Futurezone : Kino und Internet

Auf der Online-Seite futurezone des ORF setzt sich Ekkehard Knörer mit der allseitigen Verfügbarkeit des  Films durch Digitalisierung und Internet auseinander. Konfiguration Kino entfaltet das Thema in (bisher) 4 Aufsätzen: Das Internet als Kino der Zukunft, Netzkino: Von den Piraten lernen, Filter für die Bilderflut und Das Kinoerlebnis als Kopierschutz:

“ Die Cinephilie gehört irreduzibel zu dieser Konfiguration, sie verbindet als einziger Diskurs die sonst oft getrennten Sphären von Bildindustrie, Normalrezeption, Feuilleton und Akademie. Deshalb ist es von weit mehr als nur nebensächlicher Bedeutung, dass die Institutionen der Cinephilie – nämlich: die kuratorisch betriebenen Kinos, die einschlägigen Zeitschriften und Verlagsreihen, auch die Festivals – mit den Umbrüchen konfrontiert sind, die die Digitalisierung und das Internet brachten und bringen. Die längerfristigen Folgen sind noch kaum absehbar, aber wichtige Konfrontationslinien und neue Praktiken und erste Versuche der Reflexion zeichnen sich ab.In der Folge soll es genau darum gehen: Wie die Digitalisierung nicht nur gegenwärtige Diskurse und Praktiken des „Kinos“, sondern auch dessen Geschichte (genauer: den Blick darauf) verändert. An vielen Beispielen werde ich mich in den nächsten Wochen mit dem Wandel von Rezeptionsgewohnheiten, filmischem Material, erzählerischen Verfahren und mit der Bedeutung von Verfügbarkeit, Kopierbarkeit und der gewaltigen Ausdifferenzierung von Bewegtbildformen befassen.“ (Ekkehard Knörer in „Konfiguration Kino:  Das Internet als Kino der Zukunft“)

Bevor wir uns genauer mit diesen spannenden Thesen beschäftigen können, hier einige Anmerkungen:

  1. Wer hat am meisten für die Filmkultur in einem Land getan? Reed Hastings, der Gründer von Netflix. 100.000 Filmtitel sind auch im kleinsten Ort der USA zugänglich, recherchierbar über eine erstklassige Datenbank.
  2. Der Aufstieg der DVD als Universalmedium für die weltweite Verbreitung von Filmen ab 1998 ist eng mit der gleichzeitigen Entwicklung des World Wide Web ab 1994 verknüpft: Das Web als Vertriebs- und Verständigungsmedium. Erst dadurch konnte eine neue Form der Filmkultur entstehen – siehe Manhola Dargis: The Way We Live Now: The 21st-Century Cinephile.
  3. Onlinefilm erweitert den Radius noch einmal. Das muss nicht illegal und von schäbiger Qualität sein. Jüngstes Beispiel für ein sich immer breiter entwickelndes Angebot ist die African Film Library aus Afrika. Der südafrikanische Satelliten-TV-Konzern M-Net, ein afrikanischer Mediengigant, hat mit großen Summen die Lizenzen von über 600 afrikanischen Filmen zusammengekauft (sie wurden bisher weitgehend von Europäern gehalten!), um das afrikanische Filmerbe zu bewahren und es weltweit zugänglich zu machen. Eine Beta-Site soll diese Filme bald in HD-Qualität gegen Gebühr zugänglich machen.
  4. Filme sehen: Wichtig ist der Unterschied zwischen einem selbstleuchtenden und einem reflektierenden Display. Filme auf großer Leinwand zu sehen, ist nicht an ein Kino gebunden. Man kann es auch privat tun, gemeinsam mit Freunden, wie in einem Salon. Das geht auch öffentlich – siehe 5.
  5. Das (cinephile) Kino als kultureller Ort wird aufblühen, wenn es sich die neuen Möglichkeiten zunutze macht – siehe auch hier. Dazu ein Zitat von Dieter Kosslick:

    „Zum Beispiel haben wir hier am Potsdamer Platz den unglaublichen Luxus, neben den vielen Kinos zwei ausgewiesene Filmkunst-Institutionen zu besitzen: das Film- und Fernsehmuseum und das Arsenal. Mit beiden arbeitet die „Berlinale“ eng zusammen, wir veranstalten jährlich eine gemeinsame Retrospektive mit dem Filmmuseum, und das „Forum des jungen Films“ spielt im Arsenal. Was spricht eigentlich dagegen, unsere Häuser konzeptionell vielleicht noch enger zu vernetzen, eine Art audiovisuelles Humboldt-Forum zu errichten, mit Café, Bibliothek, Kinos und integriertem Gesamtkonzept? Mit einer freien, unabhängigen, „wilden“ Programmierung aus Historie und Gegenwart, die dazu führen könnte, dass sich die Leute, ohne erst das Programmheft studieren zu müssen, vollkommen auf uns verlassen können… Da schließt sich der Bogen zu dem, was ich am Beginn unseres Gesprächs gesagt habe: Wir treffen eine besondere Auswahl für ein offenes, interessiertes, das Kino liebendes Publikum. Ich weiß, dass auch andernorts über so etwas nachgedacht wird, in Sydney, Toronto oder Pusan. Warum also nicht in Berlin? Wenn man zehn Tage lang einen Boulevard der Stars macht, im Februar vor dem „Berlinale“-Palast, warum dann nicht auch das ganze Jahr über einen Boulevard der Filmlust?“ (Boulevard der Filmlust: Dieter Kosslick über Aufgaben, Sorgen und Visionen eines „Berlinale“-Direktors. In: Film-Dienst 3, 2010)

Eine Antwort zu Futurezone : Kino und Internet

  1. Lydia Lau sagt:

    Ich habe die Herangehensweise zwar nicht so ganz verstanden, sehe aber auf jeden Fall das Potential dahinter🙂. Noch eine beschauliche Zeit bis Ostern (falls überhaupt🙂 und viele Grüße, Lydia Lau

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