By the bluest of the seas von Boris Barnet auf DVD

22. August 2012

Darauf hinzuweisen ist es nie zu spät: Anfang des Jahres hat RUSCICO den Film “U samogo sinego morya” (У самого синего моря) (By the bluest of the seas) (Am Rande des blauen Meeres) als Hyperkino-Edition auf DVD veröffentlicht. Boris Barnet, der sowjetische Jean Vigo, hat 1936, mitten im stalinistischen Terror, ein Werk der Menschlichkeit geschaffen, das in der Filmgeschichte ziemlich einzigartig dasteht.  Dieses “Wunderding” der Lebenslust ist so wenig bekannt wie die meisten Filme von Boris Barnet, aber von den Kritikern und Filmemachern, die ihn sehen konnten, immer bewundert worden.

“In the far-removed world of By the Bluest of Seas, the fate of the human heart proves infinitely more consequential than the abstract good of the collective. Life is about love, not labor – just as By the Bluest of Seas is itself about the “love of life.” [8] Accordingly, Barnet’s picture consistently manifests joy across these many emotional pitfalls. By the Bluest of Seas is musical-comedy not only in form, but also in tone. This is to say that while melancholy may be present (and real) in Barnet’s film, it is worn as lightly as the film’s dissent; each remains hidden beneath the film’s shimmering, sun-dappled surfaces. Call it the Barnet touch.

In spite of everything that has been said, By the Bluest of Seas nonetheless remains a surprisingly difficult film to champion, let alone to write about, no doubt because its pleasures are so pure. To any detractors that it may have, present or future – and these fictional “detractors” would argue undoubtedly against its greatness, not its goodness – let us invoke our same original authority, Jacques Rivette, in the context of his remarks on one-time neglected giant of the cinema, Howard Hawks: “the evidence on the screen is the proof of [his] genius.” [9] In the example of By the Bluest of Seas, a better way to state it might be to say simply: the evidence is on the screen. That is, whether one cites the filmmakers’ land and seascape photography, the bodily and performative representation of desire and feeling or the emotional stakes for which the protagonists are playing, the unadulterated pleasures of Barnet’s film are there for those with eyes to see and hearts to feel. This is a film with which to fall in love.” (Michael J. Anderson, Tativille)

Da der Barnet-Touch nicht vollständig in Worte zu fassen ist, schaut man sich am besten die kurze Filmanalyse  von Nicole Brenez an, um den materiellen Charakter seines Films zu verstehen, der auch ein Akt des Widerstands gegen den Terror war.

Die Hyperkino-Edition von Milena Musina bietet ein Fülle von Informationen zum Film und zu den Umständen seiner Produktion:

“In the case of By the Bluest of Seas, all additional notes were text only, but that doesn’t prevent a wealth of information being revealed. Here we find anecdotal notes taken from cast and crew reminiscences and biographies, not to mention analysis of key moments, a highlighting of technical devices and reference to the reaction of critics, audiences and Barnet himself, who reportedly hated all of his films and apologised for them regularly!”  (Hyperkino / The Digital Fix)


Zum Tod von Ronny Loewy: Jiddische Filme auf DVD

21. August 2012

Ein herber Verlust:  der Filmhistoriker Ronny Loewy ist gestorben. In der TAZ von heute hat sein Freund Detlev Claussen einen bewegenden Nachruf auf diesen hartnäckigen Rechercheur und “Archivar” geschrieben (“Der Hüter des Gedächtnisses”) .

In der Jüdischen Allgemeinen gedenken Lisa und Sharon Pucker Riva vom National Center for Jewish Film dem Erforscher des jüdischen Kinos und seiner Arbeit für die Wiederentdeckung des  jiddischen Kinos.

