Brudeferden i Hardanger

29. Januar 2009

Ein fast vergessener Klassiker des Stummfilms ist in Norwegen auf DVD erschienen. Brudeferden i Hardanger (Brautfahrt in Hardanger / Bridal Party in Hardanger, 1926) von Rasmus Breistein wurde 1999 in restaurierter Form auf dem Stummfilmfestival in Pordenone aufgeführt und dann 2007 noch ein zweites Mal restauriert. Beide Fassungen sind in der Doppeldisc-Edition enthalten.

Paolo Cherchi Usai hat diese Ausgabe im Journal of Film Preservation der FIAF rezensiert:

„… the Pordenone screening of Brudeferden i Hardanger proved that Breistein was much more than a local cinematic bard. His assured direction of actors (a far cry from the melodramatic conventions of the time), his sense of composition and camera placement, and the stunning photography of the exteriors revealed a personality whose talent went well beyond the traditional boundaries of “national cinema.”

Cherchi Usai würdigt auch die Musik für den Film:

„The music is indeed one of the winning points of the project. Based on cue sheets created at the time of release (with excerpts ranging from Dvo˘rák’s “New World” Symphony to Grieg, Sibelius, and folk tunes performed by Hardanger violinist extraordinaire Einar Mjølsnes), this is one of the best orchestral performances of original silent music ever recorded. Much of the credit for this (in the 1999 version) goes to the music arrangement of Halldor Krogh, who succeeded in the difficult goal of creating a seamless sound texture from what would have otherwise been perceived as a patchwork of popular classic tunes. No less accomplished is the piano accompaniment to the 2007 restoration by Arnhild Vik (again with a guest appearance by violinist Einar Mjølsnes), who successfully avoided the pitfalls of wallpaper music and sheer descriptivism, so common in piano performances for silent films on DVD.

This, together with the astonishing quality of the digital transfer to video and the subtlety of the tintings, makes Brudefelden i Hardanger a sheer pleasure to watch and listen to. Silent cinema can’t get much better than this on DVD.“ (Paolo Cherchi Usai: Norwegian Classic on DVD: Bridal Party in Hardanger. In: Journal of Film Preservation, 76.2008, S 65-67)

Der Film wird im September 2009 auf dem Equinox Musikfestival in Köln aufgeführt, von dem Geiger Albrecht Maurer auf der Hardanger-Fiedel begleitet.

Die DVD mit 2 Dokumentationen, Camilla Vanebos Film über Breistein, „Dokumentarfilmen Rasmus Breistein – ein reisande i film (Rasmus Breistein – A Film Traveller, 2000, 28 Min.) und Sondre H. Bjørgums „Bakom Brudeferden: Om musikken“ (Behind the Scenes: The Music, 2007, 15 Min.), kann im Shop des Norwegischen Filminstituts bestellt werden (englische Anleitung zur Bestellung). Die DVD ist englisch untertitelt, das umfangreiche Beiheft leider nur auf Norwegisch.

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70mm auf Blu-ray

29. Januar 2009

Im neuen Film-Dienst schreibt Jörg Gerle über das Revival des 70mm-Films auf Blu-ray:

„Über einen direkten Vergleich zwischen 35mm und 70mm im Kino verfügten bis vor kurzem allenfalls Filmwissenschaftler im Museum. Seit Einführung des HD-Mediums lässt sich dies jetzt auch im Heimkino nachvollziehen, wenn man DVD und Blu-ray parallel betrachtet. … die Weltraumballette von „2001 – Odyssee im Weltraum“ sind „naturalistischer“ als sie selbst im CGI-Zeitalter je erreicht worden wären. Mit dem Erscheinen der Blu-ray des Cinerama-Klassikers „Das war der Wilde Westen“ (1962) ist jetzt endlich auch die Krone des Großformatfilms in einer Qualität zu bestaunen, die jede Kinoprojektion eines aktuellen Blockbusters vor Neid erblassen lässt. Exklusiv für die Blu-ray wurde das 2.89:1 Bild als „Bonus“ analog zur 146-Grad-Leinwand konkav gebogen (SmileBox-Version), sodass der Rundblick der großen Leinwand mit erstaunlicher Wirkung auch auf dem Fernsehschirm simuliert werden kann. Die in Deutschland bislang erschienenen Blu-rays zu „Patton“ (1970, im 70mm-Format Dimension-150) oder „Der schwarze Falke“ (1956, im Zwitter-Format VistaVision, mit horizontal laufendem 35mm-Material) sowie dem nur in den USA als HD- DVD veröffentlichten „Grand Prix“ (1966, in Super Panavision 70) machen das eindrückliche Ergebnis des hochauflösenden Mediums komplett…

Selbst aktuelle Kinoproduktionen müssen gegenüber der Blu-ray-Präsentation die Segel streichen, wenn wie im Fall von „Dark Knight“ einige Szenen in 70mm-IMAX gedreht wurden. Im herkömmlichen Kinosaal (wie auch auf DVD) wurde der Film im Format 2.35:1 projiziert. Auf Blu-ray indes werden die im hochauflösenden IMAX-Format gedrehten Sequenzen nicht am oberen und unteren Bildrand gekappt, sondern in ganzer Pracht (näherungsweise im Format 2.35:1.32) ausgespielt – was etwa einem Drittel mehr an Bildinformationen entspricht. (Jörg Gerle: Die digitale Zukunft: Blu-ray – die letzte Heimstatt des 70mm-Films? In: Film-Dienst 3 /2009 – siehe dazu auch DVD-Duell)

