Der Kreis (Dayereh)

Passend zum internationalen Frauentag soll hier auf einen kleinen Film aufmerksam gemacht werden, der die Situation der Frauen im Iran geradezu physisch erlebbar macht. „Der Kreis“ (Dayereh) (IMDb ; dt. Wikipedia) von Jafar Panahi beschreibt das Schicksal von acht Frauen in Form eines Reigens, der mit einer Entlassung aus dem Gefängnis beginnt und einer Inhaftierung endet.

Die besondere Qualität des Films liegt darin, dass er einerseits die Frauen als Verfolgte und Gehetzte zeigt – die ausgestossenen Frauen huschen wie schwarze Gespenster von Hausecke zu Hausecke, sie müssen sich verbergen, sich selbst verleugnen -, sie sich andererseits aber in einer völlig gleichgültigen Umwelt bewegen, die wie selbstverständlich ihren Alltagsgeschäften nachgeht, was im Ton mit einem lauten, monotonen, den ganzen Film durchziehenden Alltagslärm eindringlich zum Ausdruck kommt. Der Widerspruch zwischen diesen beiden Elementen des Films läßt den Zuschauer die existentielle Situation der Frauen im Iran geradezu sinnlich empfinden und ohne viele Worte unmittelbar verstehen.

Den Frauen sind selbst einfachste Dinge verwehrt. Ohne männliche Begleitung ist es untersagt, ein Busticket zu kaufen oder ein Hotelzimmer zu buchen. Überall gibt es Kontrollen, jede Bewegung wird überwacht. Eine Schwangerschaft wird zur existentiellen Krise und die Lebensumstände machen sie umso unlösbarer. Die Form des Reigens lässt das Schicksal der Einzelnen im Nichts verschwinden, fortgesetzt durch das Drama der nächsten Frau in einer aussichtlosen Lage, die damit allgegenwärtig und alle Frauen betreffend erscheint. So müssen sich Juden in Deutschland nach 1935 gefühlt haben.

Der Film wirkt umso eindringlicher, als Panahi ihn in einem cinéma vérité-Stil fast vollständig auf der Straße gedreht hat, so dass die alltägliche Gewalt des Mullah-Regimes wie selbstverständlich erscheint und den Zuschauer umso unvermittelter und brutaler trifft. „Der Kreis“ ist ein wahrer Horrorfilm, der den Zuschauer sprachlos und wie erschlagen zurücklässt.

Er wurde im Jahr 2000 mit dem Hauptpreis des Filmfestivals in Venedig ausgezeichnet und ist im Iran verboten. Panahi hat das Drehbuch niemals den iranischen Behörden vorgelegt. (Interview mit Jafah Panahi ; Informationen des Verleihs Alamode)

Eine Bemerkung zum Schluss: Alamode hätte sich mehr Mühe beim Mastern des Films für die DVD geben können. Er ist nicht, wie auf dem Cover vermerkt, anamorph gespeichert, sondern im Letterbox-Format. Als Vorlage wurde eine italienische Kinokopie verwendet, die teilweise verschrammt ist. Beides zusammen ergibt eine nicht optimale Bildqualität.

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