Beim NCJF an der Brandeis University sind die Filme, die dem Vergessen zu entreißen Ronny Loewy entscheidend beigetragen hat, in meist restaurierten Fassungen auf DVD erhältlich. Eine ganze Kultur, die vernichtet wurde, ist so doch noch in den Spuren ihrer Filme erlebbar.  Auch der von Ronny Loewy mitproduzierte Film “The Yiddish Cinema” und der Film “Zoll Seyn” von Henryk M. Broder und Frans van der Meulen zur jiddischen Kultur in Israel sind dort auf DVD lieferbar.


Gangs of Wasseypur auf DVD

20. August 2012

Der erste Teil des  fünfeinhalbstündigen indischen Mafia-Epos “Gangs of Wasseypur” ist in Indien auf DVD erschienen. Der zweite Teil erscheint demnächst.

Die Gewaltorgie lief in diesem Jahr auf der Quinzaine des réalisateurs in Cannes (Pressespiegel). Sie hat so gar nichts von den üblichen Bollywood-Filmen – als hätte Tarantino die Pate-Trilogie gedreht.

Marjolaine Gout hat eine längere Kritik auf Ecran Large veröffentlicht:

Gangs of Wasseypur  fait donc écho à de réelles affaires de corruptions et de meurtres en cascades. Anurag Kashyap n’hésite donc pas à recourir à des images d’archives en noir et blanc pour apporter véracité à son intrigue et la replacer dans son époque et son contexte. Narrée avec réalisme, cette saga traverse un arbre généalogique copieusement fourni en gangsters. Via trois générations, on y explore l’émergence d’une mafia familiale. Sur fond de guerres de gangs sanglantes, débutées en 1941 et se concluant en 2009,  se trame une dynamique sociopolitique. Anurag Kashyap s’évertue entre les mailles de son drame, à décrire et à raconter l’Inde à travers une étude sociale des plus savoureuses. Décadence humaine, bestialité ou pouvoir, la liste est longue !” (Google-Übersetzung)


The Power and the Glory von William K. Howard auf DVD

20. August 2012

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Film Comment hat Dave Kehr einen sehr lesenswerten Artikel über William K. Howard (TCM) veröffentlicht.

Rechtzeitig zu dieser Wiederentdeckung von William K. Howard: Beim neuen MOD-Label 20th Century Fox Cinema Archives (Presseerklärung) wird in der zweiten Staffel der Neuerscheinungen jetzt eines von Howards Hauptwerken erscheinen,  “The Power and the Glory” von 1933, der nach Pauline Kael als Vorläufer von Citizen Kane gelten kann. Der Precode-Film nach einem Drehbuch von Preston Sturges war bisher noch auf keinem Heimkinoformat erhältlich.

“The primary victim of Pauline Kael’s “Raising Kane” was not in the end, its intended one:  Orson Welles reputation is stronger today than it was in 1971, when Kael first published her essay. But when Kael missatributed the 1933 “The Power and the Glory”, with its striking, experimental use of flashbacks to recount the life of a railroad magnate (Spencer Tracy), to its screenwriter, Preston Sturges, she eficcently nullified the existence of William K. Howard, the film’s director and true auteur.” ( Dave Kehr:  Lost along the way. The past weighs heavily on the protagonists of  William K. Howard’s films. In: Film Comment July-August 2012, S.20)

Neben “The Power and the Glory” sind sein bedeutendster Film “Back Door to Heaven” in einer schlechten Kopie in den USA, “Fire over England” in Großbritannien, “The Princess comes across” in Australien, “Over the Moon” aus Spanien in Großbritannien und der Stummfilm “White Gold” von einer 16mm-Kopie bei Grapevine in den USA auf DVD lieferbar. Die Edgar-Wallace-Verfilmung “The Squeaker” gibt es in einer Doppelbox unter dem Titel “The Edgar Wallace Collection 2″ ebenfalls in den USA. “Johnny come lately” war in Großbritannien als VHS erschienen. Willam K. Howard ist für den Home Video-Markt also noch zu entdecken.


