Die Nibelungen” von Fritz Lang werden von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restauriert und 2009 im Kino und auf DVD erscheinen. Wie der Wiener Kurier gestern berichtet hat, wird diese Fassung eine neu aufgefundene Schlussszene enthalten. Da das Originalnegativ verschwunden ist, wird der fünfstündige Film z. Zt. anhand von 15 Filmkopien aus aller Welt rekonstruiert und restauriert:
“Die neue Schlussszene hat auch die 34 Jahre alte Projektleiterin Anke Wilkening überrascht. “Wir haben die Aufnahme zufällig auf einer Rolle mit verworfenen Szenen gefunden.” Zwei Jahre lang verglich und dokumentierte die Filmwissenschaftlerin mehr als dreißig Stunden Filmmaterial, suchte nach Zeitungsartikeln und anderen Spuren, die der Film hinterlassen hat. Am Ende standen ihr insgesamt 15 teilweise gekürzte, neu betitelte oder eingefärbte Versionen zu Verfügung …
Die neue deutsche “Nibelungen”-Version wird orange eingefärbt sein, weil der Film 1924 auch so in den deutschen Kinos zu sehen war. Für die deutsche Neufassung wird auch die Musik anhand der Originalpartituren neu eingespielt.” (Kurier) (Original siehe dpa-Meldung)
Bereits 2001 war eine 1990 restaurierte, nicht eingefärbte Fassung des Films mit der Originalmusik von Gottfried Huppertz auf der Berlinale aufgeführt worden. Sie ist als DVD, allerdings mit englischen Zwischentiteln, bei Kino in New York auf DVD erschienen (“Die Nibelungen” – The Nibelungen Saga). Die in Spanien erschienene DVD der Fassung von 1990 ist bei Divisa Red erhältlich (“Los Nibelungos”), die in Frankreich bei MK2 (“Les Nibelungen: La mort de Siegfried + La vengeance de Kriemhilde”). Warum diese Restaurierung in Deutschland nicht als DVD erschienen ist, darüber hat sich vor einiger Zeit Jörg Taszman in der Berliner Morgenpost Gedanken gemacht (“Nibelungen, frisch aus Spanien. Warum es im Ausland mehr deutsche Filmklassiker auf DVD gibt als bei uns.”)
Die geplante DVD-Edition dürfte allerdings alle bisher erschienenen Ausgaben des Films weit in den Schatten stellen. Zur Restaurierung und zur vorgesehenen DVD-Ausgabe berichtet die Murnau-Stiftung selbst in ihren “News”:
“Monumental ist insofern auch die Masse an belichtetem Zelluloid. Die außergewöhnlich reichhaltige Überlieferung an Originalmaterialien lässt erkennen, dass Lang ausreichend Takes drehte, um Material für mehrere Kameranegative zur Verfügung zu haben.
Das Projekt der Murnau-Stiftung umfasst die Sicherung der überlieferten Materialien, die Restaurierung einer deutschen sowie alternativer Versionen und eine Veröffentlichung auf DVD. Geplant ist für die Musikeinspielung eine Zusammenarbeit mit ZDF / arte. Die Verhandlungen hierüber laufen derzeit.
Die Federführung dieses Projektes liegt bei Anke Wilkening, die bereits vorhergehende Restaurierungen der Stiftung, wie etwa SPIONE oder ZUR CHRONIK VON GRIESHUUS, durchgeführt hat.
Ziel unserer Restaurierung ist es, die Bildqualität der bisher vorliegenden deutschen Version deutlich zu verbessern und zudem einen Beitrag zur Versionenforschung zu leisten. Erstmals war es möglich, alle erhaltenen bekannten Materialien an einem Ort zusammenzuführen und miteinander zu vergleichen. Durch die Unterstützung zahlreicher Partnerinstitutionen wurden uns verschiedene gekürzte, gefärbte, getitelte und vertonte In- und Auslandsversionen zugänglich gemacht, so dass die Stiftung die Möglichkeit hat, einen der bedeutendsten Schätze des deutschen Filmerbes in seiner ganzen Komplexität und Widersprüchlichkeit erfahrbar zu machen.
Partner der Stiftung in dem Projekt sind: Archivo Nacional de la Imagen – Sodre, Montevideo, Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin, British Film Institute London, Cinémathèque Toulouse, Cineteca di Milano, Cineteca Nazionale Rom, Deutsches Filminstitut – DIF e.V., Filmarchiv Austria Wien, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Filmmuseum im Stadtmuseum München, PresTech Film Laboratories Ltd. London, ZDF/ arte.” (Murnau-Stiftung)
30. Juni 2009 um 4:52 |
Der restaurierte Film wird im April 2010 in der Deutschen Oper in Berlin vorgefuehrt.