DVD Schattenkampf – Europas Résistance gegen die Nazis

13. Oktober 2011

Die 5-stündige Fernsehserie über die europaweite Widerstandsbewegung gegen das Dritte Reich von Bernard George, die gestern auf Arte anlief, erscheint auf DVD  in Frankreich in der nächsten Woche und in Deutschland im November (absolutmedien) :

„In ganz Europa – von Paris bis Warschau, von Athen bis Kopenhagen und von London bis Moskau – bildeten sich zwischen 1939 und 1945 Widerstandsgruppen gegen die brutale Gewalt und die Barbarei des NS-Regimes. Auch wenn sie nur eine Minderheit waren, bekämpften sie den Nationalsozialismus mit allem, was ihnen zur Verfügung stand. Und setzten dabei ihr Leben aufs Spiel. Die Dokumentationsreihe »Schattenkampf« beleuchtet erstmals die Geschichte des Widerstands im Zweiten Weltkrieg in seiner ganzen europäischen Dimension. Mit Hilfe der Erzählungen zahlreicher Zeitzeugen, darunter dem ehemaligen Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel (EMPÖRT EUCH) und Simha Rotem (SHOAH), und bisher unveröffentlichtem Material aus Privatarchiven wird ein neuer Blick auf die Widerstandsbewegungen im Zweiten Weltkrieg möglich. In den sechs Teilen der Reihe fügen sich die vielen Einzelschicksale zu einem großen europäischen Gesamtbild des Widerstands zusammen.“ (absolutmedien)

Die Serie basiert im wesentlichen auf Zeitzeugenaussagen und Unterlagen aus Privatarchiven. Das Projekt macht also authentische Erfahrungen zugänglich, die man nicht mehr lange hätte gewinnen können:

„DIE ZEUGEN: Wladyslaw Bartoszewski, Simha Rotem, Baruch Shub, Maria Stypulkowska-Chojecka, Jorgen Kieler, Knud Pedersen, Gunnar Dyrberg, Ragnar Ulstein, Gunnar Kvaerk, Andrée Dumont, Wim Van Norden, Stéphane Hessel, Robert Salmon, Robert Maloubier, Per Mortensen, Marcel Frankson, Juraj Hrzenjak, Adam Dupalo, Epaminondas Spiliotopoulos, Apostolos Santas, Manolis Glezos, Hans Heisel, Truus Menger-Oversteegen, Themis Marinos, K. W. Skraastad, Ursula Katarzynska, Piotr Braiko, Oleinik Anatoli Mihailovitch, Elimelech Melamed, Freddie Dekker-Oversteegen, Hans Heisel, Ragnar Ulstein, Robert Maloubier, Joachim Ronneberg, Nikolaos Zervas, Andrée Gueulen, Henriette Hanotte, Rosario Bentivenia, Jean Carraz, Gunnar Sonsteby, Ettore Serafino, Emenegildio Guldi, John Earle, Olga Zivkoviv, Uros Susteric, Elmernegildo Bugni, Marie-Jo Chombart de Lauwe, Ennio Tassinari, Janusz Brochwicz-Lewinski, Maria Veikou, Manolis Glezos, Michael Ward, Marisa Teresa Sacco, Pierre-Paul Baaten“ (absolutmedien)

 

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Welt am Draht: New Master

1. Februar 2010

Nach 37 Jahren wieder zugänglich: Am 14. Februar hat die restaurierte Fassung von Rainer Werner Fassbinders „Welt am Draht“ auf der Berlinale ihre Weltpremiere. Am 18. Februar erscheint sie auf DVD. Damit hat die Bavaria Film nach “Berlin-Alexanderplatz” einen weiteren Titel aus ihrem Rechtepool restauriert, um ihn international auf DVD zu vermarkten. Arthaus hat heute eine Presseerklärung dazu veröffentlicht (Auszug):

„Es ist eine Wiedergeburt“, findet Michael Ballhaus – und er muss es wissen. Ballhaus, einer der bedeutendsten Kameramänner des deutschen und internationalen Films, fungierte vor 37 Jahren als Director of Photography. WELT AM DRAHT: NEW MASTER zeigt den Zweiteiler jetzt in seiner originalen Schönheit. „Wir sind den ganzen Film durchgegangen, haben ein Colour-Grading gemacht und geschaut, wo es eventuell heller und dunkler sein darf“, so Ballhaus. Und weiter: „Wir haben den Film gesäubert, einige Schrammen und Ablagerungen entfernt – damit ist das Bild sehr klar und hell. Ich muss sagen, er sieht jetzt fantastisch aus.“ (Arthaus News)


DDR-TV-Archiv auf DVD

1. Juli 2009

Wie das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) schon im Mai bekanntgegeben hat, werden ab Oktober 2009 TV-Sendungen des Deutschen Fernsehfunks auf DVD erscheinen. Sie sollen unter dem Label „DDR-TV-Archiv“ veröffentlicht werden. Der erste Katalog soll im August vorgestellt werden:

„Das Programmvermögen des ehemaligen Deutschen Fernsehfunks (DFF) / Fernsehens der DDR wird nun auch über den Handel zugänglich gemacht und erscheint unter der Marke „DDR-TV-Archiv“ in einer Auswahl ab Oktober 2009 auf DVD. Die Auswertung erfolgt über die Verwertungstöchter RBB Media, Studio Hamburg D&M und Telepool.
Ende April fand hierzu eine konstituierende Beiratssitzung mit Vertretern der „Erben“-Sender MDR, NDR, RBB und der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv statt. Die Titel, die als erstes auf DVD im Handel erhältlich sind, werden im August bekannt gegeben.
Die Fernseh-Bestände des Deutschen Rundfunkarchivs Babelsberg, in dem dieser TV-Programm-Schatz bewahrt und erschlossen wird, umfassen den Zeitraum der ersten Sendung des DFF am 21. Dezember 1952 bis zur Einstellung des Sendebetriebs am 31. Dezember 1991.
Alle Beteiligten haben sich darauf verständigt, dieses Programmvermögen nachhaltig, umfassend und verantwortungsvoll der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Presseerklärung des DRA vom 20.5.2009 (pdf).

Bisher wurden diese Filme nicht im Handel angeboten, im Gegensatz zu den Kinofilmen aus dem Rechtepool der DEFA-Stiftung, die von Icestorm veröffentlicht werden.

Das DRA verwaltet in seiner Zweigstelle in Potsdam das gesamte Programmvermögen des DFF/Fernsehen der DDR. Während die Archive der westdeutschen Rundfunkanstalten weder für die Öffentlichkeit, noch für die Wissenschaft zugänglich sind – übrigens einer der ganz großen Skandale der Informationsverhinderung in Deutschland und ein Zeichen für den feudalen Charkter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hierzulande – ist das Erbe des Rundfunks der DDR allen frei zugänglich. Wer will, kann sogar für private Zwecke gegen eine geringe Gebühr Fernsehsendungen auf Video bestellen.

Leider wird dieses großzügige Angebot eines offenen Archivs dadurch eingeschränkt, dass sich das DRA bisher weigert, den vorhandenen elektronischen Katalog frei ins Web zustellen. Man möchte damit die Nutzung so gering wie möglich halten – auch dies zweifellos nicht zeitgemäß und der Wissenschaft nicht förderlich (Katalogauskunft unter Telefon 0331/5812-222 oder E-Mail: zentraleinformation@dra.de )


Shakespeare’s An Age of Kings

31. März 2009

Heute erscheint in den USA ein Stück Fernsehgeschichte der BBC erstmals auf DVD: Die Live-Inszenierung von Shakespeares (gekürzten) Königsdramen Richard II, Henry IV, Henry V, Henry VI und Richard III in chronologischer Reihenfolge, 86 Jahre überspannend. Die 15-teilige Serie wurde 1960 live ausgestrahlt und dabei auf Film aufgezeichnet. Das Ensemble von „An Age of Kings“ umfasst in den Hauptrollen David Andrews (Lord Hastings), Patrick Garland (John of Lancaster) und Julian Glover (Earl of Westmoreland), in Nebenrollen Judi Dench und Sean Connery, 2 Jahre vor seinem ersten Bond-Film. Insgesamt gibt es über 600 Sprechrollen:

„Unlike many BBC productions of the time, An Age of Kings has been preserved in its entirety, and it makes fascinating viewing, both in its own right and in comparison with the later BBC Television Shakespeare cycle (1978-85).“ (Michael Brookie in Screen Online)

Zu diesem faszinierenden Pionierprojekt des Fernsehens bietet Internet Shakespeare Editions mehr Details und die Beschreibung der einzelnen Folgen.


Grimme-Preis 2009

25. März 2009

Heute sind in Marl die Grimme-Preisträger bekanntgegeben worden. Die Begründungen der Jury finden sich auf den 18 Seiten der Broschüre „45. Adolf-Grimme-Preis 2009 – Die Preisentscheidungen im Überblick“. 7 der 15 Preisträger sind bereits als DVD erschienen. Weitere werden sicherlich noch folgen, vor allem Nicole Weegmanns aktuelles Drama „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ (Fotos und Trailer).

