Michel Gondry 2

15. April 2009

Wie DVDuell berichtet, hat Michel Gondry nach seiner ersten DVD auf dem Directors Label von Palm Pictures nun eine zweite Disc mit weiteren Musikvideos veröffentlicht. Michel Gondry 2: More Videos (Before and After DVD 1)“ läßt uns an weiteren genialen Werken dieser Bildopern der Popmusik teilhaben:

„Michel Gondry’s music videos feel as if they’ve been downloaded directly from his subconscious. Sometimes, they play like perfectly reconstructed dreams; at other times, they are pure, childlike invention; unfailingly, they are a reminder that Gondry is one of the most rambunctiously talented filmmakers working today.“ (Ain’it Cool News, 14.4.2009 mit einem Interview des Regisseurs)

Advertisements

Eisensteins Streik in neuer Ausgabe

11. November 2008

Die Cinémathèque de Toulouse hat in ihrer DVD-Reihe nach „La vendeuse de cigarettes du Mosselprom“ et „Verdun, visions d’histoire“ eine neue Restaurierung von Eisensteins Stummfilmklassiker „Streik“ herausgebracht.

Bisher galt die von David Shepard restaurierte Fassung von 94 Minuten Laufzeit mit der Musik des Alloy Orchestra und einem Kommentar des russischen Filmhistorikers Yuri Tsivian als die beste Version auf DVD. Grundlage war ein Interpositiv vom Kameranegativ, wobei die NTSC-Ausgabe aus den USA von Image Entertainment der britischen PAL-Version vorzuziehen war (ein Vergleich der amerikanischen und britischen Ausgabe siehe bei DVDBeaver).

Die Cinémathèque de Toulouse und Gosfilmofond bieten nun mit „La Grève“ eine weitere Restaurierung in einer etwas kürzeren Fassung von 88 Minuten mit einer neuen Musikeinspielung von Pierre Jodlowski („une composition électroacoustique“Details). Diese Musik dürfte das eigentlich Faszinierende dieser Neuausgabe sein. (Test dieser DVD)


DJ Spookey: Rebirth of a Nation

31. Oktober 2008

Der Stummfilmklassiker „Birth of an Nation“ von David W. Griffith ist nicht nur berühmt für seine innovative Filmästhetik, sondern auch berüchtigt für seine rassistische Botschaft. Im Mittelpunkt seines Heldengesangs auf die Wiedergeburt der Nation nach dem amerikanischen Bürgerkrieg steht der Klu Lux Klan.

Nun hat DJ Spookey That Subliminal Kid diesen Stummfilm musikalisch-politisch gesampelt:

„First released in 1915, D.W. Griffith’s BIRTH OF A NATION ignited worldwide controversy with its graphic depictions of racism and white supremacy in the post- Civil War south. Nearly 100 years later, Paul D. Miller – also known as conceptual artist/musician/writer DJ Spooky That Subliminal Kid – creates a daring ‘remix’ of Griffith’s epic to expose the film’s true meaning and relate it the socio- political conflicts of America today. Originally commissioned as a live multimedia performance, REBIRTH OF A NATION – now featuring an original score by Miller performed by Kronos Quartet – is ‘a DJ mix applied to cinema’ that challenges our legacy of revisionist history as it deconstructs one of the most influential and inflammatory movies of all time.“ (Anchor Bay/ DVD-Ausgabe)

Die DVD erscheint am 4. 11. in den USA, in etwas abgewandelter Form zur Live-Performance. Letzte Woche ist bei hometheaterinfo.com eine Rezension erschienen, die die DVD auch mit dem Auftritt von DJ Spookey auf dem Tribeca Film Festival vergleicht. Der Künstler selbst hat sich hier zu seinem Werk geäußert. Die Vorlage dazu, Griffiths Film „Geburt einer Nation“, ist in einer von David Shepard restaurierten Fassung mit deutschen Untertiteln bei Absolut Medien auf DVD erschienen.


Autism – The Musical

23. September 2008

Letzten Sonntag hat ein Dokumentarfilm den amerikanischen Fernsehpreis EMMY (Best nonfiction special) gewonnen, dessen Sujet zunächst paradox zu sein scheint: Autistische Kinder erarbeiten zusammen mit ihren Familien ein bühnenreifes Musical. Der Film „Autism – the Musical“ (HBO) von Tricia Regan zeigt die Arbeit von Elaine Hall mit den Kindern. Entstanden ist ein faszinierender Film über Menschen, denen es trotz aller Hemmnisse gelingt, im Spiel ihre Schranken zu durchbrechen:

„Eloquently attesting to the transformative power of theater, „Autism: The Musical,“ an upbeat docu about putting on a musical for, with and by autistic children, proves as riveting as it is revelatory. With diagnosed cases of the disease rapidly escalating in America throughout the last decade, this docu’s exploration of alternative methods of treatment seems opportune, not to mention downright joyous at times. Moving, dramatic, therapeutic and unburdened by reliance on talking heads, uplifting „Musical“ could claim a real shot at limited arthouse distribution before it finds a home on the small screen.

Like Scott Kennedy’s „OT: Our Town,“ about a socially disadvantaged group of kids mounting an amateur theatrical production against all odds, Tricia Regan’s film skillfully weaves the lives of its subjects around progressive stages of rehearsals over a period of six months — creating an organic arc that allows for a tremendous degree of information to be dispensed within the evolving storyline.