Einen ersten Einblick in die genannten Aufnahme- und Projektionsverfahren kann man sich im Widescreen Museum verschaffen. Auf der Berlinale, die in der nächsten Woche beginnt, hat man die seltene Gelegenheit, 22 Filme im 70mm-Format auf der großen Kinoleinwandzu erleben (hier mehr zur Retrospektive „70mm – Bigger than Life“). Wer jedoch sein eigenes Festival veranstalten möchte, vielleicht auch auf der großen (Heimkino)leinwand, für den hat Jörg Gerle eine Liste in Deutschland lieferbarer und geplanter Blu ray-Veröffentlichungen von 70mm-Filmen zusammengestellt:

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Sensio 3-D wird DVD-Standard

28. Januar 2009

Das DVD-Forum hat am 19.1.2009 das 3-D-Verfahren der kanadischen Firma Sensio als einen offiziellen Standard für dreidimensionale Filme auf DVD anerkannt.

Das Verfahren mit dem speziellen Sensio-Chip arbeitet mit dem 60 Hz-Signal des NTSC-Standards und sendet 60 mal in der Sekunde abwechselnd räumlich versetzte Einzelbilder, die von den beiden Augen durch eine sich links und rechts abwechselnd schließende LCD-Brille empfangen werden. Der Schließmechanismus der Brille wird durch ein Infrarot-Signal gesteuert.

Trotz der hohen Qualität des Verfahrens können vorhandene Player und Displays verwendet werden, wenn sie einen Component-Eingang haben und ein Interlaced-Signal ausgeben können. Die Details beschreibt Darryl Wilkinson von Home Theater (November 2003).

Die Filmauswahl ist allerdings noch äußerst schmal und wenig verführerisch. Nick Roddick dazu in Sight & Sound:

„Shapiro nailed the key issue when he said that in future the market will be „driven by content“. Yet while it’s hard to think of any genre (except perhaps pom) that could be enhanced outright by the addition of 3D, most films could be given added value. If I’d wanted to see the U2 film in the first place, I might have wanted to see it a little more in 3D (idem for Beowulf, not so for Chicken Little, Meet the Robinsons or Monster House). In other words, it’s still the story, stupid.

Of course, the same could have been said at the outset for colour and it was certainly the case that once colour became the norm, audiences felt cheated by black and white. Will the same one day be true of 3D? Only, I would guess, if we could ditch the glasses (believed to be some considerable way off). Otherwise, the most 3D is likely to do is broaden the gulf between big-budget, effectsheavy ‚event‘ movies and the rest which is happening anyway. I don’t somehow see Cristian Mungiu or Ken Loach embracing 3D. But the Coen brothers? Maybe.“ (Nick Roddick: Through glasses, darkly. Sight & Sound 4, April 2008, S. 16)

Allerdings würde 3-D das ästhetische Gefüge des zweidimensionalen Films mit seiner Spannung aus realer Fläche und illusionierter Räumlichkeit, die durch den Ton erst Leben gewinnt, entscheidend umstürzen.


Avant-Garde 1927-1937

24. Januar 2009

Seltene belgische Avantgardefilme der zwanziger und dreißiger Jahre sind jetzt auf DVD erschienen. Cinematek – unter diesem neuen Namen firmiert jetzt die renommierte Cinémathèque Royale de Belgique – hat mit der Doppeldisc-Edition Avant-Garde 1927-1937 zum ersten Mal das frühe experimentelle Werk der beiden bedeutenden belgischen Dokumentaristen Henri Storck – er gründete das Filmarchiv in Brüssel – und Charles Dekeukeleire auf DVD zugänglich gemacht. Ihre Recherchen zum cinéma pur betrieben sie im Umkreis der Surrealisten Henri d’Ursel und Ernst Moerman, von denen auch je ein Film in dieser Edition enthalten ist.

Neu vertont haben die Filme Joachim Brackx, Eric Sleichim, Jan Van Outryve, Annelies Van Parys (zu Gast bei Transparant), Mireille Capelle, Geert Callaert und Thomas Smetryns, zu Gast beim Ensemble HERMES, das unter Leitung von Koen Kessels auch die Einspielung besorgt hat. Im Beiheft gibt es einen Essay von Xavier Canonne über die stürmische Entwicklung der Jahre 1927 bis 1937. Alle Filme sind englisch untertitelt und bei Cinematek direkt oder hier bestellbar.


DVD of the Year 2008

8. Januar 2009

DVDBeaver hat jetzt die Ergebnisse seiner Umfrage nach den besten DVD-Ausgaben des letzten Jahres veröffentlicht. DVD & Blu-ray of the year 2008 listet die Top-Editionen auf, die einige renommierte Kritiker ausgewählt haben:

„We’ve done our best to assemble a formidable combination of knowledgeable cinephiles and digital-disc experts to help expose some of the best, and often clandestine, digital packages that surfaced in the last 12 months. As well as many of our astute ListServ members choices this year we are proud to include esteemed journalists Jonathan Rosenbaum, Dave Kehr, Acquarello, Daryl Chin, author Stuart Galbraith IV, webmasters Daniel Stuyck Ross Willbanks, and Mikkel Leffers Svendstrup plus the staff of Slant Magazine and many more.“ (Gary Tooze)

Hier kann man noch zahlreiche Entdeckungen machen. Spitzenreiter sind Murnau, Borzage and Fox und The Films of Budd Boetticher (Presseerklärung).