Dreigroschenoper – Threepenny Opera

Teletubbies“ und „Micky Maus„, das waren die Assoziationen zu Robert Wilsons „Dreigroschenoper“, die letzte Woche im Berliner Ensemble, Brechts altem Theater, Premiere hatte. So endet, was 1928 bei Schlichter begann, als Bertolt Brecht Austern schlürfend dem jungen Theaterdirektor Ernst Josef Aufricht das neue Stück und die Inszenierung zur Eröffnung seiner Direktion in die Hand versprach. Heute bietet dort, Martin-Luther- Ecke Fuggerstraße, die Pizzeria „Sorrisi e Canzoni (!)“ ihre Dienste an.

Wer authentisches Zeitkolorit vorzieht, dem sei die soeben in den USA erschienene DVD „The Threepenny Opera“ in der Edition der Criterion Collection empfohlen. Sie basiert auf der neurestaurierten Originalfassung „Die 3-Groschen-Oper“ (1931) des Bundesarchiv-Filmarchivs, die 2006 anläßlich der Berlinale zum ersten Mal präsentiert wurde (Presseerklärung). Mehr zu dieser absolut herausragenden Arbeit bietet das Informationsblatt zur Aufführung, in dem Jeanpaul Goergen die Aufführungsgeschichte des Films nach 1945 nachzeichnet und Egbert Koppe vom Bundesarchiv-Filmarchiv die Restaurierungsarbeiten darstellt.

Diese neue Fassung wurde von Criterion mit dem eigenen Knowhow für die DVD gemastert. Issa Clubb, der bereits 2005 für die Edition von Fritz Langs „M“ mit dem Willy Haas Preis für die beste DVD ausgezeichnet wurde, hat als verantwortlicher Produzent eine Studienfassung zusammengestellt, die eine intensive Beschäftigung mit diesem Film erlaubt.

Kommentiert wird er von Eric Rentschler, Spezialist für den deutschsprachigen Film von der Havard University, und David Bathrick, Herausgeber der New German Critique von der Cornell University. Ebenso wie in der BFI-Edition von 2004 (VHS 1998) ist auch bei Criterion die zeittypische Mehrsprachenversion „L’Opéra de quat’sous“ auf einer zweiten Disc enthalten. Charles O’Brien vergleicht die verschiedenen Fassungen (18 Min.). Die Aufführungspraxis nach 1945 in Ostdeutschland dokumentiert ein Prolog mit Ernst Busch und Fritz Rasp, den Sovexportfilm zur Belehrung des deutschen Publikums 1948 seiner Verleihfassung voranstellte. Die Aufführungsgeschichte der „Dreigroschenoper“ wird in der neuen, 48minütigen Dokumentation„Brecht and Pabst“ dargestellt. Herausragend sind die mehrere hundert Produktionsfotos des Set-Fotografen Hans Casparius, die in exzellenter Qualität in einer 40minütigen Videoshow betrachtet werden können und einen sinnlichen Eindruck von den Produktionsbedingungen geben. (Test der DVD)

Diese Edition der Criterion Collection bietet wieder einmal Anlass, über die Präsenz der deutschen Filmgeschichte auf dem DVD-Markt in Deutschland nachzudenken, denn wer sich in dieser Form mit dem Pabst-Film beschäftigen will, muss leider der englischen Sprache mächtig sein. Ein Trost: Der Film selbst ist selbstverständlich auf Deutsch.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: