Bauern, Bonzen, Bomben

Die ARD kündigt für August Egon Monks Verfilmung von Hans Falladas Roman „Bauern, Bonzen, Bomben“ auf DVD an. Es ist gut, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten nun aus ihren Archiven auch anspruchsvolle Fernsehspiele veröffentlichen und mit ihren DVD-Ausgaben nicht ausschließlich dem Populismus frönen. Egon Monk, der Anfang dieses Jahres gestorben ist, gehört zu den bedeutenden deutschen Fernsehautoren und hätte durchaus eine Gesamtedition seines Werks auf DVD verdient.

Seine Verfilmung des Fallada-Romans zeigt einen entscheidenen Abschnitt deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive von unten:

„Egon Monk, sagt, [Falladas Buch] zeige „einige Ursachen für den Verfall der Weimarer Republik“ auf. Die militante völkische Landvolk-Bewegung (1928 gegründet) im Schleswig-Holstein der späten Weimarer Republik schob der „roten Judenrepublik“, dem verhassten republikanischen „System“ die Schuld an ihrer ökonomischen Notlage zu. Im August 1929 zogen etwa 3000 Bauern zu einer Kundgebung in die kleine Industriestadt Neumünster ein. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, meldete der „General-Anzeiger“ am nächsten Tag. Über den folgenden Prozess um die Straßenkämpfe hatte Fallada berichtet, in seinem Roman das Geschehen dann allerdings nach Pommern verlegt. Monk hat die Handlung nach Schleswig-Holstein zurückgeholt; er drehte ca. 120 Tage in den realen historischen Kulissen von Hamburg, Rendsburg, Lüneburg, Eckernförde und Neumünster.“ („Deutsches Filmhaus“)

Wer sich für die näheren lokalgeschichtlichen Voraussetzungen für Buch und Film interessiert, dem sei Rudolf Rietzlers hervorragende Dissertation „Kampf in der Nordmark“ : das Aufkommen des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (1919 – 1928) (Neumünster: Wachholtz, 1982) empfohlen.

Als Beigabe zu dieser vielversprechenden DVD-Edition der ARD gibt es die Dokumentation „Ort der Handlung: Deutschland – Egon Monk und seine Filme“ von Stephan Reichenberger (NDR, 1985):

Stephan Reichenbergers „Ort der Handlung: Deutschland“ ist eine ebenso eindringliche wie erhellende Annäherung an das Werk Egon Monks, des wohl wichtigsten deutschen Fernsehregisseurs der 60er Jahre. Auf eine chronologische Aneinanderreihung seines Materials hat der Autor verzichtet, um sich auf einige Themenschwerpunkte zu konzentrieren. In Interviews, Filmausschnitten und Archivaufnahmen geht „Ort der Handlung“ auf Arbeitsbedingungen, Gegenstände, Geschichtsverständnisse, Ziele und Vorbilder des Regisseurs ein und ganz behutsam auch auf die Persönlichkeit Egon Monks.“ (Goethe-Institut)

Eine Antwort zu Bauern, Bonzen, Bomben

  1. […] & Wolff” und “Ein Kapitel für sich” nach Walter Kempowski und mit Egon Monks “Bauern, Bonzen, Bomben” ein Anfang […]

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