Blu ray erreicht die Cineasten

Der heute erscheinende FILM-DIENST würdigt die cineastischen Qualitäten der Blu ray-Disc. Jörg Gerle schreibt in Digitale Revolution – das neue „Wunderobjekt“ Blu-ray:

„Wenn die Randbedingungen stimmen, erlebt man Kinofilme dank Blu-ray künftig so, wie man es sich bislang nicht vorstellen konnte…

Was im wahren Sinne des Wortes ins Auge springt, ist die signifikant gestiegene Bildqualität. In der Theorie heißt das abstrakt eine Steigerung von 720*480 Pixel (DVD) auf 1920*1080 Pixel (Blu-ray), sprich bei gleicher Bildgröße eine mehr als doppelt so hohe Auflösung. In der Praxis bedeutet es: gestochen scharfe Schrift (selbst in den mitunter äußerst winzigen, sonst kaum lesbaren Abspanntiteln) sowie eine mitunter fast schon dreidimensional wirkende Tiefenschärfe und Farbenpracht. Auch Filme aus dem guten alten Zelluloid-Zeitalter bieten – weiterhin natürlich abhängig vom Master-Band – einen beachtlichen Qualitätsgewinn. Die im Vergleich zur DVD um ein Vielfaches höhere Speicherkapazität des Blu-ray-Mediums ermöglicht einen weniger komprimierten Transfer eines Films und vermeidet die damit einhergehenden Artefakte.

Auch der Ton ist bei den „blauen“ Disks nicht zuletzt aufgrund des größeren Speicherplatzes verbessert. Neue Tonformate wie Dolby TrueHD, PCM oder DTS-HD bezeichnen weitgehend unkomprimierte, respektive verlustfrei komprimierte Audioformate, die auf bis zu acht diskreten (sprich voneinander trennbaren) Kanälen hochwertige Tonsignale senden.“ (Jochen Gerle, Film-Dienst)

Jochen Gerle stellt im Film-Dienst auch einige in Deutschland erschienene Blu ray-Discs vor:

  • Unheimliche Begegnung der dritten Art: „Gerade diese Disk demonstriert besonders frappierend die Vorzüge des neuen Speichermediums. Da der Regisseur über die letzten 30 Jahre immer wieder an dem Film weitergearbeitet hatte, vereint diese „Ultimate Edition“ nun alle drei Fassungen auf einer Scheibe – was auf DVD unmöglich gewesen wäre, gelingt hier allein durch die immense Datenkapazität. Mittels der mitunter auch auf DVDs zu findenden „Seamless Branching Technology“ sind die 135-minütige Original-Kinoversion (1977), die 132-minütige „Special Edition“ (1980) und der 137-minütige „Director’s Cut“ (1997) enthalten. Man kann alle separat anwählen; durch die Aktivierung des „Fact-Track“ im Bonusmaterial werden jeweils die Unterschiede zu den weiteren Versionen an den entsprechenden Stellen eingeblendet. So kann sowohl der interessierte Laie als auch der Filmwissenschaftler die Genese des Films studieren.“
  • 2001 – Odysse in den Weltraum: „Wenn sich nach dem Prolog erstmals zu Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ die Planeten formieren, ist der audiovisuelle Eindruck atemberaubend. Ein Zustand, der sich über die feuerroten Savannen der Urzeit bis zu den tanzenden Raumschiffen fortsetzt. Die DVD-Artefakte in den satten Farben und den harten Kontrasten sind verschwunden; „2001 – Odyssee im Weltraum“ erstrahlt in einer Qualität, die selbst in einer 70mm-Superpanavision im Kino kaum erreicht werden kann.“
  • Der schwarze Falke: „John Fords Westernklassiker (1956) beeindruckte seinerzeit nicht zuletzt durch seine großartigen Panoramen vom Monument Valley in VistaVision… Mit dem Blu-ray-Transfer ist dieses filmhistorisch bedeutende Werk nun im alten Glanz konserviert. Es kann im annähernd richtigen VistaVision-Format von 1.78:1 (und nicht im aufgezoomten 16:9-Format mit am Rand etwa zehn Prozent beschnittenem Bildinhalt der DVD) bestaunt werden. Das Projektionsformat von VistaVision lag je nach Film zwischen 1.66:1, 1.85:1 und 2:1. Dank des gut erhaltenen Master hat das Werk eine Tiefenschärfe bekommen, die selbst in aktuellen Produktionen nur selten erreicht wird.“
  • Das war der wilde Westen: „Ein weiteres Beispiel für die Formatvielfalt der 1950er- und 1960er-Jahre war das „exotische“ Cinerama. Unter den neun Filmen dieses extremen Breitwandformats ist „Das war der Wilde Westen“ der berühmteste. Die mit drei 35mm-Kameras parallel aufgezeichneten Panoramen erstreckten sich in einer Breite von mitunter 2.89:1. Auch auf DVD ist die schwierige Restaurierung und Synchronisierung der drei Bildausschnitte bereits recht eindrücklich – auf Blu-ray ist der Effekt schlicht überwältigend; man kann förmlich die Grashalme und Sandkörner der weiten Prärie zählen.“ siehe auch How the West was won – Cinerama auf Blu ray.
  • Dornröschen: „Der Film, der bislang „nur“ in einer leicht milchigen Scope-Version (2.35:1) erschienen war, erstrahlt nun in prachtvollem 2.55:1. In punkto Bildplastizität und Kontraste ist die 50 Jahre alte Kopie auf Blu-ray-Disk einfach bestechend. Manche Sequenzen vermitteln gar den Eindruck computeranimierter Sequenzen – und das 37 Jahre vor „Toy Story“! In punkto Tonformat leistet der Disney-Konzern geradezu Pionierarbeit: Dank alter, in Deutschland entdeckter Original-Mastertapes ist der Upmix auf dts-HD 7.1 ein Fest für den Hifi-Liebhaber.“
  • Nightmare before Christmas: „Auch der 15 Jahre alte Puppenanimationsfilm „Nightmare before Christmas“ ist nie besser zu erleben gewesen als auf Blu-ray…
  • Zodiac- Director’s Cut: „Das Referenzbeispiel für die aktuellen Filme des Jahres 2008 ist nicht etwa der neue „Indiana Jones“, sondern die leicht verlängerte, nur auf DVD und Blu-ray-Disk erhältliche Fassung von David Finchers Thriller „Zodiac“. Der um etwa fünf Minuten ergänzte Film wurde komplett auf HD gedreht und ist damit für eine Auswertung auf Blu-ray prädestiniert. Das durch seine besondere Farb- und Kontrastdramaturgie auffallende investigative Krimimeisterwerk wirkt auf BD fast schon unwirklich intensiv.“

