Fernand Deligny

In Frankreich ist diese Woche ein Sampler mit Filmen von und über Fernand Deligny erschienen. Der Schriftsteller, Pädagoge und „Antipsychiater“ hat mit seinen Experimenten und seinen Schriften über den Autismus nicht nur die Theorie des Rhizoms von Gilles Deleuze und Felix Guattari beeinflusst. Auch die große Psychoanalytikerin des Kindes, Françoise Dolto hat mit ihm zusammengearbeitet und François Truffaut hat ihn für seine Filme (Sie küssten und sie schlugen ihn, Der Wolfsjunge) zu Rate gezogen – mehr Details über ihn siehe Helmut Höge: Antipsychiatrie mit Zuschauern (die Tageszeitung, 17.7.2004).

Die Edition enthält den vergessenen Klassiker „Le moindre geste“, der versucht, die Realität geistig Behinderter zu zeigen. „Nach der in Wirklichkeit genehmigten, also fiktionalen Flucht aus einer psychiatrischen Anstalt müssen sich zwei Jugendliche mit der Welt „draußen“ auseinandersetzen. Die Kamera versucht, die Reaktionen der beiden einzufangen. Der Film versteht sich als Plädoyer, das „andere“ zu akzeptieren.“ (Lexikon des internationalen Films):

“ Mesmerizing like a silent avant-garde experiment, powerful like a biopic documentary, this pseudo-film is a fantastic hymn to the weakness of humanity on both side of the autistic wall. Throughout this disturbing journey into madness, a glimpse of how complex and overbearing the universe of autism can be, is suggested with stunning simplicity.“ (Harry Tuttle, Internet Movie Database)

Die Edition „Le Cinéma de Fernand Deligny“ enthält neben der restaurierten Fassung von „Le moindre geste“ (95 Minuten) 2 Filme von Renaud Victor über Deligny (« Ce gamin là » et « Deligny, à propos d’un film à faire »). In „Ricochets du Moindre Geste“ rekapitulieren Josée Manenti, die die Kamera führte, und Jean-Pierre Daniel, der den Film erst Jahre später montiert hat, an einem Schneidetisch die verwickelte Entstehungsgeschichte von „Le moindre geste“:

„Shot between 1962 and 1964 with an amateur crew and cast (in their own roles), this film was never edited until it was found by Jean-Pierre Daniel who found the reels in a trunk. It was then shown at the 1971 Cannes Film Festival (section Semaine de la Critique). After that, the film was lost in nature for another 30 years, then was rediscovered again in 2001 by the original director and cinematographer Josée Manenti. The film has its first French national release in 2004.“ (IMDb)

Leider gibt es keine Untertitel zum französischen Originalton. Mehr zu den einzelnen Filmen siehe Cahiers du Cinéma No. 428 (Februar 1990)

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