Filmrestaurierung im Packard Campus der Library of Congress

8. Juli 2015

Gestern ist in der Zeitschrift WIRED ein Artikel über die Arbeit in einem der größten Filmarchive der Welt erschienen, dem Packard Campus der Library of Congress, dem National Audiovisual Conservation Center in Culpeter. Bryan Gardiner beschreibt in “Inside the Nuclear Bunker: Where America Preserves Its Movie History” sehr facettenreich, was sich dort hinter den Mauern abspielt. Früher war das Gebäude ein atomsicherer Bunker mit Geldreserven für die Zeit nach einem möglichen Nuklearangriff… Heute versucht man dort das Verlöschen der eigenen Filmgeschichte zu verhindern. Lesenswert!

Video Preservation Specialist John Grandin monitors digital migration of television shows. Copyright Jared Soares for WIRED

In dem Zusammenhang sollte man vielleicht noch einmal an die entsprechenden deutschen Verhältnisse erinnern, nämlich an das Bundesarchiv “Abteilung Filmarchiv (Abt. FA)”, das ebenfalls zu den größten Filmarchiven der Welt zählt, dem aber von der Bundespolitik bei der Änderung des Bundesarchivgesetzes 2013 nach langer Debatte nicht einmal ein Recht zur Pflichtabgabe deutscher Filme zugestanden wurde (lediglich eine Pflichtregistrierung nach § 7a BArchG), was eine vollständige Bewahrung des deutschen Filmerbes von vornherein unmöglich macht. Vom Archivieren und Zugänglichmachen der deutschen Fernsehgeschichte wollen wir hier erst gar nicht reden.

Noch eine Anmerkung: Die im Artikel von WIRED erwähnte National Film Registry umfasst die besonders erhaltenswerten Filme, denen jedes Jahr 25 Neue hinzugefügt werden. Die meisten dieser Filme sind, zumindest in den USA, auch auf DVD oder Blu-ray erhältlich (komplette Liste z. T. mit Kurzbeschreibungen und Essays zu den einzelnen Titeln in der National Film Registry).


Hollywood lässt 35mm-Film fallen

14. April 2012

… und das hat Folgen. In der LA Weekly vom letzten Donnerstag beschreibt sie Gendy Alimurung in einem längeren Artikel und läßt bedeutende Archivare wie wie Ross Lipman vom UCLA Film & Television Archive zu Wort kommen, dem zweitgrößten Filmarchiv der USA. Der Medienwandel vom Zelluloid zu Bits und Bytes beschwört eine ähnliche Situation wie beim Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm herauf, doch paradoxerweise in umgekehrter Form.  Das Archiv wird mit Angeboten zur Einlagerung von 35mm-Filmen überschwemmt, weil die Firmen ihre Lager mit dem “überholten” Format räumen wollen. Damals wurden aus den gleichen Motiven die “veralteten” Stummfilme vernichtet und es gründeten sich daraufhin die ersten Filmarchive. Anders als damals ist heute aber nicht das alte Format, sondern das neue digitale gefährdet, denn es läßt sich viel schwerer dauerhaft archivieren. Der Vertrieb digitaler Filme spart Kosten, doch sie zu erhalten ist elfmal teurer. Die Zukunft der Filmkunst ist also stärker bedroht als ihre Vergangenheit.

Gendy Alimurung berichtet auch von einer Initiative von Regisseuren, die ihr Recht auf Wahlfreiheit des Filmformats gegenüber den Studios verteidigen wollen.

“Movie Studios Are Forcing Hollywood to Abandon 35mm Film. But the Consequences of Going Digital Are Vast, and Troubling” ist ein lesenswertes Stück Filmjournalismus.

 

Eine gute Ergänzung zum Thema und dabei mehr in die Tiefe gehend: David Bordwells “Pandora’s digital box: From films to files” vom Februar dieses Jahres. Alle weiteren 6 Artikel zu “Pandora’s digital box” auf der Website von Kristin Thompson and David Bordwell.