4 Antworten zu Blu ray erreicht die Cineasten

  1. Johannes sagt:

    Vor allem für Experimental-Kino hat BluRay einen unschätzbaren Vorteil:
    Ein nahezu verlustfreies Speichern einzelner Bilder. Bei der von DVD-Video verwendeten Kompressionsmethode MPEG2 werden nur alle paar Frames ein komplettes Bild gespeichert, die Zwischenräume bestehen nur aus Differenz-Werten zwischen den beiden Frames. Mit BluRay kann man nun endlich einen Film in allen seinen Einzelbildern digital speichern und ansehen. Ich hoffe dass sich irgendjemand erbarmt und z.B. Stan Brakhages handgemalte Filme auf BluRay veröffentlicht (Criterion, hört ihr mich?)

  2. dvdbiblog sagt:

    Pip Chodorov wird das gern hören. Als die DVD aufkam, hat er die Experimentalfilme seines Label re:voir http://www.absolutmedien.de/main.php?view=liste&list=rubrik&list_item=5&style=revoir genau aus dem genannten Grund weiterhin als VHS herausgebracht. Inzwischen gibt es allerdings einige Ausgaben von re:voir auch auf DVD. Vielleicht steigt er ja auch bald auf Blu ray um:

    „Do you always prefer VHS over DVD?
    MPEG 2 isn’t satisfying. The algorithms aren’t designed for unnatural and unpredictable images. When a car drives by or someone talks, there’s no problem. But when the image is painted or etched by hand, when it’s a film where each image is different from the others, details get lost.

    Can Blu-Ray fix these problems?
    Blu-Ray is much better because the data rate increases from 9 MB per second to 45 MB, and disc space increases from 5 GB to 45 GB.“
    http://en.blogs.dissidenz.com/2008/03/06/interview-with-pip-chodorov/

  3. Christian sagt:

    Ich hatte bei mir auf DVDuell bereits darauf hingewiesen, daß in dem Text leider kleine technische Fehler enthalten sind:

    Die DVD-Auflösung von 720×480 Pixel trifft auf NTSC-Discs zu (USA, Japan), das in Europa gebräuchliche PAL-System hingegen bietet 720×576 Pixel. Somit ergeben sich folgende Auflösungen:

    NTSC-DVD: 345.600 Pixel
    PAL-DVD: 414.720 Pixel
    Blu-ray: 2.073.600 Pixel

    Die Blu-ray besitzt also gegenüber einer PAL-DVD die 5-fache Auflösung und nicht nur “eine mehr als doppelt so hohe”. Gegenüber einer NTSC-DVD ist die Auflösung sogar 6 mal so hoch.

  4. Player sagt:

    Ich kann Christian nur zustimmen, die Daten sollten berichtigt werden.
    Mit einem sind wir uns aber alle einig: Der Qualitätsvorsprung ist enorm.

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