Alexander Kluge Direct-to-DVD

  „Woran arbeiten sie gerade?“ , fragte DIE ZEIT einige Prominente zum „Tag der Arbeit“. Alexander Kluge arbeitet an Filmen, die ohne ‚Umwege direkt auf DVD erscheinen, nämlich in der Filmedition Suhrkamp. Autorenfilm ist jetzt also wörtlich zu nehmen. So wie er als Autor für eine Buchpublikation schreibt, filmt er jetzt für die DVD-Ausgabe:

 

“ Zur gleichen Zeit, geplant für eine Publikation in der Suhrkamp Film Edition, arbeite ich an einem Filmzusammenhang mit dem Titel Früchte des Vertrauens. Die Finanzkrise, Adam Smith, Keynes, Marx: Worauf kann man sich verlassen? Für mich gehören solche mehrstündigen Produkte ebenso wie Minutenfilme zu dem, was ich unter Film verstehe: In Fortsetzung der Nachrichten aus der ideologischen Antike. Was ist der Gegenpol zur Finanzkrise? Was kann man für Geld nicht kaufen? Sind die Kollateralschäden der Finanzkrise schlimmer als die Krise selbst? Solche Krisen können gesellschaftliche Monstren schaffen, wie zwischen 1929 und 1945. Es geht aber auch um die glückliche Seite des Geldes. 1948 habe ich mich über die 40 DM, die jeder Erdenbürger in unserem Land als Einstand erhielt, gefreut.

Vermutlich kann man Geld und Freiheit nicht voneinander trennen, denn Geld bezeichnet Verträge, in denen alles, was ich nicht kaufe, zuverlässig ausgeschlossen bleibt. Wie schlimm sind Verträge, in denen ich das, was ich nicht will, trotzdem zugeteilt erhalte? Das alles muss man mit und ohne Schauspieler in Filmszenen und Montagen, mit klugen Leuten wie Nobelpreisträger Stiglitz, Dirk Baecker, Joseph Vogl, aber auch mit gelernten Anatomen wie Josef Hader oder Helge Schneider herausfinden.“ (Alexander Kluge in DIE ZEIT)

Dies wird bereits der zweite Essayfilm sein, den Alexander Kluge direkt für eine DVD-Publikation produziert. Die 3 DVDs „Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein – Das Kapital“ mit 570 Minuten Laufzeit sind jedenfalls beim Publikum auf großes Interesse gestoßen. In Bibliotheken wachsen die Vorbestellungen in astronomische Höhen (ZLB Berlin 44 Vorbestellungen!). Diese neue Form des Filmens für eine DVD-Publikation fasziniert offenbar:

„Eisenstein schrieb tatsächlich in seinen theoretischen Schriften zum Kino beinahe verzweifelt eine Zukunft herbei, die seinen Filmidealen endlich die geeigneten Mittel zur Verfügung stellen würde: quadratische Leinwände zum Beispiel. Kluge ist einer der wenigen Regisseure, die das Glück haben, in der Lage zu sein, dass das vorhandene Material dem eigenen Schaffen entspricht – er ist der Meister des Bildschirms, der fernsehgerechten Form. Das macht die DVD zum genau richtigen Medium für sein Werk. Von der gewiss schwer durchstehbaren Vorführung eines neunstündigen Films dieser Art im Kino einmal ganz zu schweigen…

Zuletzt die Frage: Waren neun Stunden wirklich nötig? Die Antwort lautet: Ja. Und mehr wären schön gewesen, denn je länger man sich auf das Marx-Potpourri einlässt, desto intensiver zeigt sich, wie sehr „Das Kapital“ die Moderne geprägt hat – und vor allem Menschen. Alles, was das Menschsein berührt, ist der Analyse wert.“ (Andreas Platthaus in der FAZ)

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