschichte ein. “ (Arsenal-Kino)

Amy Heller und Dennis Doros von Milestone Films werden nach und nach 4 Langfilme und über zwölf  ihrer Kurzfilme in restaurierter Form veröffentlichen, wie immer nach der Kinoaufführung auch als DVD und Blu-ray. Damit werden ihre Arbeiten nach Jahrzehnten des Vergessens wieder zugänglich. Shirley Clarke ist wieder da!

Erschienen waren bisher lediglich „Portrait of Jason“ bei SecondrunDVD in Großbritannien und „The Connection“ in qualitativ schlechter Fassung in einer versteckten Jazz-Edition – beide DVDs sind inzwischen vergriffen und nur noch zu Höchstpreisen erhältlich.

Shirley Clarke steht mit ihrer Filmarbeit Ende der 50ger Jahre und  Anfang der 60er Jahre  mit dem Statement für ein New American Cinema“ und als Mitgründerin der Film-Makers‘ Cooperative in New York am Beginn einer neuen Art des Filmemachens. Als weibliche Filmemacherin war sie in dieser Szene zu jener Zeit eine Ausnahme:

„I identified with black people because I couldn’t deal with the woman question and I transposed it. I could understand very easily the black problems, and I somehow equated them to how I felt. When I did The Connection, which was about junkies, I knew nothing about junk and cared less. It was a symbol–people who are on the outside. I always felt alone, and on the outside of the culture that I was in. I grew up in a time when women weren’t running things. They still aren’t.[10]“ (Wikipedia)


Leo Hurwitz auf DVD

17. April 2012

Die schwedische Kulturorganisation Filmcentrum hat schon 2006 10 Filme von Leo Hurwitz auf DVD herausgebracht, allerdings zu einem institutionellen Preis. Diesen Hinweis verdanken wir Jonathan Rosenbaum, der in seiner Kolumne in Cinema Scope aus Bologna von den DVD-Awards des Festivals Cinema Ritrovato berichtet hat, wo Alexander Horwath diese Edition als preiswürdig vorgeschlagen hatte.

Leo Hurwitz ist heute nahezu vergessen, gehört als Pionier des dokumentarischen Films der 30er Jahre jedoch zu den bedeutendsten Dokumentaristen der USA.  Die New York Times hat anläßlich seines Todes 1991 einen kurzen Überblick über sein Schaffen gegeben („Leo Hurwitz, 81, Blacklisted Maker Of Documentaries“). Trotz politischer Verfolgung hat er es sich nicht nehmen lassen, immer weiter zu arbeiten. Sein Hauptwerk ist der fast 4stündige Film „Dialogue with a woman departed“ (1981) über seine 1971 verstorbene Frau Peggy Lawson.

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit hatte dieses Werk im November 1981 als Film des Monats ausgewählt.

In Deutschland ist wenig über Leo Hurwitz erschienen, wenn man einmal vom Sonderheft der Zeitschrift „Filmkritik“ von 1979 absieht (FILMKRITIK. 23. Jahrgang 1979. Nr. 2. LEO T. HURWITZ.. Marxistische Filmproduktion in Amerika 1931 – 1942.)

     „Leo T. Hurwitz, hierzulande fast unbekannt war einer der wichtigsten amerikanischen DokumentarfilmRegisseure der dreißiger und vierziger Jahre („China Strikes Back“), später einer der Pioniere des amerikanischen Fernsehens. Sein einziger Spielfilm, „Native Land“, gehört zu den wenigen Beispielen marxistisch geprägten Kinos in den USA. Diesem Mann, der die sozialkritische amerikanische Dokumentarfilm Bewegung der Roosevelt Ära entscheidend beeinflußte, hat jetzt die Zeitschrift „Filmkritik“ ein Sonderheft gewidmet: mit ausführlichen Materialien von und über Hurwitz, einem Interview und Dokumenten zum zeitgeschichtlichen Hintergrund.“ (DIE ZEIT, 16.3.1979 Nr. 12)

Die 5 DVDs des Filmcentrums wurden von Ingela Romare herausgegeben.  Ihr Film über Hurwitz, die 6. DVD in dieser Reihe, ist offenbar nicht englisch untertitelt.


Coffret DVD David Williams: Lillian & Thirteen

21. September 2011

Ein Hinweis aus der Liste von Jonathan Rosenbaum: In Frankreich ist bei ED Distribution vor einem Jahr eine Box mit dem Werk des amerikanischen Filmemachers David Williams erschienen. Neben seinen Kurzfilmen aus den 80er Jahren ( SHADOWS (1982 – 5 min.) DREAMS IN THE NIGHT (1983 – 11 min.) THE WOMAN IN THE WINDOW (1984 – 11 min.) THE LAST OF SUMMER (1985 – 14 min.) TRANSITIONS (1987 – 16 min.) WAVING (1987 – 3 min.) stehen seine beiden dokumentarischen Spielfilme „Lillian“ (1993) und „Thirteen“ (1997) im Mittelpunkt, zwei faszinierende Arbeiten über die innere Stärke ihrer jeweiligen Protagonisten, einer 57jährigen Pflegerin und eines 13jährigen Mädchens.

„Lillian“ lebt von seiner Hauptdarstellerin, die sich selbst spielt:

„Like its subject, „Lillian“ is a film that moves slowly and surely, but ultimately has a remarkable impact. A „fictional documentary“ whose inspiration is portrayed by its very source, David D. Williams’s film documents a day in the life of Lillian Folley, a 57-year-old African American caretaker whose Richmond house provides a hopeful start for foster children and a dignified end for the elderly.

