4 Schüler gegen Stalin

Vier Schüler der 11. Klasse an der „Karl-Marx-Oberschule“ in Altenburg versammeln sich am 20. Dezember 1949 in einer Wohnung. Jörn-Ulrich Brödel, Ulf Uhlig, Joachim Näther und Gerhard Schmale gehören einem oppositionellen Zirkel in ihrer Schule an:

„Für diesen Abend planen sie eine wagemutige Aktion – eine illegale Radiosendung aus Anlass des 70. Geburtstages von Josef Stalin. Pünktlich zur Festansprache von DDR-Präsident Wilhelm Pieck beginnen die vier Schüler mit ihrem selbst gebastelten Sender ein eigenes Programm: Im Gegensatz zu den öffentlichen Lobpreisungen bezeichnen sie Stalin als „Massenmörder“ und „Diktator“ und beschuldigen ihn, Millionen Unschuldige im Gulag umgebracht zu haben. Auch in der DDR, so ihre Botschaft, säßen zehntausende Unschuldige in den vom russischen Geheimdienst NKWD wieder genutzten ehemaligen Konzentrationslagern ein. “ (Leipziger Internet Zeitung)

Drei Monate später kommt ihnen die Staatssicherheit auf die Spur. Sie werden verhaftet und 1950 von einem sowjetischen Militärgericht in einem Geheimprozess verurteilt, drei von ihnen zu langjährigen Zuchthausstrafen, Joachim Näther zum Tod. Er wird noch im selben Jahr in Moskau erschossen. Die Verwandten erfahren erst 1997 von seinem Schicksal. Sein Henker kann später identifiziert werden. Er hatte über 10.000 Menschen auf dem Gewissen. Für die vier Schüler selbst hatte sich ihre eigene Radiosendung auf tragische Weise als wahr erwiesen.

Der Film „4 Schüler gegen Stalin“ beschreibt die vergessene Geschichte einer kleinen „Weißen Rose“ in der DDR. Er wurde mit heutigen Schülern der ehemaligen „Karl-Marx-Oberschule“ an den Originalschauplätzen in Altenburg gedreht, zusammen mit den beiden Überlebenden Jörn-Ulrich Brödel und Gerhard Schmale, der den Sender gebaut hatte. Der Nachbau von Gerhard Schmale ist heute im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig ausgestellt.

Die DVD kann bei der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur bestellt werden. Der Jugendroman dazu ist unter dem Titel „50 Hertz gegen Stalin“ bei Sauerländer erschienen. Die Stiftung bietet weitere interessante Filme zum Thema auf DVD an (siehe Publikationen). Leider sind diese Titel oft nicht in einschlägigen Datenbanken und Mailorder-Katalogen nachgewiesen und deshalb nur schwer zu finden.

Eine Antwort zu 4 Schüler gegen Stalin

  1. […] „4 Schüler gegen Stalin“ (Thanh, […]

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