Segundo de Chomon

30. Oktober 2010

Cameo in Spanien hat eine Edition mit Filmen von Segundo de Chomón veröffentlicht.  Segundo de Chomón, el cine de la fantasía enthält 31 restaurierte Filme dieses Sinnesverwandten von George Méliès, die er von 1903 bis 1912 gedreht hat. Dazu gibt das 112 seitige Beiheft „Segundo de Chomón. Más allá del cine de atracciones“ von Joan M. Minguet auf Englisch, Spanisch und Katalanisch.

Damit liegt zum ersten Mal eine umfassende Sammlung dieses bedeutenden Erfinders des phantastischen Films vor, wenn man einmal von schlechten Public Domain-Ausgaben absieht. Nur einzelne Titel wie „Le scarabée d’or“, „Ali Baba et les quarantes voleurs“ oder „Les roses magiques“ waren in verschiedenenen Samplern des frühen Films auf DVD erschienen.

Die Filmoteca de Catalunya in Barcelona hat nun diese Edition und ein neues Buch über De Chomón herausgebracht, das auch auf Englisch erscheinen wird. Beides trägt dazu bei, dieses fast vergessene Genie der frühen Filmkunst wiederzuentdecken. Seine Filme touren zur Zeit durch die Welt (New York Film Festival):

„Little discussed in film history or academic circles, Segundo is every bit the equal of the much-better-known Frenchman (creator of such canonized masterpieces as A TRIP TO THE MOON), and his extensive body of work is more diverse. Until now it has been difficult to see any representative survey of Chomón’s hundreds of films, many of which have been lost over the decades. It’s finally time for film audiences to embrace Segundo de Chomón alongside Méliès and others in the pantheon of early-cinema greats.“ (Anthology Film Archives)

Einen kleinen Eindruck seines Witzes bietet der Klassiker „Das elektrische Hotel“:

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Edition Der österreichische Film 151-175

26. Oktober 2010

Jetzt ist schon die 5. Staffel der Edition Der österreichische Film erschienen (Bericht im Standard). Mit 175 DVDs liegt damit eine Sammlung nationaler Filmkultur vor, die nirgendwo sonst ihresgleichen findet –  u. a. ein Verdienst der beiden Kuratoren Ernst Kieninger und Clauss Phillip. Sie gehören zu jenen cinephilen Multiplikatoren, die der Film-Dienst in seinem neuen Heft mit dem Schwerpunkt Österreich (Zusammenstellung Olaf Möller) als ganz wesentlich für die Filmkultur in diesem kleinen Land ansieht:

„In welchem anderen Land ließe sich eine nationale DVD-Edition wie „Der österreichische Film“ stemmen, die inzwischen 150 Werke umfasst und von Gustav Machatý („Ekstase“) über Wolfgang Liebeneiner („1. April 2000“) und Franz Antel („Der Bockerer“) bis zu Lisl Ponger („Passagen“) und Stefan Ruzowitzky („Tempo“) nahezu alle Facetten umfasst, die zwischen Vorarlberg und dem Burgenland je auf Laufbildern fixiert wurden? (Die Edition, herausgegeben von der Tageszeitung „Der Standard“, soll im Frühsommer auch in Deutschland vertrieben werden.) Für Österreich lässt sich jedenfalls der glückliche Umstand attestieren, dass die Kreativität der Macher auf das Talent cinéphiler Multiplikatoren trifft, die den Werken einen ihnen gebührenden Reflexionsraum verschaffen.“ (Film-Dienst 22/2010:  Filmland Österreich)

In Deutschland kommt lediglich die kleine F.A.Z.-Filmedition „Momente des deutschen Films“ in die Nähe des österreichischen Projekts (siehe dazu den  Artikel von Claudius Seidl). So hat ein großes Land eine kleine Filmkultur und ein kleines eine große. Warum das so ist, dieses Geheimnis verrät uns Josef Hader:

„Film meint bei uns grundsätzlich Kino mit künstlerischem Ansatz. Ein kommerzielles Kino ist ja gar nicht möglich. Man kann in einem Land mit achteinhalb Millionen Einwohnern keine Filme mit eigenem Geld und der Aussicht auf Gewinn machen. Wenn einer in Deutschland eine flotte Plastikkomödie dreht, lässt sich damit viel Geld verdienen. In Österreich geht das nicht, weil die Filme viel zu teuer sind, um kommerziell erfolgreich zu sein. Es ist deshalb eine spezielle Fördersituation entstanden, in der man immer ein künstlerisches Gremium braucht, das die einzelnen Projekte gutheißen muss. Arthouse ist aus diesem Grund in Österreich ein gewinnbringendes Konzept. Jede Produktionsfirma strebt danach, Filme zu machen, die auf Festivals laufen, weil man über die Zuschauerzahlen in Österreich allein nie Erfolg haben kann. Das heißt aber auch, dass die Filmszene eine sehr künstlerische Szene ist. Dort herrscht generell die Ansicht, dass man etwas über die Gesellschaft aussagen sollte, wenn man einen Film macht. Außerdem gibt es eine Art stillschweigender Übereinkunft, dass man sich dabei den Schattenseiten der Gesellschaft widmet – was der Kunst ja gut ansteht.“ (Josef Hader:  Auf Arthouse abonniert – Josef Hader im Gespräch. In: Film-Dienst 22/2010)

Alle Filme der Gesamtedition können bei Hoanzl in Österreich bestellt werden. Von den 25 Titeln der 5. Staffel sind 7 bereits als DVD erschienen, doch die anderen 18 sind brandneu. Infos zu den ersten beiden Staffeln hier und hier.


Record Again! 40 Jahre Videokunst Teil 2

25. Oktober 2010

Die Studienedition Record Again! 40 Jahre Videokunst Teil 2 ist jetzt auf 12 DVDs erschienen. Sie macht  die frühe deutsche Videokunstszene wieder sichtbar, die längst in obsoleten Aufzeichnungsformaten unrettbar versunken schien.

Christoph Blase und sein Team  habe diese Werke im sehr exotisch wirkenden Labor für antiquierte Videosysteme – laut ZKM eine „digitale Arche Noah“ wieder auf den Bildschirm gebracht. Zunächst einmal mussten die Abspielgeräte mühsam zusammengesucht und zum Teil selbst erst restauriert werden, bevor man die Bänder auf ihnen abspielen und im Feintuning mit viel Fingerspitzengefühl auf aktuelle digitale Formate übertragen konnte – Genaueres dazu bei Christoph Blase: Vom magnetischen „Altbild“ zum digitalen „Neubild“.

Die Box ist nur für Bildungseinrichtungen beim ZKM-Shop erhältlich. Infos zu Teil 1 hier.


2010 Björnsterne Björnson Jahr auf DVD

16. Oktober 2010

Das Norwegische Filminstitut hat zusammen mit der Nationalbibliothek eine DVD-Edition mit 3 Literaturverfilmungen von Werken Björnsterne Björnsons herausgegeben, darunter 2 Stummfilme:

„Celebrating the 2010 Bjørnsterne Bjørnson anniversary we are proud to present, for the first time on DVD, a collection of the earliest film versions of his famous pastorals: two Swedish silent films, Synnøve Solbakken and A Dangerous Proposal (Et Farlig frieri ), both from 1919, and the early Norwegian sound film, A Happy Boy (En glad gut), from 1932. The films are all intertitled or subtitled in English, as well as in Norwegian and Swedish.“ (NFI)

Alle Filme sind restauriert worden, die Musik für Synnøve Solbakken wurde neu eingespielt, und zwar von keinem geringeren als Matti Bye. Die DVD kann beim NFI bestellt werden.


André Delvaux Collection

16. Oktober 2010

Die Cinematek in Brüssel bringt 6 Werke von André Delavaux auf DVD heraus, dazu Kurzfilme und Dokumentationen von ihm.  Die Filme sollen bis 2012 im Halbjahresrhytmus erscheinen:

„CINEMATEK pays homage to the unique films of Belgian film maker André Delvaux and publishes a whole collection devoted to his work. Over a period of 2 years (from October 2010 to December 2012) six films will be restored and made available in a DVD format. A bonus DVD will complete the edition with lesser-known short films and documentaries, together with a portrait of the film maker.“

Die André-Delvaux-Collection wird folgende Titel umfassen:

L’oeuvre au noir (The Abyss – 1988, feature film based on the novel by Marguerite Yourcenar)

Benvenuta (1983, Delvaux’s biggest box office success based on a novel by Suzanne Lilar)

Femme entre chien et loup (Woman between Wolf and Dog – 1979, feature film based on a text by Ivo Michiels)

Belle (1973, feature film original screenplay)

Rendez-vous à Bray (DVD) (Appointment in Bray – 1971, feature film based on a short story by Julien Gracq)

L’homme au crâne rasé (The Man who had his Hair cut short – 1965, first feature film based on a novel by Johan Daisne)

A bonus DVD with lesser-known short films and documentaries, together with a portrait of Delvaux

Die beiden letzten Filme waren bereits in Belgien (Rendez-vous à Bray) und Frankreich (L‘ homme au crâne rasé) in reichhaltig ausgestatteten Editionen  jeweils mit englischen Untertiteln erschienen. L’oeuvre au noir ist bereits lieferbar (die französische Ausgabe hat offenbar keine engl. Untertitel).

Nebenbei bemerkt: Die Cinematek bietet auch eine neue DVD mit dem einzigen Spielfilm von Luc de Heusch an:  Jeudi on chantera comme dimanche (mit engl. Untertiteln).


Gaumont öffnet Archive

2. Oktober 2010

Auch Gaumont in Frankreich folgt dem Weg von Warner (Warner Archive), Sony (Columbia Classics) und Universal (Universal/ TCM Vault Collection), die in den USA DVDs von weniger verkaufsträchtigen Titeln als MOD (Manifacturing on Demand) anbieten, d h. als DVD-R. 

1kult hat die Liste der ersten Titel von Gaumont à la demande veröffentlicht. Jérôme Soulet von Gaumont erläutert das Konzept in einem Interview auf Vimeo – auf Französisch. Leider werden auch die DVDs keine englischen Untertitel haben, allerdings sollen sie sogar gepresst und nicht gebrannt sein.