Treasures 5: The West, 1898-1938

31. Mai 2011

Die National Film Preservation Foundation in den USA hat heute ihre 5.  DVD Edition mit restaurierten Filmen angekündigt: Das Thema ist diesmal der “Westen”. Treasures 5: The West, 1898-1938 wird 40 frühe Filme über den Wilden Westen, vor allem selbstverständlich Western enthalten, die bisher noch nicht auf  DVD erschienen sind.  Daneben wird es aber auch den “real West” mit seltenen Dokumentationen geben. Besonders hervorgehoben werden zwei Filme:

“There are lots of surprises and a few genuine masterworks, including Mantrap (1926), with an utterly bewitching Clara Bow in her most sophisticated role, and W.S. Van Dyke’s The Lady of the Dugout (1918), with outlaw-turned-actor Al Jennings playing himself 20 years earlier… For the line-up, click here” (Treasures 5)

Wie in die vorherigen Editionen ist auch in diese wieder die Arbeit von unzähligen Beteiligten geflossen, ein sorgfältiges Unternehmen, das an Engagement Seinesgleichen sucht:

“The Treasures 5 selections are accompanied by new music, interactive screens with maps, audio commentary, and an illustrated catalog. The set is curated by Scott Simmon and designed by Jennifer Grey. New music was created by music curator Martin Marks, featured pianists Stephen Horne and Michael D. Mortilla, and composers Andrew McPherson, Michael Miller, Brian Robison, Elena Ruehr, Charles Shadle, Christine Southworth, and Evan Ziporyn. For a full list of contributors, click here.” (Treasures 5)

Die Box erscheint am 27. September 2011 bei Image Entertainment in den USA.

 


Datenbank „Benutzungsmedien Film Online“ vom Bundesarchiv/ Filmarchiv freigeschaltet

16. April 2011

Seit Donnerstag ist die Datenbank Benutzungsmedien Film Online des Bundesarchiv / Filmarchiv freigeschaltet. Damit kann man nun auch im Web den Bestand von über 70.000 Filmtiteln recherchieren, die das Bundesarchiv / Filmarchiv zur Sichtung vor Ort in Berlin-Wilmersdorf anbietet:

“Das Bundesarchiv sammelt deutsche Filme aller Genres seit Aufkommen des Bewegtbildes, soweit sie nicht durch das Fernsehen produziert worden sind. Die vorliegende Suchmaschine bietet die Möglichkeit, in den mehr als 70.000 benutzbaren Medien der Abteilung Filmarchiv online zu recherchieren. Sie befindet sich auf dem Stand vom 14.04.2011 und wird regelmäßig aktualisiert. Zur Benutzung werden in der Regel nur Materialien ausgegeben, die mehrfach gesichert und in ihrem Erhaltungszustand nicht gefährdet sind.” (Bundesarchiv/ Filmarchiv)

Der Gesamtbestand des zentralen deutschen Filmarchivs ist ebenfalls in einer Datenbank verzeichnet, bisher aber nur vor Ort oder telefonisch recherchierbar. Auch diese Bestandsdatenabank soll online zugänglich gemacht werden.


Canyon Cinema vor dem Aus

2. April 2011

Schlechte Nachrichten aus den USA: Canyon Cinema, einer der wichtigsten Vertriebe für Experimentarfilme, ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Organisation, die als Kooperative für die vertretenen Filmemacher arbeitet, verwaltet einen Fundus von 3.500 Titeln, die bis in die 30er Jahre zurückreichen. Enstanden ist sie Anfang der 60ger Jahre im Wohnhaus ihres Gründers Bruce Baillie in Canyon, USA. Jetzt hat ihr Geschäftsführer Dominic Angerame die Alarmglocken geläutet.