On the surface, the things that happen in the course of Lillian’s long day — she is first up and last to sleep — are mundane events. Williams’s triumph is not that he ennobles Lillian — she doesn’t need that kind of patronizing — but that he recognizes the quiet strength that allows her to function in the face of others‘ constant needs…

Melding cinema verite and fiction, director Williams opts for the naturalist feel of a documentary (undercut only by a cheesy synthesizer soundtrack) and an unhurried but active pace that reflects Lillian’s dawn-to-dusk commitment. It’s a bold hybrid that succeeds because of the immense power of Lillian Folley herself. „Lillian’s“ small budget is evident, but so is its heart. “ (Richard Harrington: Lillian. The Washington Post, March 18, 1994)

„A word about the filmmaking. Except for the lack of explosions and A-list actors, and some art-film interludes (Williams was a painter and photographer before exploring film), „Lillian“ is indistinguishable (visually) from a „real“ movie. Shot on Super-16mm and blown up to 35mm, „Lillian“ makes judicious use of cranes and tracks, all while exploring the confined spaces of Lillian’s actual house and the environs of Richmond’s North side. This film is a real treat that few have seen. Just as Williams‘ follow-up film „Thirteen“ (which also features Lillian) resonates with anyone who’s ever been a girl, „Lillian“ will find favor with anyone who has a mother. “ (dearborne: Best African-American female character in film. IMDb)

„Thirteen“   beobachtet mit dokumentarischer Genauigkeit ohne jede Wertung eine Dreizehnjährige in ihren Widersprüchen . Obwohl sie von zu Hause ausreißt, bleibt sie Ihrer Mutter innig verbunden (gespielt von der Hauptdarstellerin aus „Lillian“).

„David Williams‘ movie „Thirteen“ belongs to a burgeoning genre that determinedly blurs the line between fiction and documentary filmmaking. Largely improvised, with no screenplay and featuring a cast that includes untrained actors as well as professionals, this portrait of a sullen, quirky 13-year-old black girl growing up in Richmond, Va., feels utterly real during much (though not all) of its 87 minutes. ..

For all its narrative glitches and its homemade quality, „Thirteen“ evokes the rhythm, texture and tone of Nina’s world in a way that a more carefully scripted film could never do. It reminds you of how mysterious and complex individual character really is. Nina’s obsession with cars and her way of suddenly bursting out with blunt observations and demands make for a fascinating portrait of a shy, strong-willed girl whose mind is churning as she tries to figure out the world and her future.“ (Stephen Holden: ‚Thirteen‘: Improvising a Troubled 13-Year-Old’s Mind. The New York Times, April 4, 1998)


El Jefe von Fernando Ayala

14. September 2011

In Argentinien ist der Klassiker „El Jefe“ von Fernando Ayala auf DVD erschienen, leider ohne englische Untertitel, was einen aber eigentlich nicht davon abhalten sollte, diesen argentinischen Film noir von 1958 zu entdecken… – wenn die DVD-Ausgabe nicht so mangelhaft wäre (s. u.).

Der Film basiert auf einer Erzählung von David Viñas, der zusammen mit Ayala auch das Drehbuch geschrieben hat. Er beschreibt das Innenleben einer Bande und ihre symbiotischen Beziehungen zwischen Chef und „Untergebenen“, ein Verhältnis, das Ayala und Viñas durchaus prototypisch für die argentinische Gesellschaft und Politik sehen.

„Here we have a film about a gang of five larcenists and swindlers who carry off various enrichment schemes under the leadership of „El Jefe,“ The Chief. The film opens as they are all at the police station under arrest. They nudge each other as they await interrogation, secure in the knowledge that as soon as El Jefe arrives, he will get them all off somehow. Naturally this film could not have been made during the Peron years, but just 3 years after his fall, here it is. The script is by David Vinas, an leftist anti-Peronist novelist. At one point in the film a woman asks El Jefe how he is able to command the unquestioning allegiance of his gang. He replies: „I take care of them. I snap my fingers, and they are at my beck and call. You have to study them, know their likes & dislikes, their little quirks, their resentments, and what they hope for. I give to them, and they give to me. And they end up wanting just what I want.“ We do not learn much about Peronism from this film, but we learn a lot about how Peron’s detractors regarded him. “ (pfrank-4from Venice CA, IMDb)

Die argentinische DVD-Ausgabe dürfe allerdings ein Reinfall sein. Sie enthält den Film nur im Vollformat (4:3), obwohl er in CinemaScope (Panavision) gedreht wurde. Die Musik stammt übrigens von Lalo Schiffrin. Dies ist seine erste Arbeit für einen Spielfilm.

Hier wurde offenbar die Chance verpasst, einen bedeutenden Film nach über 50 Jahren wieder in seiner ursprünglichen Form bekannt zu machen.

„This is a beautifully shot movie from Argentina about a small band of men engaged in small time, get-rich quick schemes, with a charismatic but shady leader. The film is stylish, with beautifully lit black and white cinematography, elegantly seedy costumes and a lush dark score by Lalo Schifrin (his first film score, with a moody sax performance by Gato Barbieri). The uniformly fine cast give tense, sexually-charged performances that keep the more melodramatic moments from bogging down. A really gem of a film. “ (philmckfrom LA, CA, IMDb)

Von Fernando Ayala sind in Argentinien weitere beachtenswerte Filme erschienen: „El candidato“, „Paula Cautiva“, „Primero Yo“, „La Fiaca“ (engl. UT.) und sein Spätwerk „Plata dulce“ (engl. UT.).