Each time the camera returns to a new run-through, the viewer has been granted increased familiarity and greater identification with the kids and their parents. As the film concerns a process of socialization whereby isolated figures onstage learn to relate to one another, so the film’s unfolding structure effects a process of socialization for the audience.“ (Ronnie Scheib, Variety)

Der Film ist bei Docurama auf DVD erschienen und in den USA bestellbar.


Der Rosenkavalier als Stummfilm

10. September 2008

Eine Oper als Stummfilm: Dort, wo „Der Rosenkavalier“, die komische Oper von Richard Strauss, 1911 uraufgeführt wurde, in der Dresdener Semperoper, fand 1926 auch die Premiere der Stummfilms „Der Rosenkavalier“ von Robert Wiene statt. Der Komponist selbst dirigierte seine umgearbeitete Instrumentalfassung für einen Film, der mit gigantischem Aufwand und über 10.000 Statisten gedreht worden war.

Der Film war lange Zeit nur in verstümmelten Fassungen zu sehen und wurde mehrfach rekonstruiert, 1979 in einer restaurierten Fassung aufgeführt und 1984 im Fernsehen mit einer von Armin Brunner überarbeiteten Musik, die er mit Zitaten anderer Strauss-Werke anreicherte. 2006 schließlich fand die Aufführung der vom Filmarchiv Austria zusammen mit anderen Archiven neu rekonstruierten Fassung am alten Ort der Uraufführung statt, in der Dresdener Semperoper, diesmal mit der ursprünglichen Instrumentalfassung:

Die Rosenkavalier-Filmmusik zählt zu den schönsten Filmmusiken der Stummfilmzeit und war lange Zeit in ihrer großen Besetzung nicht live zu hören. Anlässlich des 80-jährigen Jubiläums seiner Uraufführung wurde der Film rekonstruiert und am 06. September 2006 in der Semperoper zur Aufführung gebracht. Frank Strobel dirigierte die Sächsische Staatskapelle.“ (Frank Strobel: Das Rosenkavalier-Projekt)

Das Filmarchiv Austria hat eine DVD dieser Fassung zusammen mit einem umfangreichen Materialienband in seiner Reihe „Edition Film + Text“ veröffentlicht. Dort sind noch mehr faszinierende Titel zu finden, die bei den üblichen DVD-Anbietern nicht gelistet sind.


We Call It Techno!

30. August 2008

Ein Film über die frühe Zeit des Techno zwischen 1989 und 1993 in Deutschland: De:Bug stellt die DVD  „We Call It Techno!“ von Maren Sextro und Holger Wick vor, die im Juni 2008 erschienenen ist.  Die beiden produzieren das DVD-Magazin „Slices“ in Berlin, von dem bisher 10 Folgen erschienen sind. Dr. Motte meint zu ihrem neuen Film in seinem Blog:

„Obwohl die Musik 2009 ihren zwanzigjährigen Geburtstag feiert und die hiesige Szene im Ausland als Gralshüter verehrt wird, ist das Phänomen filmisch bisher nicht angemessen behandelt worden. „We Call It Techno!“ nimmt als erster Dokumentarfilm das Thema der ersten Jahre von Techno in Deutschland auf und entwickelt aus Interviews und zeitgenössischen Filmaufnahmen ein präzises, differenziertes Bild.

Innerhalb eines Jahres ist aus fünfzig Stunden Interviews mit dreißig Szene-Aktivisten, zahllosen Archivaufnahmen, Fotos, Flyern und Zeitungsausschnitten ein spannendes Bild der Anfangszeit von Techno in Deutschland entstanden. Maren Sextro und Holger Wick sind seit Langem selbst in der Szene aktiv und konnten auf ein über Jahre entstandenes Netzwerk zurückgreifen. Sie kontaktierten verschollene Legenden und durchforsteten unzählige, meist eingestaubte Privatarchive nach Zeugnissen vergangener Partys und Raves.“ (Dr. Motte)

… das Dokument einer Alltagskultur in Extase, erhältlich offenbar nur beim Sensemusic-Shop.


All you need is love

28. Mai 2008

Nein, hier ist nicht der Song der Beatles gemeint, sondern Tony Palmers 17teilige Fernsehserie „All you need is love“ zur Geschichte der Popmusik, eine Produktion für London Weekend Television von 1976 (!). Die Edition auf 5 DVDs, soeben in den USA und in Großbritannien, erschienen, ist nicht nur ein Stück Medienarchäologie, sondern erlaubt auch einen Rückblick in eine frühen Ära der Popmusik:

“ This was one of the first attempts to create a tv series on history of rock’n’roll. Since it was done in ’77, before punk, they connected the whole thing in pop context tieing it with crooners and jazz. I remember watching this show as a very young boy and it really made a mark on me, as well as the eclectic soundtrack it came with. The sountrack is what kept the memory of this show alive. (Zabic aus Baton Rouge. In: IMDb) (Rezensionen: Guardian ; EDGE)

Tony Palmer (Website) gehört zu den profiliertesten Musikdokumentaristen. Viele seiner Filme sind auf DVD erhältlich.