Wie viele Experimentalvertriebe hat sich auch Canyon Cinema nicht früh genug entscheiden können, ob man seine Filme breit zugänglich machen will, oder lieber im exklusiven hochpreisigen Zirkel der Kunstwelt verweilt. So hatte man an dem Medienbruch der letzten 15 Jahre zu leiden, denn die neuen Möglichkeiten der DVD als Verbreitungsmedium wurden nicht genutzt:

“This is a very serious letter.  It was emailed to our filmmaker members and we would like to share this with the larger community.  It concerns the survival of Canyon Cinema.
As most of you probably know, film rentals over the past few years have been steadily declining. This is a result of the proliferation of digital media. Many of  Canyon’s major filmmakers who have brought substantial income to the organization have now made their work available in digital formats. Many of our renters, especially in universities, no longer have access to adequate film projection. Often after the purchase of a DVD, instructors of cinema studies continue to use the digital media and forsake the renting of the original 16mm prints. This is partly due to their own dwindling rental budgets and the lack of well functioning projectors.”  (Important Message to the Film Community)

Canyon Cinema hatte in den letzten Jahre zwar immer mehr Titel auch auf DVD zugänglich gemacht, zu angemessenen Preisen allerdings nur für individuelle Kunden, nicht für Institutionen. So konnten z. B. Bibliotheken und Videotheken keine Bestände für die individuelle Ausleihe aufbauen – sicherlich ein schwerer Marketingfehler bei der Popularisierung des Experimentalfilms und der Filmavantgarde.

Man kann nur hoffen, dass die Rettung gelingt und Canyon Cinema sich absichern kann, wie andere wichtige Vertriebe auch:

“Here are some specific examples of experimental film distribution companies modeled after Canyon Cinema currently receiving substantial funding. The Film-Makers’ Cooperative in New York City is currently funded by the Experimental Television Center as well as New York State Council for the Arts. They have also received a life saving donation of free rental space. Light Cone in Paris is funded by several governmental agencies including Le Centre National de la Cinematographie, Le Ministere de la Culture, La Region Ile-de-France and La Ville de Paris. LUX in London is funded by the Arts Council England and the Leverhulme Foundation for Educational Activities. In Canada the Canadian Filmmaker’s Distribution Centre in Toronto is funded by the Canada Council for the Arts, Ontario Arts Council, The Ontario Trillum Foundation and the Toronto Arts Council. In Vienna, Sixpack Film is most generously supported by the Federal Ministry of Art, Culture and Education (Department for Film), City of Vienna – Department of Cultural Affairs,  the Provincial Governments of Lower Austria, Upper Austria and Salzburgh, and the Trade Association for Music and Film industry.” (Important Message to the Film Community)

Doch Subventionen allein werden nicht helfen, wenn man sein Publikum nicht pflegt und erweitert. Wer seine Filme nur einem kleinen Zirkel, d. h. meist nur in den Metropolen bekannt macht, kann nicht reussieren. Die INDEX DVD-Edition von Sixpack Film zeigt, dass es auch anders geht. Und das Marktangebot ist noch reichhaltiger: Die Website Experimental Cinema gibt einen Überblick.


Gaumont öffnet Archive

2. Oktober 2010

Auch Gaumont in Frankreich folgt dem Weg von Warner (Warner Archive), Sony (Columbia Classics) und Universal (Universal/ TCM Vault Collection), die in den USA DVDs von weniger verkaufsträchtigen Titeln als MOD (Manifacturing on Demand) anbieten, d h. als DVD-R. 

1kult hat die Liste der ersten Titel von Gaumont à la demande veröffentlicht. Jérôme Soulet von Gaumont erläutert das Konzept in einem Interview auf Vimeo – auf Französisch. Leider werden auch die DVDs keine englischen Untertitel haben, allerdings sollen sie sogar gepresst und nicht gebrannt sein.


Archive der Filmstudios im 21. Jahrhundert

21. Juli 2010

In der Online-Filmzeitschrift JUMP CUT analysiert Eric Hoyt den Umgang der Filmstudios mit ihren Archivbeständen – im Zuge immer größerer Konzentration und immer engerer Verflechtung. Zum Schluss fragt er:

  • “What gets excluded from the on-demand universe, either because of costs, conflicts over ownership, or inconvenience?
  • What will be the cost to consumers of vertical integration?
  • Who will be able to afford video nirvana?

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