Netflix und DreamWorks

5. Januar 2016

Wie die Website Home Media Magazine soeben meldet, hat das Studio Dreamworks einen Vertriebs-Deal mit dem S-VoD-Anbieter Netflix abgeschlossen. Netflix wird damit weltweit zentraler Anbieter der Produktion des Studios und bekommt auch Zugriff auf die Filmbibliothek mit den Animationsfilmen des Studios – allerdings nicht für den chinesischen Markt. Hintergrund sind die finanziellen Schwierigkeiten von Dreamworks. Das hilft Netflix, wie geplant das Angebot für Kinder auszubauen.

„Netflix and DreamWorks Animation Jan. 5 announced updates to their current multiyear deal, making Netflix the global home — outside of China — to a number of new original series from the studio. The deal also covers streaming rights to the DreamWorks Animation feature film library…

The expanded agreement with Netflix comes as DWA continues to restructure internally — a strategy that saw layoffs and the sale of capital infrastructure in 2015. The studio reported a narrowed loss of $3.5 million (from $11.9 million year-over-year) in its most-recent fiscal period.

Indeed, some Wall Street analysts contend DWA is overly dependent upon Netflix to remain afloat financially.“ (Home Media Magazine)

 


Ethnographic Video Online

2. April 2011

Alexander Street Press aus den USA hat einen Fundus von 650 ethnographischen Filmen zu einer Ressource gebündelt und bietet sie als Etnographic Video Online im Streaming -Verfahren an. Im Mittelpunkt des neuen Angebots steht dabei nicht der einzelne Film. Der Filmpool ist als Ganzes rechier- und nutzbar. Streaming ersetzt hier nicht einfach physische Medien wie DVD und Blu-ray mit einer bequemeren Lieferungsart, sondern wird mit seinen spezifischen Möglichkeiten, z.B. unbegrenzter Speicherkapazität, zur Verknüpfung von hunderten Filmen zu einer neuen Einheit genutzt. Im Endausbau sollen 1.000 Filme mit einer Lauflänge von 750 Stunden in dieser Ressource zusammengeführt werden.

„Die vorwiegend englischsprachigen Produktionen, entstanden zwischen 1922 und 2009, stammen aus der ganzen Welt und reichen von einfachen, wenigen Minuten andauernden Video-Feldstudien, über Interviews bis hin zu professionell gestalteten Dokumentarfilmen in Spielfilmlänge. Die Filme, die sich von deskriptiven Dokumentationen bis hin zu dramatisierten Erzählformaten spannen, beschreiben fremde Kulturen, ihre Lebensbedingungen, Normen, Werte sowie Kulturtechniken. Dabei werden verschiedenste Blickwinkel auf Themen wie zum Beispiel Sprache und Kultur, Glaube und Magie, Rituale, Nahrung und Nahrungssuche, Rollenverteilung, Kastenwesen und Sklaverei, Krieg und Konfliktbewältigung gewährt.

[Der Kernbestand stammt von dem renommierten Vertrieb „Documentary Educational Resources“ (DER) , der von John Marshall und Timothy Asch mitbegründet worden ist]. Die Filmauswahl umfasst zahlreiche Klassiker von renommierten Anthrophologen, professionellen Dokumentarfilmern und Fotografen des 20. Jahrhunderts wie Robert J. Flaherty (1884-1951), Timothy Asch (1932-1994), Robert Gardner (*1925), John Marshall (1932-2005), David MacDougall (*1939), Jean Rouch (1917-2004), Melissa Llelewyn-Davies, John Bishop, David Plath u.v.m. (Alexander Street Press)

Reichhaltige Metadaten erlauben eine vielfältige Nutzung des Filmbestands. Die Datenbank kann indexbasiert nach verschiedenen Kriterien wie Titel, Untertitel/Transkript, Ethnologe, Verlag, Sprache, Veröffentlichungsdatum, Aufnahmedatum, Region, ethnische Gruppe, Schlagwort u.a. durchsucht werden. Weitere Features bilden Perma-Links, Standbild- und Playlist-Funktion, Clip-Funktion, verschiedene Bildauflösungsstufen, Notitzfunktion sowie die synchrone Darstellung von Filmaufnahme und Transkript.

Die Bildqualität ist zwar eingeschränkt  – Normalformat: 400 Kilobit/Sek. (400×308 Pixel), Vollformat: 800 Kilobit/Sek. (640×480 Pixel) für Windows Media Player -,  Alexander Street Press ist es allerdings gelungen, mit dem Streaming-Angebot etwas völlig Neues zu schaffen, nämlich aus einem Pool relevanter Filme ein neues Film- /Textmedium zu kreieren, ein einheitliches Studien-Werkzeug, mit dem man fremde Kulturen erkunden und individuell ethnologischen Fragen quer durch den Bestand nachgehen kann – und das alles mit den sinnlichen Qualitäten des Films. Herausragend sind dabei die Transkripte, die synchron zum Film mitlaufen, sowie die intensive Sacherschließung und die Möglichkeit, sich selbst eine Sammlung von Clips zusammenzustellen.

