The Power and the Glory von William K. Howard auf DVD

20. August 2012

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Film Comment hat Dave Kehr einen sehr lesenswerten Artikel über William K. Howard (TCM) veröffentlicht.

Rechtzeitig zu dieser Wiederentdeckung von William K. Howard: Beim neuen MOD-Label 20th Century Fox Cinema Archives (Presseerklärung) wird in der zweiten Staffel der Neuerscheinungen jetzt eines von Howards Hauptwerken erscheinen,  “The Power and the Glory” von 1933, der nach Pauline Kael als Vorläufer von Citizen Kane gelten kann. Der Precode-Film nach einem Drehbuch von Preston Sturges war bisher noch auf keinem Heimkinoformat erhältlich.

“The primary victim of Pauline Kael’s “Raising Kane” was not in the end, its intended one:  Orson Welles reputation is stronger today than it was in 1971, when Kael first published her essay. But when Kael missatributed the 1933 “The Power and the Glory”, with its striking, experimental use of flashbacks to recount the life of a railroad magnate (Spencer Tracy), to its screenwriter, Preston Sturges, she eficcently nullified the existence of William K. Howard, the film’s director and true auteur.” ( Dave Kehr:  Lost along the way. The past weighs heavily on the protagonists of  William K. Howard’s films. In: Film Comment July-August 2012, S.20)

Neben “The Power and the Glory” sind sein bedeutendster Film “Back Door to Heaven” in einer schlechten Kopie in den USA, “Fire over England” in Großbritannien, “The Princess comes across” in Australien, “Over the Moon” aus Spanien in Großbritannien und der Stummfilm “White Gold” von einer 16mm-Kopie bei Grapevine in den USA auf DVD lieferbar. Die Edgar-Wallace-Verfilmung “The Squeaker” gibt es in einer Doppelbox unter dem Titel “The Edgar Wallace Collection 2″ ebenfalls in den USA. “Johnny come lately” war in Großbritannien als VHS erschienen. Willam K. Howard ist für den Home Video-Markt also noch zu entdecken.


The Connection von Shirley Clarke restauriert

21. Mai 2012

“What has eight junkies, four jazz musicians, one remarkable director, 103 restored minutes of rebellious filmmaking and the BEST reviews in New York City?”

Die Antwort: Das versunkene  Werk von Shirley Clarke taucht wieder auf: Ihr erster Film “The Connection”  (Forum des jungen Films 2012) wurde in restaurierter Form Anfang Mai in New York wiederaufgeführt und die Resonanz war enorm. Manohla Dargis, Karina Longworth, Jim Hoberman haben sich mit ihrem Werk auseinandergesetzt und Indie Wire führte eine Diskussion.

“Während der Living-Theater-Inszenierung von Jack Gelber sei das Publikum in Verlegenheit geraten, in der Filmversion von Shirley Clarke müsse es sich als Angeklagter vorkommen, hieß es zur Premiere. Der Film zeigt, wie eine Gruppe drogenabhängiger Jazzmusiker in einer New Yorker Wohnung auf ihre “Connection” wartet, während ein zweiköpfiges Dokumentarfilmteam die Situation aufnimmt. In Begleitung einer christlichen Straßenpredigerin trifft der Drogenhändler ein. Spätestens als der Filmemacher, dessen Bibel Kracauers “Theory of Film” ist, ihn auffordert, den Blick von ihm zu lassen und nach seiner Kamera wie nach einer Waffe greift, verschieben sich die Machtverhältnisse unwiederbringlich. Das Filmteam und die Protagonisten verhandeln Fragen von Moral und Gesellschaft sowie das Verhältnis von Realität und Fiktion in einer schwindelerregenden Choreografie von Zuständen: Scharfsinn, Rausch und Entzug. Die Kamera, mal Handkamera, mal statisch, wird zur leitenden Hauptfigur; es scheint, als habe sie nicht nur einen Körper und ein Gehirn, sondern ein Gewissen.
THE CONNECTION seziert das Kino und ging als Meilenstein des Cinéma Vérité, aber auch als Jazzmusical in die Filmgeschichte ein. ” (Arsenal-Kino)

Amy Heller und Dennis Doros von Milestone Films werden nach und nach 4 Langfilme und über zwölf  ihrer Kurzfilme in restaurierter Form veröffentlichen, wie immer nach der Kinoaufführung auch als DVD und Blu-ray. Damit werden ihre Arbeiten nach Jahrzehnten des Vergessens wieder zugänglich. Shirley Clarke ist wieder da!

Erschienen waren bisher lediglich “Portrait of Jason” bei SecondrunDVD in Großbritannien und “The Connection” in qualitativ schlechter Fassung in einer versteckten Jazz-Edition – beide DVDs sind inzwischen vergriffen und nur noch zu Höchstpreisen erhältlich.

Shirley Clarke steht mit ihrer Filmarbeit Ende der 50ger Jahre und  Anfang der 60er Jahre  mit dem Statement für ein New American Cinema” und als Mitgründerin der Film-Makers’ Cooperative in New York am Beginn einer neuen Art des Filmemachens. Als weibliche Filmemacherin war sie in dieser Szene zu jener Zeit eine Ausnahme:

“I identified with black people because I couldn’t deal with the woman question and I transposed it. I could understand very easily the black problems, and I somehow equated them to how I felt. When I did The Connection, which was about junkies, I knew nothing about junk and cared less. It was a symbol–people who are on the outside. I always felt alone, and on the outside of the culture that I was in. I grew up in a time when women weren’t running things. They still aren’t.[10]” (Wikipedia)


Leo Hurwitz auf DVD

17. April 2012

Die schwedische Kulturorganisation Filmcentrum hat schon 2006 10 Filme von Leo Hurwitz auf DVD herausgebracht, allerdings zu einem institutionellen Preis. Diesen Hinweis verdanken wir Jonathan Rosenbaum, der in seiner Kolumne in Cinema Scope aus Bologna von den DVD-Awards des Festivals Cinema Ritrovato berichtet hat, wo Alexander Horwath diese Edition als preiswürdig vorgeschlagen hatte.

Leo Hurwitz ist heute nahezu vergessen, gehört als Pionier des dokumentarischen Films der 30er Jahre jedoch zu den bedeutendsten Dokumentaristen der USA.  Die New York Times hat anläßlich seines Todes 1991 einen kurzen Überblick über sein Schaffen gegeben (“Leo Hurwitz, 81, Blacklisted Maker Of Documentaries”). Trotz politischer Verfolgung hat er es sich nicht nehmen lassen, immer weiter zu arbeiten. Sein Hauptwerk ist der fast 4stündige Film “Dialogue with a woman departed” (1981) über seine 1971 verstorbene Frau Peggy Lawson.

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit hatte dieses Werk im November 1981 als Film des Monats ausgewählt.

In Deutschland ist wenig über Leo Hurwitz erschienen, wenn man einmal vom Sonderheft der Zeitschrift “Filmkritik” von 1979 absieht (FILMKRITIK. 23. Jahrgang 1979. Nr. 2. LEO T. HURWITZ.. Marxistische Filmproduktion in Amerika 1931 – 1942.)

     “Leo T. Hurwitz, hierzulande fast unbekannt war einer der wichtigsten amerikanischen DokumentarfilmRegisseure der dreißiger und vierziger Jahre („China Strikes Back”), später einer der Pioniere des amerikanischen Fernsehens. Sein einziger Spielfilm, „Native Land”, gehört zu den wenigen Beispielen marxistisch geprägten Kinos in den USA. Diesem Mann, der die sozialkritische amerikanische Dokumentarfilm Bewegung der Roosevelt Ära entscheidend beeinflußte, hat jetzt die Zeitschrift „Filmkritik” ein Sonderheft gewidmet: mit ausführlichen Materialien von und über Hurwitz, einem Interview und Dokumenten zum zeitgeschichtlichen Hintergrund.” (DIE ZEIT, 16.3.1979 Nr. 12)

Die 5 DVDs des Filmcentrums wurden von Ingela Romare herausgegeben.  Ihr Film über Hurwitz, die 6. DVD in dieser Reihe, ist offenbar nicht englisch untertitelt.


