Im Insektengarten von Jean-Henri Fabre

1879 kauft der Entomologe, Freidenker und Pädagoge Jean-Henri Fabre (1823-1915)  ein Stück Land in der Provence, sein Harmas, wie er es nannte, um fast 40 Jahre lang Insekten zu studieren. 4.000 Seiten sind daraus entstanden, die jetzt auf Deutsch im Verlag Matthes &  Seitz erscheinen:

„Es verbindet die sorgfältige und genaue Beschreibung von Insektenbeobachtungen mit persönlichen Erinnerungen, mit Schilderungen der Menschen und der Natur seiner südfranzösischen Heimat und mit Gedichten in französischer und occitanischer Sprache. Besonders in Japan wird Fabre geehrt als ein Mann, der in vorbildlicher Weise naturwissenschaftliche und literarische Bildung verbunden hat. In Deutschland waren Fabre und seine Souvenirs Entomologiques weitgehend unbekannt geblieben.“ (Wikipedia)

Bernhard Koch hat einen Dokumentarfilm über diesen Insektengarten und die vier Männer gedreht, die am Garten und an der Edition des 10-bändigen Werks  arbeiten:

„Der Film L‘ HARMAS – DAS BRACHLAND entführt in Fabres wunderbaren Insektengarten, beschreibt, wie ungewöhnlich ein Stück Weltliteratur ins Deutsche übertragen wird und beobachtet, wie faszinierend es sein kann Insekten zu beobachten und zu zeichnen. Der Film begleitet die erste, vollständig ins Deutsche übersetzte Ausgabe der „Erinnerungen eines Insektenforschers“, die ab 2010 im Verlag Matthes und Seitz Berlin in 10 Bänden erscheint – in der Übersetzung von Friedrich Koch und mit Federzeichnungen von Christian Thanhäuser.“ (Matthes & Seitz)

6 Antworten zu Im Insektengarten von Jean-Henri Fabre

  1. Lutz Tantow sagt:

    ist bekannt, ob Fabre den Maler Paul Cezanne kannte, ob es vielleicht Kontakte oder Begegnungen gegeben hat?

    • Franz-Josef Wittmann sagt:

      Mir ist nichts darüber bekannt, dass Fabre und Cézanne sich gekannt hätten, obwohl Cézanne – wie Fabre – ein Mann des französischen Südens war, in Aix en-Provence geboren, wo er lange gelebt hat. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den beiden? Warum fragen Sie danach?

  2. Franz-Josef Wittmann sagt:

    Erstaunlich! Jahrzehntelang hat sich in Deutschland kaum jemand für Jean-Henri Fabre interessiert und nun werden gleich zwei Übersetzungen seiner Souvenirs Entomologiques vorgelegt, die von Matthes & Seitz und die meine. Mit der ersteren befasst sich der Film, den sie hier besprechen; der erste Band der meinen ist bereits 2009 unter dem Titel „Entomologische Erinnerungen“ bei lulu.com erschienen, der zweite wird ihm in Kürze folgen. Mehr als die beiden ersten Serien (von insgesamt zehn) hat auch Matthes & Seitz bisher nicht vorgelegt.
    Dass die beiden Übersetzungen sich wesentlich unterscheiden, liegt sicher auch am übersetzten Autor. Fabre hat viele Facetten, man kann ihn auf verschiedene Weise lesen: als Insektenforscher, der seine Beobachtungen an Insekten beschreibt, aber auch als Schriftsteller und Künstler, der den Leser teilnehmen lässt an seinen Streifzügen durch die südfranzösische Landschaft, der fesselnd beschreibt, was ihm begegnet, nicht nur Skarabäen, Bienen, Ameisen, sondern auch Mensch, Natur und Sprache seiner südfranzösischen Heimat. Ein Mann des französischen Südens ist Fabre wie kaum ein anderer, gehörte zum Kreis der Félibriges um Frédéric Mistral und hat selbst Gedichte in occitanischer Sprache verfasst.
    Meine Ausgabe versucht, dem ganzen Fabre gerecht zu werden, nicht nur dem Insektenforscher, sondern auch dem Schriftsteller und Künstler. Ihr oberster Grundsatz ist Werktreue. Sie enthält nur die Zeichnungen, mit denen Fabre selbst seine Texte versehen hat (der auch malte: seine Aquarelle mit Pilzdarstellungen sind nach dem Urteil berufener Fachleute wissenschaftlich und künstlerisch von hohem Rang). Zudem ist meine Ausgabe zweisprachig, der deutsche und der französische Text werden einander in zwei Spalten unmittelbar gegenüber gestellt. Wer entomologisch interessiert ist, soll hier nicht nur die Originalzeichnungen Fabres vorfinden; er kann in Zweifelsfällen auch die Originaltaxonomie Fabres im französischen Text nachlesen. Wer sich für Frankreich, insbesondere für den französischen Süden interessiert, soll in einem flüssigen deutschen Text finden, was Fabre dazu zu sagen hat.