Dies ist umso wertvoller, als der Filmbestand hochklassig ist. Enthalten ist zum Beispiel John Marshalls Langzeitdokumentation „A Kalahary Family“, die in das Memory of the World Register der UNESCO aufgenommen wurde, oder Wang Bings fast 10stündige Dokumentation „Tie Xi Qu – West of the Tracks“ (als DVD in den Niederlanden erhältlich).  Die meisten dieser Filme könnte man allerdings aus finanziellen oder lizenzrechtlichen Gründen gar nicht selbst erwerben.

In Deutschland wird Ethnographic Video Online von Digento lizenziert.


Hollywood Reporter: Streaming in den USA

21. März 2011

Die neueste Ausgabe des Hollywood Reporter bietet eine Auflistung der Streaming-Anbieter in den USA. „How the assault on Netflix will shake Out“ beschreibt den harten Konkurrenzkampf auf diesem neuen Filmmarkt. Dazu gehört wohl auch, dass die genannten Zahlen manchen Kennern reichlich übertrieben scheinen.

Wie man hört, gibt Netflix sein altes Erfolgsmodell, das gesamte Marktangebot bereitzustellen, allmählich auf. Nischenfilme werden als Disc erst dann beschafft, wenn sich genügend Interessenten in die Warteschlange eingereiht haben.

Letzlich wird Streaming zum Verramschen von Filmen führen und die wirtschaftliche Verwertungsbasis schmälern.

„Practically daily, in fact, one studio or another is doling out a portion of its library to one of the big players or some upstart. Studio execs who are crafting such deals are trying to strike the perfect balance: big enough to profit from the digital gravy train but small enough so as not to cannibalize their DVD businesses…

But studios are also terrified of the trend toward renting streaming media rather than purchasing it. Consumers wonder why they should buy digital movies for what they’d pay for a physical DVD that is loaded with extras. To sweeten the digital deal, Sony has introduced some enhancements: a search function that uses facial recognition and speech-to-text software; Clip & Share, allowing viewers to share clips on Facebook and Twitter; and an interactive music playlist that links to movie scenes and the iTunes Store.“

So könnte Film bald im allgemeinen Rauschen untergehen.

Für die Majors ist das Geschäft mit physischen Medien jedoch nach wie vor wichtig. So fürchtet man bereits Engpässe bei der Replikation von Blu-rays im 4. Quartal 2011 (Blu-ray Replication Shortfall in Q4?).  Man kann nur hoffen, dass auch viele „kleinere“ Filme in diesem Format erscheinen werden.


Dave Kehr: Goodbye, DVD. Hello, Future

9. März 2011

Dave Kehr geht in seinem Artikel  „Goodbye, DVD. Hello, Future“ in der New York Times  vom letzten Freitag auf die Zukunft von DVD und Blu-ray ein. Die Überschrift wurde offenbar bewusst in Anlehnung an einen anderen Beitrag gewählt, der gerade die DVD als Medium des cinephilen Diskurses gegen das Kino verteidigt, nämlich Jonathan Rosenbaums „Goodbye Cinema, Hello Cinephilia“ (siehe auch das Buch dazu).

„The times they are changing“, um einmal Bob Dylan zu zitieren. Aber singt Dave Kehr nicht das hohe Lied der Medienkonzerne? Wenn wir einmal von DTO, dem auch sehr nachteiligen Download to Own-Verfahren absehen, heißt Filme online zu nutzen meist Streaming. Das funktioniert wie die kleine Box in Luis Buñuels Film Belle de Jour, mit der ein Freier die Damen im Bordell erschreckt und fasziniert. Streaming heißt, jedes Mal wenn man hineinsehen will, muss man zahlen. Das ist der Traum aller Rechteinhaber. Und wenn es ihnen gefällt, können sie das Kästchen für immer verschließen. Den Käufer eines Films schützt jedoch der „Erschöpfungsgrundsatz“. Ihm gehört das Medium mit dem Film.  Die Rechte des Urhebers an dem „Werkstück“ sind erloschen.

Im Blog von Dave Kehr läuft unter dem Titel „Back to the Future“ zur Zeit eine spannende Diskussion um die von ihm aufgeworfenen Fragen.