Coffret DVD David Williams: Lillian & Thirteen

21. September 2011

Ein Hinweis aus der Liste von Jonathan Rosenbaum: In Frankreich ist bei ED Distribution vor einem Jahr eine Box mit dem Werk des amerikanischen Filmemachers David Williams erschienen. Neben seinen Kurzfilmen aus den 80er Jahren ( SHADOWS (1982 – 5 min.) DREAMS IN THE NIGHT (1983 – 11 min.) THE WOMAN IN THE WINDOW (1984 – 11 min.) THE LAST OF SUMMER (1985 – 14 min.) TRANSITIONS (1987 – 16 min.) WAVING (1987 – 3 min.) stehen seine beiden dokumentarischen Spielfilme “Lillian” (1993) und “Thirteen” (1997) im Mittelpunkt, zwei faszinierende Arbeiten über die innere Stärke ihrer jeweiligen Protagonisten, einer 57jährigen Pflegerin und eines 13jährigen Mädchens.

“Lillian” lebt von seiner Hauptdarstellerin, die sich selbst spielt:

“Like its subject, “Lillian” is a film that moves slowly and surely, but ultimately has a remarkable impact. A “fictional documentary” whose inspiration is portrayed by its very source, David D. Williams’s film documents a day in the life of Lillian Folley, a 57-year-old African American caretaker whose Richmond house provides a hopeful start for foster children and a dignified end for the elderly.

On the surface, the things that happen in the course of Lillian’s long day — she is first up and last to sleep — are mundane events. Williams’s triumph is not that he ennobles Lillian — she doesn’t need that kind of patronizing — but that he recognizes the quiet strength that allows her to function in the face of others’ constant needs…

Melding cinema verite and fiction, director Williams opts for the naturalist feel of a documentary (undercut only by a cheesy synthesizer soundtrack) and an unhurried but active pace that reflects Lillian’s dawn-to-dusk commitment. It’s a bold hybrid that succeeds because of the immense power of Lillian Folley herself. “Lillian’s” small budget is evident, but so is its heart. ” (Richard Harrington: Lillian. The Washington Post, March 18, 1994)

“A word about the filmmaking. Except for the lack of explosions and A-list actors, and some art-film interludes (Williams was a painter and photographer before exploring film), “Lillian” is indistinguishable (visually) from a “real” movie. Shot on Super-16mm and blown up to 35mm, “Lillian” makes judicious use of cranes and tracks, all while exploring the confined spaces of Lillian’s actual house and the environs of Richmond’s North side. This film is a real treat that few have seen. Just as Williams’ follow-up film “Thirteen” (which also features Lillian) resonates with anyone who’s ever been a girl, “Lillian” will find favor with anyone who has a mother. ” (dearborne: Best African-American female character in film. IMDb)

“Thirteen”   beobachtet mit dokumentarischer Genauigkeit ohne jede Wertung eine Dreizehnjährige in ihren Widersprüchen . Obwohl sie von zu Hause ausreißt, bleibt sie Ihrer Mutter innig verbunden (gespielt von der Hauptdarstellerin aus “Lillian”).

“David Williams’ movie “Thirteen” belongs to a burgeoning genre that determinedly blurs the line between fiction and documentary filmmaking. Largely improvised, with no screenplay and featuring a cast that includes untrained actors as well as professionals, this portrait of a sullen, quirky 13-year-old black girl growing up in Richmond, Va., feels utterly real during much (though not all) of its 87 minutes. ..

For all its narrative glitches and its homemade quality, “Thirteen” evokes the rhythm, texture and tone of Nina’s world in a way that a more carefully scripted film could never do. It reminds you of how mysterious and complex individual character really is. Nina’s obsession with cars and her way of suddenly bursting out with blunt observations and demands make for a fascinating portrait of a shy, strong-willed girl whose mind is churning as she tries to figure out the world and her future.” (Stephen Holden: ‘Thirteen’: Improvising a Troubled 13-Year-Old’s Mind. The New York Times, April 4, 1998)


El Jefe von Fernando Ayala

14. September 2011

In Argentinien ist der Klassiker “El Jefe” von Fernando Ayala auf DVD erschienen, leider ohne englische Untertitel, was einen aber eigentlich nicht davon abhalten sollte, diesen argentinischen Film noir von 1958 zu entdecken… – wenn die DVD-Ausgabe nicht so mangelhaft wäre (s. u.).

