Miss Mend – ein Sowjet-Serial

Im Dezember erscheint das sowjetische Stummfilmserial „Miss Mend“ von 1926 bei Flicker Alley auf DVD. Die drei Profis David Shepard von Blackhawk Films, Jefferey Masino von Flicker Alley und Eric Lange von Lobster Film haben mit der Restaurierung dieses 4 1/2 stündigen Films wieder einen großen Coup gelandet.

Damit wird ein weiteres Werk der privaten Gesellschaft Meschrapom zugänglich, die Willi Münzenbergs Internationaler Arbeiterhilfe gehörte und die durch eine gewisse Unabhängigkeit künstlerisch interessante Filme produzieren konnte – kein Wunder also, dass auch dieser Film wieder die Kritik der Betonköpfe in der Sowjetunion erntete:

„Flicker Alley, in collaboration with Blackhawk Films and Turner Classic Movies, is proud to present the astonishing Miss Mend, a 1926 three-part serial / adventure film from Soviet directors Boris Barnet and Fedor Ozep.
Widely regarded by the official Soviet press of the time as a prime example of shameless “Western-style” entertainment, the serial was nevertheless hugely popular, becoming one of the most successful Soviet films of the 1920s. Miss Mend is an energetic, fast-moving serial which opens a window on the phenomenon of Soviet Americanism and reveals a little-known side of early Soviet cinema. This new edition was mastered in high definition from superb original 35mm elements produced by David Shepard and Jeffery Masino, with digital restoration and editing being carried out by Eric Lange of Lobster Films, Paris. Featuring a “dream cast” of 1920s Soviet films stars and special bonus features by film historians Ana Olenina and Maxim Pozdorovkin.“ (Flicker Alley)

Mit dieser Edition wird auch dem bei uns wenig bekannten Regisseur Boris Barnet ein Denkmal gesetzt:

„Der Boxer, Schauspieler und Filmregisseur Boris Barnet (1902 – 1965) zählt zu den großen Meistern des russischen Kinos, doch sein Name und sein Werk gelten im Westen immer noch als Geheimtipp. Sein bevorzugter, zwischen Satire und Lyrik schwankender, Stil hat Vergleiche mit Lubitsch, Hawks und Tschechow nicht zu scheuen. Dies trifft den ganz eigenen, manchmal exzentrischen Ton seines Werks aber nur zum Teil, denn wie kein anderer umgibt er so genannte Alltagsstoffe mit emphatischem Witz, mit Schönheit und Charme. Dazu schuf er Charaktere, die diese Welt mit einer unerklärlichen Eleganz durchqueren. Boris Barnets traumwandlerisches und populäres Kino passte nicht zur sowjetischen Doktrin der 30er Jahre. Er wurde politisch diskreditiert und konnte seine folgenden Projekte zumeist nur unter Mühen und großem diplomatischen Aufwand realisieren. Obwohl solch herausragende Filme wie „Goldener Sommer“ (1951), „Aljonka“ (1961) oder „Heldentaten eines Kundschafters“ zu Kassenschlagern wurden, war Barnet selbst von seinem Scheitern überzeugt – und beging 1965 Selbstmord.“ (Arte TV)

Der andere Regisseur des Films, Fedor Ozep, war eine zentrale Figur bei Meschrapom-Rus. Nachdem er als Drehbuchautor zu einigen bedeutenden Filmen der Gesellschaft beigetragen hatte, war „Miss Mend“ seine erste Regiearbeit.

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