Cinema Ritrovato DVD Awards 2012

11. August 2012

Obwohl schon eine Weile her, sollen hier doch noch die Ergebnisse des Wettbewerbs um die Cinema Ritrovato DVD Awards 2012 nachgeliefert werden. Jonathan Rosenbaum hat sie als Jurymitglied in seinem Blog gepostet. Am interessantesten sind dabei am Ende der Liste die persönlichen Empfehlungen der einzelnen Juroren außerhalb des kleinen Wettbewerbs.

Der große Sieger war das BFI mit dem 2. Band ihrer Humphrey-Jennings-Reihe. Prämiert in der Kategorie der Bonus-Features wurde die Godzilla-Edition der Criterion Collection, die diesen Film in den beiden Kommentaren von David Kalat zur japanischen und amerikanischen Fassung  umfassend historisch verortet.

Die Preisträger seit 2004 sind hier aufgelistet.

Die Diskussion über die Arbeit von Qualitätslabels zwischen Vincent-Paul Boncour von Carlotta,  Kim Hendrickson von Criterion,  Stefan Drössler von der Edition Filmmuseum und Antoine Royer von der Website Dvd Classik kann man auf Vimeo verfolgen, was allerdings schwierig ist, da das Ganze in 3 Sprachen ohne Übersetzung abläuft.


“Das Weib des Pharao” jetzt auf Blu-ray und DVD

28. Juni 2012

Auf die Restaurierung dieses vergessenen Films von Ernst Lubitsch hatten wir schon im letzten Jahr hingewiesen. Jetzt ist es Alpha-Omega in München gelungen, die Fassung auf DVD und Blu-ray fertigzustellen. Am 30.6.2012 ist es soweit. Ein anspruchsvolles Restaurierungsprojekt wird endlich  für alle Liebhaber des deutschen Stummfilms zugänglich und ein Stück versunkener Filmgeschichte taucht wieder auf – dank des großen Engagements von Alpha-Omega. Beide Ausgaben können dort direkt bestellt werden.

Die Angaben zu dieser Edition im einzelnen:

Diese digital restaurierte Fassung stellt den Film in viragierten Farben dar, die den überlieferten Filmmaterialien entsprechen. Erstmals ist auf dieser DVD die gesamte Musik des Originals als Orchesterfassung zu hören.

Zusätzliches Material:
– Digibox Verpackung
– Booklet: 20. Seiten, farbig: Texte und Bilder zum Film und zur Restaurierung: Vorwort von Thomas Bakels, ein persönlicher Gruß an Fans von Frau Nicola Lubitsch, Aufsatz von Kristin Thompson, Interview mit Frank Strobel, Text von Ägyptologie Experten Bernt Müller
– Trailer: Englisch, Deutsch
– Historisches Material zur Produktion: Setfotos, Fotos von fehlenden Szenen, Programmheft Verlag Filmkurier Berlin 1922
– Die Rückkehr von Lubitschs Pharao: Dokumentation über die Restaurierung von Das Weib des Pharao, die diese aufwendige Restaurierungsarbeit anhand von Bildern und Erzählungen vom Drehort, Interviews mit den Beteiligten und Szenen-Vergleichen ausführlich darstellt. Informationen über die Farbgebung, technische Verfahren und Quell-materialien sind hier ebenso enthalten wie Hintergründe zur Musik und deren Aufnahme. (35 Minuten)
– Filmkonzert: Diese HD-Aufnahme der Orchestereinspielung zum Film ist tatsächlich ein eigenständiger Programmteil dieser Veröffentlichung. Die Aufnahme wurde von ALPHA-OMEGA digital eigens mit dem WDR Rundfunkorchester produziert. Aus insgesamt 16 Kameraperspektiven wurde am 14. und 15. September 2011 in Köln ein Live-Konzert geschnitten, das die Musik ganz in den Vordergrund stellt und den Film nur als Nebendarsteller zeigt. Insbesondere weil diese wunderbare Musik von Eduard Künneke so lange unveröffentlicht war, und Frank Strobel und das WDR Rundfunkorchester mit einer erstklassigen Einspielung den Film erst wirklich vollständig werden ließen, ist diese Orchesteraufnahme hier in voller Filmlänge und aus nächster Nähe zu erleben. (100 Minuten)