Der Film basiert auf einer Erzählung von David Viñas, der zusammen mit Ayala auch das Drehbuch geschrieben hat. Er beschreibt das Innenleben einer Bande und ihre symbiotischen Beziehungen zwischen Chef und “Untergebenen”, ein Verhältnis, das Ayala und Viñas durchaus prototypisch für die argentinische Gesellschaft und Politik sehen.

“Here we have a film about a gang of five larcenists and swindlers who carry off various enrichment schemes under the leadership of “El Jefe,” The Chief. The film opens as they are all at the police station under arrest. They nudge each other as they await interrogation, secure in the knowledge that as soon as El Jefe arrives, he will get them all off somehow. Naturally this film could not have been made during the Peron years, but just 3 years after his fall, here it is. The script is by David Vinas, an leftist anti-Peronist novelist. At one point in the film a woman asks El Jefe how he is able to command the unquestioning allegiance of his gang. He replies: “I take care of them. I snap my fingers, and they are at my beck and call. You have to study them, know their likes & dislikes, their little quirks, their resentments, and what they hope for. I give to them, and they give to me. And they end up wanting just what I want.” We do not learn much about Peronism from this film, but we learn a lot about how Peron’s detractors regarded him. ” (pfrank-4from Venice CA, IMDb)

Die argentinische DVD-Ausgabe dürfe allerdings ein Reinfall sein. Sie enthält den Film nur im Vollformat (4:3), obwohl er in CinemaScope (Panavision) gedreht wurde. Die Musik stammt übrigens von Lalo Schiffrin. Dies ist seine erste Arbeit für einen Spielfilm.

Hier wurde offenbar die Chance verpasst, einen bedeutenden Film nach über 50 Jahren wieder in seiner ursprünglichen Form bekannt zu machen.

“This is a beautifully shot movie from Argentina about a small band of men engaged in small time, get-rich quick schemes, with a charismatic but shady leader. The film is stylish, with beautifully lit black and white cinematography, elegantly seedy costumes and a lush dark score by Lalo Schifrin (his first film score, with a moody sax performance by Gato Barbieri). The uniformly fine cast give tense, sexually-charged performances that keep the more melodramatic moments from bogging down. A really gem of a film. ” (philmckfrom LA, CA, IMDb)

Von Fernando Ayala sind in Argentinien weitere beachtenswerte Filme erschienen: “El candidato”, “Paula Cautiva”, “Primero Yo”, “La Fiaca” (engl. UT.) und sein Spätwerk “Plata dulce” (engl. UT.).


Albert Capellani

13. Juli 2011

Zwei DVD-Editionen mit restaurierten Filmen von Albert Capellani sind in diesem Jahr erschienen: in Frankreich bei Pathé  eine große 4-Disc-Ausgabe von fast 10 Stunden Länge mit einigen der ersten Langfilme der Filmgeschichte und in Italien bei der Cineteca di Bologna eine Sammlung ausschließlich mit Kurzfilmen, herausgegeben von Mariann Lewinsky.

Capellani war Leiter der Société Cinématographique des Auteurs et Gens de Lettres (S.C.A.G.L.), die ebenso wie die mehr theaterorientierte Gesellschaft “Film d’ Art” den Film zu einem bürgerlichen Kunstvergnügen machen wollte.

Inhalt “Coffret Albert Capellani”

4 adaptations de chefs-d’œuvre de la littérature française:
- L’Assomoir – 1908 (Durée : 35min46 – format : 1.33 – noir et blanc)
- Germinal – 1913 (Durée : 2h28 – format : 1.33 – copie teintée)
- Le Chevalier de Maison Rouge – 1914 (Durée : 1h48 – format : 1.33 – copie teintée)
- Quatre-Vingt-Treize – 1921 (Durée : 2h45 – format : 1.33 – copie teintée)

Les débuts de sa carrière : une sélection de 7 films courts
- Drame passionnel – 1906 (Durée : 6min35 – format 1.33 – copie teintée)
- Mortelle idylle – 1906 (Durée : 5min30 – format 1.33 – noir et blanc)
- Pauvre mère – 1906 (Durée : 5min55 – format 1.33 – noir et blanc)
- La fille du sonneur – 1906 (Durée : 10min04 – format 1.33 – copie teintée)
- La femme du lutteur – 1906 (Durée : 5min07 – format 1.33 – noir et blanc)
- L’âge du cœur – 1906 (Durée : 4min06 – format 1.33 – copie teintée)
- Aladin ou la lampe merveilleuse – 1906 (Durée : 13min20 – format : 1.33 – copie teintée et coloriée)

