Edgar Reitz – Das Frühwerk

Letzte Woche hat Kinowelt wieder eine seiner großartigen Boxen mit Werken deutscher Regisseure veröffentlicht. „Edgar Reitz – Das Frühwerk“ versammelt 6 Spielfilme und 6 Kurz- und Experimentalfilme, die seit Jahrzehnten aus der Öffentlichkeit verschwunden waren (Presseerklärung). Arthaus hat hier ein Stück westdeutscher Filmarchäologie betrieben und diese Werke des Neuen Deutschen Films aus der Aufbruchzeit der sechziger und siebziger Jahre wieder ausgegraben. Alle Filme wurden in mehrjähriger Arbeit unter der Aufsicht des Regisseurs sorgfältig restauriert:

„Eine Besonderheit der digitalen Film-Restaurierung besteht darin, dass alle Kriterien der Bildgestaltung neu definiert werden müssen. Die Farbigkeit von Kostümen, Schauplätzen, Natur, von Lichtstimmungen oder erzählerischen Abläufen im Schnitt, alle Elemente der Bildgestaltung also, können beliebig verändert und neu definiert werden. Das würde der Beliebigkeit einer Allerwelts-Ästhetik Tür und Tor öffnen, wenn nicht der Regisseur und sein Kameramann sich persönlich um die entscheidenden Prozesse der Filmrestaurierung selbst kümmern würden. Wir haben in unserem Falle das Glück gehabt, dass alle Arbeitsschritte unter unserer eigenen Kontrolle stattfinden konnten.

Bei der Bearbeitung der Filmmaterialien lag es nahe, auch die Ideen zu verwirklichen, für die in der Zeit der Entstehung der Filme die technischen Möglichkeiten fehlten: So haben wir im Film CARDILLAC endlich die fließenden Übergänge zwischen Farbmaterial und Schwarzweiß-Sequenzen realisiert, die mir damals vorgeschwebt hatten. Es gab in diesem Film auch die Möglichkeit, monochrome Bilder mit Farbbildern zu kombinieren, die damals mit unzulänglichen Mitteln „entsättigt“ worden waren. Goldtöne, die eine große Rolle spielen in diesem sonderbaren Film über einen verrückten Goldschmied, konnten endlich auch so zum Leuchten gebracht werden, wie es das alte Filmmaterial im Jahre 1969 noch nicht erlaubte. Bei der Bearbeitung der REISE NACH WIEN stellte sich zudem heraus, dass der Verleih 1974 mehrere Szenen herausgeschnitten hatte, um den Film der Vorstellungswelt der Verleihchefin anzunähern. Wir waren überglücklich, als wir die unverstümmelte Fassung wieder herstellen konnten, die bis auf den heutigen Tag niemand gesehen hat. Wir machten uns diese Entdeckung zunutze und erreichten, dass auch alle übrigen Filme in der ursprünglichen „Director’s Cut- Version“ restauriert und für die DVD gemastert werden konnten. Damit zeigen sich alle 6 Spielfilme der Frühwerk-Edition in ihrem schönsten Gewande, sodass man fast von einer Uraufführung dieser Filme sprechen kann.“ (Edgar Reitz: Das Frühwerk (Presserklärung))

Zu Edgar Reitz siehe auch: „Der Film verläßt das Kino“.

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