Sprachfassungen:
Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch, Thai, Arabisch
Dieser Film wird hier in 10 anwählbaren Sprachfassungen gezeigt. Die Insert-Titel sind dabei nicht als Untertitel sondern als Vollbild-Titel gestaltet, wie es auch in der Stummfilmzeit eine gängige Praxis für ausländische Fassungen war. Die Übersetzungen wurden von Kollegen und Freunden des Projekts geleistet, die allesamt fundierte filmwissenschaftliche oder filmbezogene Hintergründe haben. Die Versionen in deutsch, englisch, französisch und italienisch werden im originalen Schrift-Typ dargestellt. Die Versionen in spanisch, russisch, chinesisch, japanisch, thai und arabisch erhielten aufgrund von Besonderheiten der jeweiligen Schriften ein anderes Erscheinungsbild.

Technische Angaben:
DVD Edition: 1*DVD9 (Hauptfilm)+ 1*DVD9 (Zusätzliches Material), NTSC & PAL
BluRay Edition: 1*BluRay50 (Hauptfilm & Zusätzliches Material), Region-Free
Laufzeit: Hauptfilm: ca. 100min, Zusätzliches Material: ca. 144min
Bildfrequenz: 20 B/s
Auflösung: PAL, 720×576 (DVD) | NTSC, 720×480 (DVD) | HD 1920×1080 (BD)
Bildformat: 4:3 (1,33:1) (Hauptfilm)
Audioformate: Dolby Digital 5.1 (DVD) | PCM 2.0 Stereo (DVD & BluRay)| DTS-HD 5.1 (BluRay)

Quellen: Nitropositiv russ. und it.
FSK 0: Freigegeben ohne Altersbeschränkung (alle Angaben von Alpha-Omega)


NFDC bringt die Reihe “Cinemas of India” auf DVD heraus

28. Juni 2012

Das NFDC, die National Film Development Corporation hat eine Reihe von klassischen indischen Filmen auf DVD herausgebraucht.  Die DVD-Reihe “Cinemas of India” umfasst z. Zt. 31 Titel ( 3 Titel davon stehen noch aus). Sie sind über den Anbieter Induna in Westbengalen erhältlich. Die einzelnen Filme werden mit Trailern auf dieser Website des NFDC vorgestellt.

 

“Cutting across geographical, social & cross-cultural barriers Cinemas of India is engineered to act as a carrier of Indian cinema in the global culture of film. The campaign aims to encourage an audience for deserving Indian films, parents emerging talent in India, builds an international showcase for these filmmakers in major festivals & markets and promotes India as a potential filming destination for the stories of the world.

Cinemas of India endorses deserving regional, independent & art house cinema to facilitate a broader exchange between the international film community & the Indian film Industry. The campaign has consistently built a promising climate for Indian cinema beginning with the India Pavilion at the Marche Du Cannes (Cannes Film Festival) in 2011. NFDC actively promoted India at Toronto International Film Festival (Canada), MIPCOM (Cannes), American Film Market (Santa Monica) and the European Film Market (Berlin) this year.

Digitally Restored DVD’s/VCD’s of yesteryear classics each a seminal landmark in its own right will now be available in Indian Markets. 22 titles, which include Kundan Shah’s classic black comedy Jaane Bhi Do Yaaron, Ketan Mehta’s Mirch Masala and Shyam Benegal’s Suraj Ka Satvan Ghoda & Mammo among others… (NFDC)

Ähnlich wie Südkorea das schon seit längerem erfolgreich praktiziert, bringt nun auch Indien sein filmkünstlerisches  Erbe in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit – zumindest mit Filmen vom Beginn der siebziger Jahre an, seitdem es die Produktionstätigkeit des NFDC gibt.

Den aktuellen Fortgang der Reihe kann man auf Facebook verfolgen.


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