Un livret de 40 pages :
- Albert Capellani – La saga Capellani par Bernard Basset-Capellani
- Albert Capellani, cinéaste Pathé frères, 1906 par Richard Abel
- De Fort Lee 1905 à aujourd’hui par Pierre Rissient
- Les films Capellani de la collection Morieux par Stéphanie Salmon
- Notes sur la restauration, par Camille Blot-Wellens
- Une enfance au cinéma par Stéphanie Salmon

Inhalt “Cento anni fa. Albert Capellani. Un cinema di grandeur 1905-1911″

* L’Epouvante 1911 208m 10′ colour (tinting and toning) Star: Mistinguett
Le Pain des petits oiseaux 1911 240m 13′ BW Star: Napierkowska
* L’Intrigante 1911 162m 9′ COL teintage
Mariée du chateau maudit 1910 221m 12′ stencil
Evadé des Tuileries 1910 252m 14′ BW
La Mort du Duc d’Enghien 1909 270m 15′ bw
L’Arlésienne 1908 350m 20′ BW
L’Homme au gants blanc 1908 ca 200m 10′ BW (new restoration)
Samson 1908 300m 15′ stencil
Cendrillon 1907 295m 15′ teintage
* Amour d’Esclave 1907 203m 10′
Le Pied de Mouton 1907 275m 15′ colour (pochoir / stencil)
Les Deux soeurs 1907 200m 10′ bw
Loi du Pardon 1906
* Le Chemineau 1905 105m 6′ colour (toning)
Bonus: Illustrated Filmography of Albert Capellani
(films from the EYE collection with a (*).

Die Diskussion über die beiden Ausgaben kann man auf Nitratville verfolgen (Vielen Dank an Marshall Deutelbaum für den Hinweis)

 


Gesamtwerk von Molly Dineen auf DVD

29. März 2011

Eine Nachricht, auf die wir schon lange gewartet haben:  Das British Film Insitute veröffentlicht das Gesamtwerk der Filmemacherin Molly Dineen (Interview über ihre Arbeitsweise). Sie gehört zweifellos zu den bedeutendsten Dokumentaristen und kann  ohne weiteres Frederick Wiseman an die Seite gestellt werden.  Allerdings ist sie außerhalb Großbritanniens bisher kaum bekannt. Einige ihrer Filme sind im deutschen Fernsehen im WDR und bei Arte gelaufen, im Kino jedoch nicht. Ihr Film “Unter Männern” (In the Company of Men) ist jedenfalls unvergessen.

Molly Dineen erschließt wie Wiseman soziale Biotope in ihrer ganzen Widersprünglichkeit, allerdings meist mit einzelnen Menschen im Mittelpunkt:

“I have made the same film most of my career, about institutional change” (Molly Dineen)

Der erste Band der “Molly Dineen Collection” erscheint am 25. April in Großbritannien (enthaltene Filme). Hier die Angaben zu den beiden folgenden Bänden:

Volume Two, released on 22 August, brings us the The Ark (1993), the memorable four-part series in which the management, staff and animals of London Zoo fought for survival in the face of drastic cuts and threatened closure. This BAFTA award-winning series was seen by many as a metaphor for what happened in Thatcher’s Britain, as public service institutions had to battle for the first time with the harsh reality of market forces.

Volume Three, released on 21 November, will contain Geri (1999), the provocative portrait of Geri Halliwell on her departure from the Spice Girls, The Lords’ Tale (2002), a privileged insight into the historic event in the House of Lords during the unprecedented move to make hereditary Lords redundant, and The Lie of the Land (2007), another BAFTA Award-winning investigation, this time into the devastating effects of economic change on Britain’s countryside, set against the enforcement of the hunting ban. An additional feature will be the Party Political Broadcast, Tony Blair (1997), the 10 minute portrait of Tony Blair so crucial to his landmark election campaign. (Presserklärung des BFI)


Theo Angelopoulos bei Trigon

5. März 2011

Lange erwartet, in verschiedenen Ländern immer wieder verschoben – eine DVD-Edition der Werke von Theo Angelopoulos. Die Teile der griechische Ausgabe mit englischen Untertiteln sind nur noch rudimentär lieferbar und die japanische Edition hatte keine englischen Untertitel.

