Lang ist der Weg

Die Deutschen und ihre Filmgeschichte, das ist ja nicht unbedingt ein Liebesverhältnis.  Bis heute ist die vollständige Fassung von Metropolis hierzulande noch nicht auf DVD und Blu-ray erschienen, trotz der großen Publizität bei der Entdeckung der verloren Teile in Argentinien. Der Interessierte muss sich die exzellente Ausgabe von Eureka aus Großbritannien besorgen.

So kann man erst recht nicht erwarten, dass zwar bedeutende, aber viel unbekanntere Filme wieder zugänglich gemacht werden. Frank Noack weist heute im Tagesspiegel auf die Aufführung von „Lang ist der Weg“ (Lang ist der Veg) in einem kleinen Berliner Stadtteilkino hin:

„Der erste große Spielfilm über den Holocaust wurde im Sommer 1947 in Deutschland gedreht. Er wäre längst ein Klassiker, hätte ihn die DEFA produziert. Aber Lang ist der Weg entstand in der amerikanischen Besatzungszone, auf dem Boden der späteren Bundesrepublik, und es gibt analog zur DEFA-Stiftung keine Institution, die sich für den westdeutschen Nachkriegsfilm engagiert. „Lang ist der Weg“, ein Achtungserfolg in Venedig und sogar in New York, geriet in seinem Herstellungsland in Vergessenheit, verwaist und entwurzelt wie seine Protagonisten (Montag in den Eva-Lichtspielen). Herbert B. Fredersdorf, der während der NS- Zeit zu seiner jüdischen Ehefrau gehalten hatte, und sein Co-Regisseur Marek Goldstein erzählen die Geschichte einer polnischen Familie vom September 1939 bis zur damaligen Gegenwart.

Der Sohn geht in den bewaffneten Untergrund, der Vater wird vergast, die Mutter überlebt das KZ. Der Titel „Lang ist der Weg“ war als Mahnung gedacht, als Aufforderung, das Wiedersehen von Mutter und Sohn nicht als Happy-End zu deuten. Den langen Weg haben sie erst noch vor sich.“ (Frank Noack: Unterwegs im Engel-Express. Der Tagesspiegel vom 14.4.2011, S. 27)

Doch man ist nicht unbedingt auf das so verdienstvolle Berliner Bezirkskino angewiesen. Das National Center for Jewish Film an der Brandeis University in den USA bietet die restaurierte Fassung mit neuen englischen Untertiteln auf DVD an:

„Long is the Road the first feature film to represent the Holocaust from a Jewish perspective. Made by and about Jewish displaced persons, the film was shot on location at Landsberg, the largest DP camp in U.S.-occupied Germany. Effectively mixing neorealist and expressionist styles, the film follows a Polish Jew (played by Israel Becker, one of the founders of the first professional Yiddish theater company in postwar Germany) and his family from the thriving Jewish community of prewar Warsaw through the horrors of Auschwitz to the frustrations and instability of refugee life in the DP camps, and culminates in the emergence of a hope for rebirth and renewal in Israel. (NCJF)

In Deutschland würde man sich dagegen mehr von solchen Ausgaben auf DVD oder Blu-ray wünschen, wie sie z. B.  Kinowelt von „Der Verlorene“ (Arthaus Premium) herausgebracht hat.

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