Tom Tykwer Kollektion

Anläßlich der Premiere seines Thrillers „The International“ (pdf) als Eröffnungsfilm der Berlinale erscheint am 13. Februar das bisherige Gesamtwerk von Tom Tykwer auf DVD.

Die „Tom Tykwer Kollektion“ enthält auf 9 Discs alle 6 Langfilme, 3 Kurzfilme, die Dokumentation “Im freien Fall – Tom Tykwer und das Kinos“ von Larissa Trüby und auf der 10. Disc, einer CD, bisher meist unveröffentlichte Filmmusik vom Regisseur selbst. Erstmals auf DVD erscheinen die frühen Kurzfilme „Because“ (1990) und „Epilog“ (1992) und die beiden langen Spielfilme „Die tödliche Maria“ (1993) und „Winterschläfer“ (1997). Alle Langfilme werden von Tom Tykwer selbst kommentiert (die genauen Daten bei DVDuell).

Mit dieser sorgfältig gemachten Edition widerspricht der Regisseur allerdings seinen eigenen Thesen zur Zukunft der DVD:

„So wie man es heute mit YouTube macht, dass man Freunden den Link schickt, wird man es in fünf Jahren eben mit ganzen Spielfilmen machen. Da zahlt man dann vielleicht für einen kleinen Indie-Film nur 99 Cent, aber wenn dann 300.000 Leute darauf aufmerksam werden, was bei YouTube ja eine eher durchschnittliche Zahl ist, kann auch ein solcher Film in einer Woche 300.000 Euro Umsatz machen – und braucht noch nicht einmal einen großen Verleih dahinter. Das Internet ist doch vor allem ein Nischenraum für exotische Neugier, und es wird viel Geld umgesetzt mit Dingen, für die es früher nie Geld gab. Außerdem unterschätzen wir das Filminteresse in der Provinz. Da gibt es Millionen, die nicht in der Nähe von Kinos wohnen und die aber auch nicht 19,90 Euro für eine DVD zahlen wollen. Wenn man etwa den neuen Film der Dardenne-Brüder sehen will, kann man ja nicht immer in den Zug steigen und in die nächste größere Stadt fahren.

Selbst in Wuppertal zum Beispiel können die wenigen anspruchsvollen Kinos, die es gibt, den Berg von interessanten Filmen, die in Großstädten noch irgendwo einen Platz finden, nicht mehr abarbeiten. Das ist im Grunde eine unnatürliche Auslese, die da stattfindet und die auch durch DVDs nicht ausgeglichen wird. Die anspruchsvolleren Filmemacher und Verleiher sollten das sehr ernst nehmen, damit sie dann nicht wieder hinterherhinken, wenn die großen Majors bald ihre eigenen umfassenderen Portale aufmachen. In fünf bis zehn Jahren ist es spätestens so weit. Und ich stelle mir immer vor, dass dann irgendwann ein Jugendlicher vor meinem DVD-Regal steht, mich mitleidig ansieht und sagt: „Ach, du bist früher echt noch in ein Geschäft gegangen, hast diese Scheiben da gekauft und sie stolz nach Hause getragen?“ – weil für ihn das Filmesehen nur noch Sache eines Mausklicks ist und er seine 500 Lieblingsfilme ohnehin auf der Festplatte im iPod hat. (Tom Tykwer: Der ganz normale Wahnsinn der Berlinale. FAZ.net)

Die Tykwer-Edition kostet 59,99 Euro und bis sie in gleicher Qualität mit allen Extras als Online-File von ebenso vielen oder mehr Leuten erworben werden kann wie auf DVD, werden mehr als zehn Jahre vergehen. Ob der Regisseur seine Filme dann auf einer Art iPod angemessen rezipiert sehen wird, wer weiß. Aber für 99 Cent pro Film kann man auch nicht mehr verlangen – der ganz normale Wahnsinn eben.

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