Nun erscheinen in der Schweiz 9 Filme auf DVD sogar mit deutschen Untertiteln. Die Stiftung Trigon-Film bringt eine Special Edition mit 6 Titeln und 3 weitere Titel einzeln heraus. Davon liegt im deutschsprachigen Raum bisher lediglich “Die Ewigkeit und ein Tag” als 2-Disc-Ausgabe in der Reihe Arthaus Premium vor.

Hier die Titel im einzelnen:

Angelopoulos-Box (erscheint Ende Juli; Subskriptionsangebot bis zum 31.5.2011):

Meres tou 36Theo Angelopoulos, Griechenland, 1973
O Thiasos – O ThiassosTheo Angelopoulos, Griechenland, 1975
Oi kynigoiTheo Angelopoulos, Griechenland, 1977
Taxidi sta Kythira – Voyage to CytheraTheo Angelopoulos, Griechenland, 1984
O melissokomosTheo Angelopoulos, Griechenland, 1986
Topio stin omichliTheo Angelopoulos, Griechenland, 1988

Daneben wird es  Die Ewigkeit und ein Tag mit Bruno Ganz, Alexander der Grosse mit Omero Antonutti und Der Blick des Odysseus mit Harvey Keitel geben., jede DVD mit einem ausführlichen Gespräch zum jeweiligen Film.

 


Val del Omar

4. März 2011

In Spanien ist bei Cameo Media eine umfangreiche Box mit Filmen von Val del Omar erschienen.

Bereits 1999 schrieb das Mainzer Stadtkino anläßlich einer Ausstellung und Filmreihe:

“Val del Omar (1904-1982) ist der bedeutendste spanische Erfinder auf verschiedenen filmtechnischen Gebieten und ein nicht minder bedeutender Filmkünstler, der in der Filmgeschichte bislang nicht angemessen gewürdigt wurde, obgleich er z.B. 1956 seinen Granada-Film mit großem Erfolg bei den Filmfestspielen in Berlin vorstellte und seine Filme in den 50er und 60er Jahren auf allen großen Festivals der Welt gezeigt wurden. U.a. wurde “Fuego en Castilla” in Cannes prämiert. In Spanien wurde anläßlich der Hundertjahrfeier des Kinos sein Tríptico von der Filmoteca de Andalucía (Andalusische Kinemathek) restauriert und seine Arbeit in umfangreichen Publikationen dokumentiert…
Val del Omars Streben nach Synästhesie entsprach seiner Lebensphilosophie, die holistisch, also ganzheitlich, geprägt war. Dabei spielte seine Herkunft aus Granada, am Schnittpunkt von Orient und Okzident, eine entscheidende Rolle. Sein Leben lang versuchte er künstlerisch und gedanklich Gegensätze und scheinbare Paradoxien mit einander zu verbinden. In seinem Triptico behandelt er Themen wie das Aufeinandertreffen arabischer mit keltischer Kultur, christlichen Vorstellungen mit islamischen Vorstellungen,den Zusammenhang zwischen Leben und Tod oder die Verbindung der universellen Elemente Feuer, Wasser und Erde.

“Val del Omars Ziel war eine Synthese der Wahrnehmung in einem ekstatischen Kino, das Visuelles fühlbar und Hörbares sichtbar macht. Er lehnte das dekorativ Dokumentarische und die narrative Fabel ab. Dabei begab er sich ständig auf das Terrain von Paradoxien (visuelles Gedicht, optische Symphonie, Explosion in Zeitraffer, nicht endende Momente und mystische Technologien), erreichte aber einen Grad der Wahrnehmungssteigerung, der den Zuschauer bezaubert und verzückt. VdO setzte seine technischen Erfindungen ein, um ein – seinem holistischen Weltbild entsprechendes – Kino zu schaffen. Er selbst nannte sein Kino weder “documental” noch “experimental”,sondern “elemental”.” (Gonzalo Saenz de Buruaga)  HOMMAGE AN JOSÉ VAL DEL OMAR (pdf)