Schöne neue Welt: UltraViolet

21. Juli 2010

Filme in der Cloud: Um die neue Videoplattform Ultraviolet hat sich in den USA eine beachtliche Gesellschaft versammelt, ein Konglomerat von 58 Firmen und Konzernen, u. a.: Warner, Paramount, Sony, Fox, Comcast, Cox, Best Buy, Nokia, Motorola, Netflix, Dolby, Panasonic, Samsung, Microsoft, HP, IBM usw. Nur Disney und Apple fehlen.Ultraviolet, ehemals Digital Entertainment Content Ecosystem, soll das Abspiel beliebigen Filmcontents auf beliebigen Geräten erlauben:

„UltraViolet aims to complement purchased physical media for consumers by allowing content to be stored online and easily accessible for a broad range of devices and platforms, including connected TVs and set-tops, PCs, gaming consoles, smartphones, tablets and more. Consumers will be able to download, stream or burn a DVD for their content for registered devices registered on the site.“ (Home Media Magazine)

– siehe auch:

Versprechen und Absicht stellen sich so dar:

UltraViolet is being designed so that UltraViolet-enabled content, devices and services can give consumers the freedom to experience movies and TV shows like never before.“ (UltraViolet)

Errichtet wird hier wohl eher die totale Kontrolle mit einer gigantischen Registratur jeder Nutzung:

„Consumers will be able to download, stream or burn a DVD for their content for registered devices registered on the site.“ (Home Media Magazine)


Futurezone : Kino und Internet

20. Februar 2010

Auf der Online-Seite futurezone des ORF setzt sich Ekkehard Knörer mit der allseitigen Verfügbarkeit des  Films durch Digitalisierung und Internet auseinander. Konfiguration Kino entfaltet das Thema in (bisher) 4 Aufsätzen: Das Internet als Kino der Zukunft, Netzkino: Von den Piraten lernen, Filter für die Bilderflut und Das Kinoerlebnis als Kopierschutz:

“ Die Cinephilie gehört irreduzibel zu dieser Konfiguration, sie verbindet als einziger Diskurs die sonst oft getrennten Sphären von Bildindustrie, Normalrezeption, Feuilleton und Akademie. Deshalb ist es von weit mehr als nur nebensächlicher Bedeutung, dass die Institutionen der Cinephilie – nämlich: die kuratorisch betriebenen Kinos, die einschlägigen Zeitschriften und Verlagsreihen, auch die Festivals – mit den Umbrüchen konfrontiert sind, die die Digitalisierung und das Internet brachten und bringen. Die längerfristigen Folgen sind noch kaum absehbar, aber wichtige Konfrontationslinien und neue Praktiken und erste Versuche der Reflexion zeichnen sich ab.In der Folge soll es genau darum gehen: Wie die Digitalisierung nicht nur gegenwärtige Diskurse und Praktiken des „Kinos“, sondern auch dessen Geschichte (genauer: den Blick darauf) verändert. An vielen Beispielen werde ich mich in den nächsten Wochen mit dem Wandel von Rezeptionsgewohnheiten, filmischem Material, erzählerischen Verfahren und mit der Bedeutung von Verfügbarkeit, Kopierbarkeit und der gewaltigen Ausdifferenzierung von Bewegtbildformen befassen.“ (Ekkehard Knörer in „Konfiguration Kino:  Das Internet als Kino der Zukunft“)

Bevor wir uns genauer mit diesen spannenden Thesen beschäftigen können, hier einige Anmerkungen:

  1. Wer hat am meisten für die Filmkultur in einem Land getan? Reed Hastings, der Gründer von Netflix. 100.000 Filmtitel sind auch im kleinsten Ort der USA zugänglich, recherchierbar über eine erstklassige Datenbank.
  2. Der Aufstieg der DVD als Universalmedium für die weltweite Verbreitung von Filmen ab 1998 ist eng mit der gleichzeitigen Entwicklung des World Wide Web ab 1994 verknüpft: Das Web als Vertriebs- und Verständigungsmedium. Erst dadurch konnte eine neue Form der Filmkultur entstehen – siehe Manhola Dargis: The Way We Live Now: The 21st-Century Cinephile.
  3. Onlinefilm erweitert den Radius noch einmal. Das muss nicht illegal und von schäbiger Qualität sein. Jüngstes Beispiel für ein sich immer breiter entwickelndes Angebot ist die African Film Library aus Afrika. Der südafrikanische Satelliten-TV-Konzern M-Net, ein afrikanischer Mediengigant, hat mit großen Summen die Lizenzen von über 600 afrikanischen Filmen zusammengekauft (sie wurden bisher weitgehend von Europäern gehalten!), um das afrikanische Filmerbe zu bewahren und es weltweit zugänglich zu machen. Eine Beta-Site soll diese Filme bald in HD-Qualität gegen Gebühr zugänglich machen.
  4. Filme sehen: Wichtig ist der Unterschied zwischen einem selbstleuchtenden und einem reflektierenden Display. Filme auf großer Leinwand zu sehen, ist nicht an ein Kino gebunden. Man kann es auch privat tun, gemeinsam mit Freunden, wie in einem Salon. Das geht auch öffentlich – siehe 5.
  5. Das (cinephile) Kino als kultureller Ort wird aufblühen, wenn es sich die neuen Möglichkeiten zunutze macht – siehe auch hier. Dazu ein Zitat von Dieter Kosslick:

