Say goodbye to big screen classics?

Auf der Website des kanadischen Wochenmagazins Maclean‘ s war vor einer Woche der Artikel „Say goodbye to big screen classics“ über den Niedergang des DVD-Markts für klassische Hollywoodfilme erschienen. Jaime Weinman zitiert dabei keinen Geringeren als den verantwortlichen Warner-Mann für dieses Repertoire, George Feltenstein, also einen, der es wissen muss:

„Even before the recession, studios had to cut back due to the closing of many retail chains that used to stock their products; Feltenstein says, “If the economy of the world had not deteriorated, our release schedule would still be less than it was.” But older movies are particularly vulnerable because the cost of restoration is growing, and their fan base is shrinking. It used to be that TV broadcasting built a market for old movies; Humphrey Bogart became a cult figure after his death, thanks to TV. But today, the only station that shows old films is Turner Classic Movies. And DVDs can’t sell based on the purchasing power of TCM viewers alone.

Because classics are a niche market, they were the first to go when chain stores like Wal-Mart and Best Buy decided which movies they wouldn’t stock; Feltenstein says that many chain-store buyers “think an old classic movie is The Silence of the Lambs.” And though the high-definition DVD format, Blu-Ray, is seen by some observers as a possible saviour of home video, it actually is making things worse for classics. Warner released a few popular titles in the format (including Casablanca) and found that, according to Feltenstein, “classics are having a tough time on Blu-Ray. New films do great, but people don’t know how great old movies can look in this format.” Warner will try again later this year with Blu-Rays of titles like Gone With the Wind and North By Northwest, but for now, Blu-Ray is another thing to squeeze old movies off the limited shelf space in stores.“ (Jame Weinman: „Say goodbye to big screen classics“)

Im Home Theater Forum läuft seitdem eine Diskussion über diese trüben Aussichten: „Studios Reducing/Ending Retail DVDs of Classics – Warner Interview“.

Auch Franz Everschor geht im neuen Film-Dienst auf die in der Krise veränderten Marktverhältnisse ein, die alte Muster aus der VHS-Zeit wiederbeleben, als der Verleih eines relativ kleinen Titelangebots und nicht der Verkauf eines immer größeren Repertoires wie zu den heutigen DVD-Zeiten die Hauptumsätze machte. Er beschreibt die vielfältige DVD-Landschaft in den USA zwischen Netflix (Artikel über ein Versandzentrum) mit seinen 100.000 Leihtiteln für den Filmkenner auch im kleinsten Dorf und Redbox mit mehr als 17.000 Verleihautomaten in den großen Einkaufszentren, die aus Platzmangel nur die Bestseller bieten können, und geht dann auf neue Entwicklungen ein:

„Die Lücken, die durch die rückläufige Entwicklung des DVD-Geschäfts entstehen, können nur teilweise aus Beteiligung an anderen Verwertungsarten geschlossen werden. Deshalb tun die Execuvtives etwas, worauf Filmfans in aller Welt seit Jahrzehnten vergeblich gewartet haben: Sie öffnen ihre Archive. Man muss sich bewusst machen, dass sich die meisten Filme, die bei Netflix und den vielen On-Demand-Anbietern kursieren, aus einem Pool von Filmen rekrutieren, den die Studios für wert halten, immer wieder von Neuem offeriert zu werden. Es sind die ewig gleichen Titel, die die Runde machen – zuerst im Kino, dann auf Kassette, später auf Laserdisk, als DVD und nun auch auf BluRay. Zahllose andere Klassiker, deren Negative in den Katakomben der Studios ruhen, sind nie ans Tageslicht gekommen. Sie wurden allenfalls in Pauschalverträgen wie dem der MGM mit Ted Turner zu Tausenden verramscht und, wenn ihnen der Zufall hold war, ein oder zweimal zu mitternächtlicher Stunde im Fernsehen gezeigt.

Jahrzehntelang waren die Studios blind dafür, dass sich mit den vielen Klassikern, deren Titel man allenfalls aus Büchern kennt, ein – wenn auch begrenztes – Geschäft machen ließe. Ins Feld geführt wurden stets die Restaurationskosten, die höher seien als der zu erwartende Gewinn. Erst der Rückgang des DVD-Geschäfts und die bequeme Verwertungsmöglichkeit über das Internet haben ein paar Leute aufgeweckt und in die Archive steigen lassen. Es ist nicht verwunderlich, dass Warner Bros. Entertainment der Vorreiter dieser Entdeckungsaktion ist, weil Warner einen riesigen Bestand an alten Filmen hat. Zusammen mit den MGM-Filmen, die nach ihrer Verschiebung an Ted Turner schließlich über den Mutterkonzern Time Warner bei Warner Bros. gelandet sind, besitzt das Studio die Rechte an 6.800 alten Filmen, von denen gerade einmal 1.200 auf DVD erschienen sind. Nun sollen sie häppchenweise auf der Website von Warner Archive Collection verfügbar gemacht werden.“ (Franz Everschor: „Im Wandel: Rückläufige DVD-Umsätze und ihre Folgen“. In: Film-Dienst 17/ 2009)

Trotz aller Krisenerscheinungen kann man zuversichtlich bleiben. Der weltweite DVD-Markt bietet heute immer noch eine solche Fülle von Filmen, wie es sie für das allgemeine Publikum im Laufe der Filmgeschichte noch niemals gegeben hat. Doch das Repertoire will gepflegt sein. Eine massenhafte Publikation klassischer Filme in relativ kurzer Zeit überfordert die Sammler. Den schnellen Gewinn kann man dann eben auch nur für eine kurze Zeit machen, wie Titelchampion Warner nun erkennen muss – oder anders gesagt: Repertoirefilme kann man nicht wie Blockbuster vermarkten.

Eine Antwort zu Say goodbye to big screen classics?

  1. […] Artikel „Say goodbye to big screen classics?” von Jaime Weinman hat beträchtliche Wellen geschlagen. Jetzt hat sich Kevin Jaggernauth, Blogger […]

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