Zu seinen zahlreichen Erfindungen gehören: der “Sonido Diafonico” – Stereo und Surround-Ton; Apparaturen zur mehrkanaligen Tongestaltung, auch für Frequenzverschiebungen und Reverbs (analoger Synthesizer); die konkave Leinwand und ein Objektiv mit Brennweitenveränderung (Vorgänger des Zoom); das Breitwandformat bereits vor der Einführung von Cinemascope und die Idee eines Rundumkinos (3-dimensionale Bespielung mit einem “Tetra-Projektor”);  “Tactíl-Visión”, ein Beleuchtungsverfahren für die reliefartige dreidimensionale Wiedergabe von zweidimensionalen Abbildungen auf der Leinwand; Geruchsspender von Szene für Szene.  passenden Düften.

Die ersten drei Discs der Edition enthalten Filme von Val del Omar. Leider ist ein  großer Teil seines Werks, besonders die Dokumentarfilme, die er in den dreißiger Jahren für die spanische Republik gedreht hat, verloren gegangen. Die letzten beiden Discs versammeln Arbeiten über Val del Omar – hier die Titel der Box:

DVD 1: Tríptico elemental de España – Aguaespejo granadino. Vibración de Granada. Estampas 1932. Película familiar. Galería fotográfica de las misiones pedagógicas (Pedagogig missions photo gallery)
DVD 2: Tríptico elemental de España – Fuego en castilla. Fiestas cristianas / Fiestas profanas. Fotografías del rodaje de Fuego en castilla (The shooting of fire in castile photo gallery)
DVD 3: Tríptico elemental de España – Acariño galaico (De barro). Galería de fotos del Tríptico elemental de España (Elementary triptych of Spain photo gallery)
DVD 4: Val del Omar sur-norte (Mario Sáenz De Buruaga). Ojala Val del Omar (Cristina Esteban). Vértice vórtice (Antonella La Sala). Laboratorio Val del Omar (Javier Viver). Val del Omar fuera de sus casillas (Velasco Broca). Collages, Fotomontajes PLAT, Diakinas (Collages, PLAT essays, Diakines)
DVD 5: Tira tu reloj al agua (Eugeni Bonet)

Alle Menüs auf Spanisch und Englisch, die Filme sind englisch untertitelt. Die Box ist bibliophil, oder besser gesagt filmophil, besonders schön gestaltet.


Segundo de Chomon

30. Oktober 2010

Cameo in Spanien hat eine Edition mit Filmen von Segundo de Chomón veröffentlicht.  Segundo de Chomón, el cine de la fantasía enthält 31 restaurierte Filme dieses Sinnesverwandten von George Méliès, die er von 1903 bis 1912 gedreht hat. Dazu gibt das 112 seitige Beiheft “Segundo de Chomón. Más allá del cine de atracciones” von Joan M. Minguet auf Englisch, Spanisch und Katalanisch.

Damit liegt zum ersten Mal eine umfassende Sammlung dieses bedeutenden Erfinders des phantastischen Films vor, wenn man einmal von schlechten Public Domain-Ausgaben absieht. Nur einzelne Titel wie “Le scarabée d’or”, “Ali Baba et les quarantes voleurs” oder “Les roses magiques” waren in verschiedenenen Samplern des frühen Films auf DVD erschienen.

Die Filmoteca de Catalunya in Barcelona hat nun diese Edition und ein neues Buch über De Chomón herausgebracht, das auch auf Englisch erscheinen wird. Beides trägt dazu bei, dieses fast vergessene Genie der frühen Filmkunst wiederzuentdecken. Seine Filme touren zur Zeit durch die Welt (New York Film Festival):

“Little discussed in film history or academic circles, Segundo is every bit the equal of the much-better-known Frenchman (creator of such canonized masterpieces as A TRIP TO THE MOON), and his extensive body of work is more diverse. Until now it has been difficult to see any representative survey of Chomón’s hundreds of films, many of which have been lost over the decades. It’s finally time for film audiences to embrace Segundo de Chomón alongside Méliès and others in the pantheon of early-cinema greats.” (Anthology Film Archives)

Einen kleinen Eindruck seines Witzes bietet der Klassiker “Das elektrische Hotel”:


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