Während die FAZ an der Nichtbeachtung der üblichen Geschichtsstücke herummäkelt, feiert sie dennoch den Film von Nicole Weegmann:

„Auf unheimliche und grausame Weise hat der Massenmord von Winnenden gezeigt, dass das deutsche Fernsehspiel auf der Höhe der Zeit ist. Sich um die Schule als Stellvertreterkriegsschauplatz der Gesellschaft zu kümmern, darin hat sich gerade der WDR Meriten erworben. In den beiden vergangenen Jahren mit den Filmen „Wut“ und „Guten Morgen, Herr Grothe“, nun mit „Ihr könnt euch niemals sicher sein“, das zudem durch den herausragenden Hauptdarsteller Ludwig Trepte hervorsticht. Darauf kann man sich beim WDR wirklich etwas einbilden, mit seinen Filmen ist der Sender so nah an den jungen Leuten, wie es die ARD mit ihrem Programm ingesamt gern wäre.“ (Mogadischu fehlt! In: FAZ.net)


Studio One Anthology

10. November 2008

Die amerikanische Academy of Television Arts & Sciences Foundation, die auch den renommierten Fernsehpreis EMMY verleiht, hat mit ihrem Archive of American Television eine DVD-Reihe gestartet. Die erste Ausgabe von „Archive of American Television Presents“ ist der Sendereihe „Studio One“ gewidmet. Die Edition Studio One Anthology“ enthält 17 Folgen aus der Zeit des frühen Live-Fernsehens, darunter auch die verschollene, erst 2003 wiederentdeckte Episode „Twelve Angry Men“, die die Vorlage für den klassischen Kinofilm von Sidney Lumet bildete:

„All the episodes included in the stunning STUDIO ONE ANTHOLOGY have been produced from kinescopes – film recorded off of the television monitors before the advent of commercial videotape. Many kinescopes from the period, however, have been lost or are irreparable. Luckily, in 1997, during the demolition of the former Westinghouse (the sponsor for „Studio One“) factory in Mansfield, Ohio, a foreman came across rotting boxes in a shed. While his instructions were to throw away all materials, he noticed the CBS logo and initiated a process that resulted in the discovery and preservation of hundreds of hours of film, which were thought to have been lost forever.

One of the most exciting inclusions in the STUDIO ONE ANTHOLOGY, Reginald Rose’s historic „Twelve Angry Men,“ was only recently found in a private collection. The complete program was thought to have been lost for many years. Then in 2003, a filmmaker, who was working on a documentary about noted defense attorney Samuel Leibowitz, found a kinescope copy in the Leibowitz archives. Having a profound interest in legal issues, the attorney requested and received „Twelve Angry Men“ directly from CBS shortly after it aired.“ (Archive of American Television)

Die DVD ist ab morgen in den USA lieferbar. Im nächsten Jahr sind weitere Folgen geplant, u.a. Budd Schulberg’s What Makes Sammy Run?.


Beyond the Multiplex

7. Juli 2008

Barbara Klinger hat die noch wenige bekannte Kultur des Heimkinos untersucht. In ihrem Buch „Beyond the Multiplex: Cinema, New Technologies, and the Home“ (University of California Press) nimmt sie sich fünf Aspekte dieser kulturellen Alltagspraxis vor:

  • Die Liebhaber von High End-Technik für das Kino zuhause.
  • Die Sammler von Filmen auf DVD nach der Ära der Videokassette.
  • Das Kabelfernsehen als Medium der nationalen Filmgeschichte am Beispiel von American Movie Classics (AMC).
  • Das Vergnügen, Filme nach eigenen Wünschen mehrfach ansehen zu können.
  • Das Genre des parodistischen Kurzfilms im Web.

Leider werden diese spannenden Themen nicht wirklich erforscht, wie es vielleicht ein Ethnologe mit seinem Instrumentarium machen könnte. Lediglich die Texte der Beteiligten, vowiegend die der Anbieter, werden mit den Methoden der Cultural Studies untersucht. Das gilt vor allem für die ersten drei Kapitel:

„In previous chapters I have concentrated on the home’s discursive construction as an exhibition venue for cinema, registering viewers‘ reactions indirectly through industry sources, newspaper and magazine articles, Web sites, and scholarly accounts.“ (Barbara Klinger, S. 137)

Daraus entsteht ein Bild, das sich nur teilweise mit der Wirklichkeit einer neuen Medienpraxis deckt, da es lediglich die Absichten der Medienindustrie reflektiert. Die ehemaligen Konsumenten sind jedoch mit den Instrumenten, die das Internet bietet, aus ihrer passiven Rolle herausgetreten und beeinflussen mit ihrer eigenständigen Öffentlichkeit in Foren, Blogs und anderen Webangeboten über nationale Grenzen hinweg nachweislich so stark die Publikationspraxis der Medienindustrie, dass man von einer neuen Art von Filmkultur sprechen kann (siehe „The 21st Century Cinephile“). Das gerät in solchen Studien reiner Textexegese jedoch aus dem Blick.

Wissenschaftliche Arbeiten, die mit Begriffen wie „textual“, „narrative“, „rhetoric“, „discursive“ hantieren, sind also mit Vorsicht zu genießen. Ihr Erkenntniswert ist eingeschränkt. Die Literaturliste und der Anmerkungsapparat in Barabara Klingers Buch sind jedoch sehr lohnend.