Edition Der österreichische Film 151-175

Jetzt ist schon die 5. Staffel der Edition Der österreichische Film erschienen (Bericht im Standard). Mit 175 DVDs liegt damit eine Sammlung nationaler Filmkultur vor, die nirgendwo sonst ihresgleichen findet –  u. a. ein Verdienst der beiden Kuratoren Ernst Kieninger und Clauss Phillip. Sie gehören zu jenen cinephilen Multiplikatoren, die der Film-Dienst in seinem neuen Heft mit dem Schwerpunkt Österreich (Zusammenstellung Olaf Möller) als ganz wesentlich für die Filmkultur in diesem kleinen Land ansieht:

„In welchem anderen Land ließe sich eine nationale DVD-Edition wie „Der österreichische Film“ stemmen, die inzwischen 150 Werke umfasst und von Gustav Machatý („Ekstase“) über Wolfgang Liebeneiner („1. April 2000“) und Franz Antel („Der Bockerer“) bis zu Lisl Ponger („Passagen“) und Stefan Ruzowitzky („Tempo“) nahezu alle Facetten umfasst, die zwischen Vorarlberg und dem Burgenland je auf Laufbildern fixiert wurden? (Die Edition, herausgegeben von der Tageszeitung „Der Standard“, soll im Frühsommer auch in Deutschland vertrieben werden.) Für Österreich lässt sich jedenfalls der glückliche Umstand attestieren, dass die Kreativität der Macher auf das Talent cinéphiler Multiplikatoren trifft, die den Werken einen ihnen gebührenden Reflexionsraum verschaffen.“ (Film-Dienst 22/2010:  Filmland Österreich)

In Deutschland kommt lediglich die kleine F.A.Z.-Filmedition „Momente des deutschen Films“ in die Nähe des österreichischen Projekts (siehe dazu den  Artikel von Claudius Seidl). So hat ein großes Land eine kleine Filmkultur und ein kleines eine große. Warum das so ist, dieses Geheimnis verrät uns Josef Hader:

„Film meint bei uns grundsätzlich Kino mit künstlerischem Ansatz. Ein kommerzielles Kino ist ja gar nicht möglich. Man kann in einem Land mit achteinhalb Millionen Einwohnern keine Filme mit eigenem Geld und der Aussicht auf Gewinn machen. Wenn einer in Deutschland eine flotte Plastikkomödie dreht, lässt sich damit viel Geld verdienen. In Österreich geht das nicht, weil die Filme viel zu teuer sind, um kommerziell erfolgreich zu sein. Es ist deshalb eine spezielle Fördersituation entstanden, in der man immer ein künstlerisches Gremium braucht, das die einzelnen Projekte gutheißen muss. Arthouse ist aus diesem Grund in Österreich ein gewinnbringendes Konzept. Jede Produktionsfirma strebt danach, Filme zu machen, die auf Festivals laufen, weil man über die Zuschauerzahlen in Österreich allein nie Erfolg haben kann. Das heißt aber auch, dass die Filmszene eine sehr künstlerische Szene ist. Dort herrscht generell die Ansicht, dass man etwas über die Gesellschaft aussagen sollte, wenn man einen Film macht. Außerdem gibt es eine Art stillschweigender Übereinkunft, dass man sich dabei den Schattenseiten der Gesellschaft widmet – was der Kunst ja gut ansteht.“ (Josef Hader:  Auf Arthouse abonniert – Josef Hader im Gespräch. In: Film-Dienst 22/2010)

Alle Filme der Gesamtedition können bei Hoanzl in Österreich bestellt werden. Von den 25 Titeln der 5. Staffel sind 7 bereits als DVD erschienen, doch die anderen 18 sind brandneu. Infos zu den ersten beiden Staffeln hier und hier.

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