    Franz-Josef Wittmann, Aspiran / Frankreich

  3. Franz-Josef Wittmann sagt:

    Fabre war kein Freidenker. Vielmehr spricht vieles dafür, dass er gläubig war.
    Aufgefallen ist schon früh seine Skepsis gegenüber der Darwin‘-schen Evolutionstheorie. Mit Darwin selbst war er freundschaftlich verbunden, führte einen ausgedehnten Briefwechsel mit ihm und hat ihm 1882 anlässlich seines Todes ein Kapitel seiner Souvenirs Entomologiques gewidmet (Erinnerungen 2.7 *) . Mit dessen Evolutionstheorie (transformisme) hat er sich immer wieder auseinandergesetzt, insbesondere im Zusammenhang mit seinen Beobachtungen des tierischen Instinktverhaltens. Seine Skepsis liegt einerseits an seiner Zurückhaltung gegenüber allen Theorien und Systemen. Er ist ein überaus sorgfältiger Feldforscher; vor voreiligen verallgemeinernden Schlussfolgerungen ist er stets auf der Hut. Sie liegt aber wohl auch daran, dass er im Grunde ein gläubiger Mensch war. Dass er sich darüber nie ausdrücklich geäussert hat, mag daran liegen, dass der Glaube wissenschaftlich nicht zu begründen ist; er wollte aber wohl auch nicht in den Verdacht geraten, ein Parteigänger der Kirche zu sein, mit der er widersprüchliche Erfahrungen gemacht hat. Folgende Stelle ist aber – wie andere – kaum anders zu erklären (Erinnerungen 10.5*):

    „Ist die Welt eine harmonische Schöpfung, aus einem Urgrund hervorgegangen, der Ursache aller Ursachen? Oder ist sie ein Chaos aus blinden Konflikten, die der Zufall, koste es was es wolle, zum Ausgleich bringt? Das ist wissenschaftlich zu untersuchen, diese Bagatelle und andere, die weiter bringen als logische Überlegungen oder entomologische Unterscheidungen von skrupulöser Genauigkeit. Für mich bestätigt der Königskerzen-rüssler einen Urgrund als Antrieb aller grossen und kleinen Dinge.“

    Nach dem Zeugnis seines Biographen Georges-Victor Legros, der das miterlebt hat, hat Fabre auf dem Sterbebett die katholischen Sterbesakramente empfangen. Legros schreibt (La vie de Jean-Henri Fabre, Delagrave, Paris 1925):

    „….. Am 11. begann seine Agonie. Er hatte das Bewusstsein ver-loren als der Pfarrer von Sérignan kam, um ihm die Absolution zu erteilen. Als er die kräftige Stimme des Pfarrers hörte kam er zu sich und schaute ihn mit seinen grossen Augen an. Der Pfarrer fragte ihn, ob er die letzte Ölung empfangen wolle und bat ihn, zum Zeichen seines Einverständnisses seine Hand zu drücken. Der Sterbende deutete diese Geste an. Man kann sagen, dass er als guter Christ aus dieser Welt geschieden ist, ein besserer als er je war seit den fernen Zeiten, da er in Rodez als Messdiener gewirkt hat, um den Schulbesuch zu bezahlen.“

    *) „Entomologische Erinnerungen“, zweisprachige Ausgabe (deutsch/französisch) mit Fabres Originalzeichnungen, übersetzt von Franz-Josef Wittmann, erschienen bei lulu.com.

    • Uwe Rieken sagt:

      Hallo Herr Wittmann,

      gerade stolpere ich auf Seite 42 Zeile 12 der Serie 11 ueber das Wort varabilislten???

      mfG

      Uwe Rieken

  4. Jean Henry Fabre widmen wir den Spremberger Insektengarten.
    Junge Menschen sollen sich mit Wildbienen,Schmetterlingen
    vertraut machen. Wir arbeiten nach seiner Überzeugung,
    wir schauen, forschen ohne Skallpell an lebenden Tieren.
    Möge unser Garten weiteren Zuspruch finden.

    Hermann Schultka
    Lehrer,Entomologe

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