Teufelsbraten

Die Vorab-Kritiken sind durchweg hymnisch und wenn nicht alles täuscht, wird es heute Abend eine Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland geben, vielleicht ganz ähnlich wie bei Eberhard Fechners „Tadellöser & Wolff“.

Arte sendet ab 21 Uhr den dreistündigen Film „Teufelsbraten“ von Hermine Huntgeburth nach dem Roman „Das verborgene Wort“ von Ulla Hahn, übrigens auch in Frankreich, dort zum ersten Mal bei einer deutschen Arte-Produktion sogar französisch synchronisiert.

Während sonst bei historischen Spielfilmen auf nationalem Hintergrund oft genug die Schmiere aus der Mattscheibe quillt, wird das Publikum hier eine differenzierte Darstellung der fünfziger Jahre im Adenauer-Deutschland erleben, die die ganze Härte dieser Zeit für den größten Teil der Bevölkerung ungeschminkt offenbart. Hermine Huntgeburth hatte solche Regiequalitäten schon in ihrem Erstlingsfilm „Im Kreise der Lieben“ gezeigt (Interview mit Hermine Huntgeburth), dem zeittypischen Portrait einer familiären Frauengemeinschaft, das von der genauen Beobachtung der Beziehungen untereinander lebt. Getragen wird „Teufelsbraten“ von einer hinreißenden Hauptdarstellerin: Anna Fischer spielt die sechzehnjährige Hildegard im 2. Teil des Films (Gesprächsnotizen mit Anna Fischer).

Ulla Hahn schreibt bereits an einer Fortsetzung ihres Romans „Das verborgene Wort“. Solange will sie sich den Film nicht ansehen (Interview mit Ulla Hahn über die biographischen Hintergründe des Romans und den Film) . Eine ähnliche Emanzipation durch Sprache und Schrift schildert die Autobiographie „Le gone du chaâba“ von Azouz Begag, der ebenfalls eindrucksvoll verfilmt wurde (DVD).

Die DVD-Ausgabe von „Teufelsbraten“ erscheint in der nächsten Woche am 13.3., wenn der Film im 1. Programm der ARD wiederholt worden ist (Mittwoch/Donnerstag, 12./13. März, 20.15 Uhr, ARD). Günter Rohrbach, der Produzent des Films, zur DVD:

Wann ist in Ihnen der Entschluss gereift, den Roman nicht als Kinofilm, sondern als TV-Zweiteiler zu produzieren?

Für mich war von Anfang an klar, dass es schwierig werden würde, die Geschichte auf 120 Minuten zu kürzen. Die 600 Seiten des Romans brauchen eben einen gewissen Raum. Daher hab ich mich entschieden, daraus lieber einen schönen und anspruchsvollen TV-Film zu machen. Es war nicht einfach, an die Rechte zu kommen, weil die schon vergeben waren. Und schließlich war es schwierig, den richtigen Drehbuchschreiber und die Darsteller zu finden, weil die Handlung stark vom kölschen Dialekt lebt.

Für die DVD wären Untertitel eine schöne Idee gewesen.
Richtig. Das hatten wir sogar überlegt. Ein Redakteur von Arte hatte das vorgeschlagen. Für das französische Programm hat Arte übrigens mit „Teufelsbraten“ zum ersten Mal einen deutschen Film synchronisiert. Allerdings frage ich mich, wie die das Dialektproblem gelöst haben…

Die DVD-Auswertung hat gerade im TV-Bereich in den letzten Jahren einen Boom erfahren. Inwiefern beschäftigen Sie sich damit?

Ich finde das fantastisch. Bevor ich anfing, Kinofilme zu produzieren, war ich beim WDR. Ich habe es beim Fernsehen immer als einen großen Mangel empfunden, dass die Filme gesendet wurden, und danach waren sie weg. Zwar liegen die Filme im Archiv, aber für den Zuschauer war es nur ein flüchtiger Eindruck. Ich finde es schön, dass mit der DVD-Auswertung für jeden die Möglichkeit besteht, die Filme zu konservieren. Für die Kinofilme ist es zwar ein großes Problem, so ein starkes Fernsehprogramm als Konkurrenz zu haben. Die Situation wird aber dadurch etwas gemildert, dass man weiß, es gibt noch ein anderes Medium, das es erlaubt, außerhalb dieser zeitlich limitierten Situation des Fernsehens einen Film zu sehen…

Ist die DVD für Sie auch ein Medium, um sich altes Material, Klassiker, noch einmal in Erinnerung zu rufen?

Die Süddeutsche Zeitung hatte mich gebeten, für ihre „Cinemathek“ etwas über „Das süße Leben“ und „Der dritte Mann “ zu schreiben. Dieses Konzept der Filmsammlung finde ich sehr gut. Früher war es viel schwieriger, an alte Filme zu kommen. Früher mussten wir uns dazu in einem Filmclub organisieren. Jetzt erscheinen die alten Filme und auch die TV-Serien auf DVD. Wunderbar!“ (Zitate aus: „Prof. Dr. Günter Rohrbach über TV-Produktionen auf DVD“, in: Mediabiz vom 6.3.2008, 12 Uhr. Quelle: Entertainment Media Verlag)

2 Antworten zu Teufelsbraten

  1. Marga Walschott sagt:

    Hallo,
    ich will Ihnen sagen, so einen gut gelungenen Film habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Hoffentlich ist der 2. Teil auch so gut.

  2. Sarah Moormann sagt:

    Der Film ist einer der Besten, den ich je gesehen habe! Jede Rolle wird gelebt und es macht unheimlich Spaß ihn zu sehen! Sehr gute Arbeit! Hochachtung!

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