    „Zum Beispiel haben wir hier am Potsdamer Platz den unglaublichen Luxus, neben den vielen Kinos zwei ausgewiesene Filmkunst-Institutionen zu besitzen: das Film- und Fernsehmuseum und das Arsenal. Mit beiden arbeitet die „Berlinale“ eng zusammen, wir veranstalten jährlich eine gemeinsame Retrospektive mit dem Filmmuseum, und das „Forum des jungen Films“ spielt im Arsenal. Was spricht eigentlich dagegen, unsere Häuser konzeptionell vielleicht noch enger zu vernetzen, eine Art audiovisuelles Humboldt-Forum zu errichten, mit Café, Bibliothek, Kinos und integriertem Gesamtkonzept? Mit einer freien, unabhängigen, „wilden“ Programmierung aus Historie und Gegenwart, die dazu führen könnte, dass sich die Leute, ohne erst das Programmheft studieren zu müssen, vollkommen auf uns verlassen können… Da schließt sich der Bogen zu dem, was ich am Beginn unseres Gesprächs gesagt habe: Wir treffen eine besondere Auswahl für ein offenes, interessiertes, das Kino liebendes Publikum. Ich weiß, dass auch andernorts über so etwas nachgedacht wird, in Sydney, Toronto oder Pusan. Warum also nicht in Berlin? Wenn man zehn Tage lang einen Boulevard der Stars macht, im Februar vor dem „Berlinale“-Palast, warum dann nicht auch das ganze Jahr über einen Boulevard der Filmlust?“ (Boulevard der Filmlust: Dieter Kosslick über Aufgaben, Sorgen und Visionen eines „Berlinale“-Direktors. In: Film-Dienst 3, 2010)


Sita sings the blues: ein Open-Source-Film in 35mm

12. Mai 2009

 

Nina Paley hat ihren Animationsfilm „Sita sings the blues“ ,  dessen besondere Qualität wir hier schon gewürdigt haben, in allen Fassungen frei ins Netz gestellt. Sie vertraut dabei auf die Open-Source-Kultur:

„Dear Audience,

I hereby give Sita Sings the Blues to you. Like all culture, it belongs to you already, but I am making it explicit with a Creative Commons Attribution-Share Alike License. Please distribute, copy, share, archive, and show Sita Sings the Blues. From the shared culture it came, and back into the shared culture it goes.

You don’t need my permission to copy, share, publish, archive, show, sell, broadcast, or remix Sita Sings the Blues. Conventional wisdom urges me to demand payment for every use of the film, but then how would people without money get to see it? How widely would the film be disseminated if it were limited by permission and fees? Control offers a false sense of security. The only real security I have is trusting you, trusting culture, and trusting freedom…

The old business model of coercion and extortion is failing. New models are emerging, and I’m happy to be part of that. But we’re still making this up as we go along. You are free to make money with the free content of Sita Sings the Blues, and you are free to share money with me. People have been making money in Free Software for years; it’s time for Free Culture to follow. I look forward to your innovations. (Nina Paley)

Ninja Paley hat auch ein Wiki eingerichtet, um die Verbreitung des Films  zusammen mit allen Interessierten zu verbessern und Ideen und Beiträge dafür zu sammeln, z. B. Untertitelfassungen in verschiedenen Sprachen.

Die Filmhistorikerin Kristin Thompson hat in ihrem Blog „Observations on film art and Film Art“ den Film, die besondere Ästhetik der verschiedenen technischen Trägermedien und seine ungewöhnliche Vertriebsform vorgestellt. Darin stellt Nina Paley dar, wie die besondere Wirksamkeit der Open Source-Kultur die verschiedenen Verbreitungsformen verstärkt:

„When I decided to give it away free online, what finally made me realize this was viable was when I realized that this didn’t mean it wouldn’t be seen on the big screen, that the internet is not a replacement for a theater. It’s a complement. Many people will see it online and go, “Wow, I wish I could see this on the big screen!” And so they can, and some people like to see it more than once. Another thing is, you see it online, and that increases the demand for the DVDs. So it’s the opposite of what the record and movie industries say. Actually, the more shared something is, the more demand there is for it. [applause] (Nina Paley im Interview)

Die DVD ist „almost ready“ und kann hier vorgemerkt werden.